Würze im Detail per Monorail

marco · October 08, 2012 · Food, Travel · 0 comments

Irasshaimase!
Für den chinesischen 1. August gibt es ein paar Tage frei, und die ganze Milliarde an Einheimischen macht sich auf die Socken. Wir unsererseits entschieden uns für eine Abstecher in das Land, das zur Zeit kein Chinesen besuchen möchte. In das Land, das wohl Weltrekordhalter ist im “Danke schön”-sagen, und wo es aus jedem Geschäft oder Restaurant, das man betritt eben genau so klingt:
Irasshaimase!

Japan hatte uns wieder! Konkret, Tokio!
Und jetzt hadere ich hier von meinem Blog herum, und weiss nicht wo anfangen. Auch wenn man in Asien seit Jahren umherwandert, und von sich selber das Gefühl hat “botztussig, jetzt habe ich aber schon was gesehen du!”, kommt man ins Land der aufgehenden Sonne, sieht man Dinge, die man noch nie zuvor gesehen hat.

Angefangen tut es im spektakulär unspektakulären Hotelzimmer. Wären wir zwei Schuhe, würden wir perfekt in diese Schuhschachtel passen. Es ist sauber, irgendwie härzig, und doch mega klein.
Auch klein ist die Whiskey-Bar, in die wir einkehren. Doch sie ebenfalls hält ihre Treue zu beeindrucken. Ohne die Hilfe unseres japanischen Kumpanen Kuni, hätten wir das Lokal im Untergrund aber auch nie gefunden.
Hinter der Bar steht einer, der eher ausschaut wie ein Physiker, als ein Barmann. Mit Glatze, runder Brille und einem massgeschneidertem Chilet, wählt er seinen Whiskey aus, wie eine heikle Zutat für weltverändernde Medizin. Aufgetischt bekommen wir kratziger, rauchiger, aber auch milder Whiskey, wie er meinen Gaumen noch nie gestreichelt hat. Die Krönung aus dem Labor holt er zum Schluss vom obersten Regal herunter. Zwei über und über verstaubte Flaschen mit einer Etikette darauf, die gerade mal die Jahrzahl zeigt. Das alleine genügte jedoch schon.

Zweihundertjähriger Whiskey. Nur ein paar wenige Tropfen davon würden über 500 Dollar kosten, und das sogar als Freundschaftspreis. Wir lassen es dann doch sein.

Die Japaner trinken so gern, wie sie sich schick anziehen. Ich glaube, bereits auf diesem Blog habe ich Tokyo mit einem riesengrossen Laufsteg verglichen. Darauf beharre ich weiterhin.
In ein anderes Stadium wird dieses Flair für Kleidung im Disneyland gehoben. Als Disney-Fanatiker mussten wir natürlich auch in Tokio im besagten Park landen. Wobei es in anderen Luna-Parks vor allem um die wilden Bahnen geht, ist es im Disneyland Tokio mehr das Land als ganzes, das zählt. Hier betritt man wahrhaftig eine eigene Welt. Und dazu tragen die Leute sehr viel bei.

Um vollends in die Welt eintauchen zu können, muss man Teil davon werden. Ich wage zu behaupten, dass darin Japaner Meister sieht. Von der Grossmutter, die sich ein paar Mickey-Ohren aufschnallt, bis zum Enkelkind, das in einem Prinzessinnenkostüm zwischen den Beinen herum turnt, sind alle irgendwie im Disney-Element. Natürlich durften wir dabei nicht fehlen.

Die Japaner haben aber was Zeichentrickfilme betrifft keineswegs geschlafen. Im Gegenteil, sie haben ein eigenes Genre erfunden. Manga. Und einer der Berühmtesten Mangaproduzenten hat sein eigenes Museum in Tokio. Das Ghibli-Museum.
Die Japaner scheinen einen Grundsatz begriffen zu haben. Die Liebe zum Detail. Das fängt bei einem Museum bereits beim Ticket an. Bei Ghibli zum Beispiel erhält man dafür ein eingerahmtes Stück einer Filmrolle. Die farbigen Fenster des märchenhaften Hauses der Ausstellung zeigen Charaktere von unzähligen Filme des Studios, und erst beim zweiten Hingucker erkennt man, dass die Wasserhenkel im Gebäude allesamt goldene Katzen sind.

Und dann gibt es natürlich noch das Essen. Das glorreiche japanische Essen.
Tausende Bücher können darüber geschrieben, und Millionen Bäuche gefüllt werden. Dabei spielt natürlich auch die Präsentation eine gewichtige Rolle. Und genau hierbei können wir behaupten etwas entdeckt zu haben, was wir noch nie zuvor gesehen haben.
Eine Sushi-Monorail.
Im futuristisch, unscheinbaren Restaurant, wo es im ersten Augenblick wirkt, als würde jeder TV gaffen, wird uns eine Bedienungsanleitung für den Tablett-Computer vor die Rübe geknallt. Das System ist klar, seine Bestellung gibt man per Touch-screen auf. Und dann?
BÄM! Nach exakt 30 Sekunden kommt ein kleiner Zug angerollt, hält genau vor einem an und tataaaa, das Essen ist bereit. Per Kopfdruck wird der Zug zurück in die Küche geschickt, um das nächste Gericht abzuholen. Gegessen ist schnell und gut:

Aber auch nur in Japan so etwas.
Die Tage verflogen, und wir genossen unseren Aufenthalt in einer Gesellschaft, wo drei unbeteiligte Personen zur Hilfe kommen, wenn jemand aus Versehen ein paar Fahrräder umwirft, wo die U-Bahn kein inoffizieller Schauplatz von Rugby ist und wo es Dinge zu sehen gibt, wie sonst nirgendwo.
Statt es zu boykottieren, sollte sich China vielleicht noch ein Stückchen davon abschneiden. Für einmal wäre das eine wertvolle Kopie.

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