Weisse Socken auf Moganshan

marco · November 08, 2012 · Travel · 2 comments

Beijing versinkt im Schnee und in Moganshan kriegt man weisse Socken.
Pünktlich zum Wintereinbruch sind wir ein weiteres mal in die Hügel in der Nähe von Hangzhou aufgebrochen, um ein paar Tage im abgelegenen Resort „Naked Retreats“ zu verbringen. Diesmal allerdings mit dem entscheidenden Unterschied, eingeladen worden zu sein.

Das ganze hat natürlich eine Vorgeschichte:
Das „Naked“-Resort, von der Presse aus Allerwelt zu einem der top Reisepunkte 2012 erkoren, steckt noch in Kinderschuhen. Bei unserem ersten Besuch im Frühling zeigte sich das in Form von ein paar nennenswerten Mängel. Unsere Freundin Michèle, die die gleichen Erfahrungen gemacht hat mit ihrem Ehemann, nahm sich darauf die Zeit einen mehrseitigen Bericht zu verfassen, den von Sarah revidieren zu lassen, und so an das Management von “Naked” zu schicken. Tatsächlich landete es bei dem CEO auf dem Tisch, der sich davon sehr angetan fühlte und uns sogleich für ein Wochenende einlud, um zu beweisen, dass es jetzt anders läuft.

Dem Resort hätte es wahrscheinlich mehr gedient, wenn wir als anonyme Gäste angekommen wären. Aber im Gegenteil, die ganze Heerschar weiss von unserem Kommen und, ganz zu unserem Vergnügen, wir werden behandelt wie Königinnen und Könige.

Uns, zusammen mit unseren Freunden, wird eine ganze Villa zur Verfügung gestellt. Und das Haus verdient auch tatsächlich genau den Titel: Villa. Am Hang gelegen und die grünen Teeplantagen überblickend, trumpft die Residenz nicht nur mit seiner Grösse, sondern auch mit seiner Einrichtung. Die Fenster im Wohnzimmer reichen bis zu der hoch angelegten Decke und das Digestiv kann im sprudelnden Jacuzzi auf der Terrasse unter Sternenhimmel eingenommen werden. Das Schlafzimmer ziert eine lang gezogene Badewanne gleich am Fenster, wo man, durch das auf massiven und hohen Stelzen gelegene Haus, den Geruch der Tannenkronen förmlich riechen kann.

Schlafen könnte man 24 Stunden, da einem kein Gehupe, kein Geplapper, sondern nur das Gezwitscher der Vögel begleitet. Aber viel zu schade wäre es die Gegend im Schlaf zu verpassen. Einmal mehr schwingen wir unsere Allerwertesten auf die Pferde und reiten durch die Bambushügel. Diesmal nimmt uns der Pferdeflüsterer höchstpersönlich mit auf einen Parcours. Zum Glück ist der Meister namens „Edwin“ dabei, denn mein Hengst „White Socks“ macht alles andere, als was ich will. Wenn er galoppieren sollte, fängt er an Bambus zu fressen. Wenn ich ihm die Sporen geben, stampft er nur zeitgleich mit seinen Hinterbeinen und bleibt vollends stehen. „Kick him in his belly“, feuert mich Edwin an. Meine modernen Schuhe scheinen White Socks nicht mehr, als etwas zu kitzeln. „Hüa“, schreie ich und White Socks schnauzt unbeeindruckt. Ein leichter Schnalzer von Edwin reicht schlussendlich aus, um das Pferd zu bewegen. Sturer Bock.

Ein steiler Hang liegt vor uns. Edwin erklärt, dass wir uns nach vorne beugen müssen, um nicht vom Pferd zu fallen. Und plötzlich, ohne irgendwelche Kommandos rennt White Socks da rauf als hätte er eine Schlange zwischen den Füssen. Es kam mir vor wie auf dem Jahrmarkt, wo man auf das hydraulisch betriebenen Pferd steigt, und dort oben möglichst lange aushalten sollte, bevor es einem auf die umliegenden Polster schmeisst. Ja, da gibt es keine emotionale Bindung zwischen White Socks und mir. Wenigstens haben Edwin und Sarah ihr Vergnügen und ich mein Abenteuer.

Eine Massage hilft die Verspannung zu lösen und mit frisch gestraften Po-Backen schmeissen wir den Grill an. Der Wein fliesst, die Stimmung steigt, und die Musik wird stets lauter. Am Ende feiern wir ein vorzeitiges Silvester in unseren eigenen vier Wänden.

Und noch ein Tipp für Sportliebhaber. Speedminton. Eine Mischung zwischen Badminton und Tennis. Das Feld hat man gleich mit in der Tasche dabei und es lässt sich auch in der Wohnung spielen. 😉

Den Herbst haben wir somit Gebührend verabschiedet und der Winter hält Einzug. In Beijing angekommen, sehe ich auf einmal Überreste von Schnee in den Büschen liegen. Bis dahin hatte ich keine Ahnung, dass Beijing ziemlich was von der weissen Pracht abbekommen hatte übers Wochenende.
Schnee auf Bambus sei allerdings auch magisch… Darum, Frühling und Herbst hatten wir jetzt bereits in Moganshan, eventuell müssen wir auch noch den Winter dort sehen, denn zu reklamieren hatten wir diesmal wahrhaftig nichts mehr.

2 Comments:
  1. <3

    Sarah · November 08, 2012
  2. Ich hoffe ihr habt ihnen auch gesagt, dass es diesmal nichts zu reklamieren gab 🙂

    BeTTSCHMAN · November 16, 2012

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