Vor-, Hinter, und teilweise unter der Kamera

marco · March 27, 2014 · EICAR · 0 comments

Für was geht man schon wieder zur Filmschule? Genau, um irgendeinmal in der grandiosen Lage sein zu können, „Action“ zu rufen.

Wir gehen langsam aber sicher in die produktive Phase über hier in Paris. Das mitunter der Grund, für meine markante Absenz auf dem Blog. Das Ende des zweiten Semesters naht, und jeder Professor will irgendwas von uns. Das meiste davon stets aufwändig, manchmal stressig und schlussendlich auch sehr amüsant.

So feierte ich zum Beispiel meine Premiere als Regisseur. Es war für ein kleines Projekt. Der Auftrag war eine Szene aus einem beliebigen Film zu finden, die wir dann reproduzieren konnten. Meine Wahl viel auf eines der ersten Werke des Altmeisters Tim Burton. Beetlejuice.

Take

Und was kommt einem als erstes in den Sinn, wenn man an den Film Beetlejuice denkt? An einen nervigen Michael Keaton als Beetlejuice natürlich, und dann diese gewisse, abartig skurrile Szene am Esstisch, wo sie wie die Besessenen herum tanzen.

Nun, wenn sich jetzt unter den Lesern hier noch irgendwelche Illusionisten befinden, die sich denken, ein Film zu machen, sei eine einfache und schnell erledigte Sache, den möchte ich hier eines besseren belehren.

Filmemachen ist eine sehr sehr ziemlich aufwändige Angelegenheit. Alleine für diese kleine Furz-Szene waren wir gegen die 20 Leute. Irgendjemand muss schliesslich all die Kostüme organisieren. Oder all die Belichtung aufstellen. Oder den Ton aufnehmen. Oder die Kamera bedienen. Und derjenige, der die Kamera bedient, ist nicht etwa der, der auch das Bild gestaltet.
Jemand muss schauen, dass das, was in der vorherigen Szene gemacht wurde, in der nächsten Aufnahme berücksichtigt wird. Wenn also das Weinglas vorher rechts stand, darf das nicht plötzlich links stehen. Und noch ein anderer hat die Verantwortung, den Leuten Feuer unter dem Hintern zu machen, sonst läuft uns nämlich die Zeit davon, und die ist sowieso schon am rennen.

Dreharbeiten

So ein Drehtag schaut locker zu, wie die Sonne hinter dem Horizont erscheint, bis sie dort auch wieder verschwindet und den Sternen platzt macht. Also muss auch jemand den Beteiligten den Magen füllen, sonst werden die Leute alle noch hodig, und was man als letztes will, ist ein hodiger Schauspieler am Set.

Michalis

Und über all dem schwirrt irgendwo der Regisseur, der die Verantwortung trägt und für den sich der Tag irgendwie in Trance abspielt. Da fühlt es sich manchmal schon an, als würde man unter der Kamera begraben. Die Stunden verfliegen nur so und plötzlich ist alles im Kasten. Ein höllischer Tag, der alles aus einem heraus kitzelt. Mit einer waghalsig, tüchtigen Crew, ist das vielleicht noch kein Zuckerschlecken, aber auf jeden Fall ein Genuss.

Crew

Zwischenzeitlich war ich für ein anderes Project auch der vor der Kamera. Als Schauspieler hatte ich mich auf die Anweisungen des Regisseurs zu verlassen. Momentan kriegen wir das Set also aus allen Persepktiven mit. Von der Vorbereitung, bis in den Schneideraum.

Actor

Und das nächste Projekt mit mir auf dem Regiestuhl (obwohl, so einen habe ich noch nie gesehen hier) steht schon an. Das wird dann eine richtig grosse Sache. Ein effektreiches Kurzfilm-Projekt, dass soeben bewilligt wurde. Mehrere Tage werden sich dann so wie oben erwähnt gestalten. Das wird die Energie aus mir ausdrücken, wie das Wasser aus einem Schwamm. Aber das schöne daran ist, danach hat man sofort ein Resultat. Ein Werk, dass man allen zeigen kann. Und das Resultat schlussendlich anzuschauen, ist eine Genugtuung die Seinesgleichen sucht. Andere Regisseure reden gar von einer Sucht nach diesem Gefühl, und ich kann es nachvollziehen. Ich jedenfalls freue mich schon wieder darauf, wenn alle nervös herumzwirbeln, hier noch die letzte Make-up Touche auf des Schauspielers Nase getüpft, da noch eine kleine Ajustierung beim Licht gerichtet, dieses Objekt noch zurecht gerückt, bevor es heisst „Everybody ready!?… ACTION!“

Ich als gemütlicher Ex-Botschaftsmitarbeiter, brauche jetzt aber erst einmal ein paar Tage Urlaub.

PS: Leider ist das Beetlejuice-Produkt noch nicht ganz fertig geschnitten, folgt aber in nicht all zu ferner Zukunft auf diesem Kanal.

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