Von Achterbahnen und andere Hochzeiten

marco · May 02, 2011 · Beijing, Travel · 1 comments

Die Zeit rast weiter wie in der Achterbahn.
Alle Osternester wurden gefunden und wir befinden uns mitten im nächsten langen Wochenende.
Zum Ostermontag gab es für uns übrigens wirklich noch eine Achterbahn. Wir statteten dem chinesischen Pendant zum Disneyland, dem „Happy Valley“ einen Besuch ab.
Bereits beim ersten Schritt in den Park merkt man, dass dies ein Abklatsch der Disneyversion sein sollte. Unterteilt in diverse Länder, nur anstelle von Cowboys sind es Araber, und statt Mäuse sind es Ameisen, die in Kostümen herumhüpfen. Auf der ersten Blick, wie so vieles in China, glänzt und glitzert alles herrlich schön. Schaut man ein wenig genauer hin, erkennt man schnell, dass der Schein etwas trügt.

Die Musik wird vom Angestellten, der etwas gar halbherzig kontrolliert, ob der eigene Gürtel nun wirklich festsitzt oder nicht, per Ipod eingespiesen.
Teilweise auch schwer zu beurteilen, ob nun der Rost an den Wänden dekorativer Natur sein sollte, oder halt eben auf die Ungepflegtheit des ganzen zurück zu führen ist. Daran änderten auch die Namen, welche allesamt was mit „Extreme“, oder „Highspeed“ in sich hatten, nichts.

Demnach wurde auch die Geisterbahn, oder besser gesagt, der Geisterspaziergang angekündigt. Was wir jedoch dort vorfanden, wäre wirklich den Machern von “Nackte Kanone” nicht besser in den Sinn gekommen. Von herunterhangenden Skeletten aus dem Franz Carl Weber, über die Plastikspinnen aus den Tischbomben und ein paar hübsch besprühten Wänden, die im Neonlicht ganz furchtbar grusselig leuchteten, war auf diesem Spaziergang alles vertreten. Immerhin, den chinesischen Frauen hat es allemal ein panisches Schreien entlockt. Was wäre wohl passiert, wenn sie diese zwei Gestalten losgelassen hätten?

Nichts desto Trotz hat der Park einiges an Bahnen zu bieten. Hervorzuheben sind zwei der wildesten Achterbahnen, in denen ich je gesessen habe. Sicherlich erhöhte der Schein, dass die Bahnen nicht sonderlich regelmässig gewartet wurden, noch den Nervenkitzel. Eine davon war bodenlos, mit viel herum hangender Beinfreiheit. Und so fühlte man sich darin auch, als würde einem der Boden unter den Füssen weggezogen. Die Bahn zwirbelte umher in Spiralen, Loopings und sonstigen Kapriolen, dass man nicht mehr wusste, wo Himmel und Hölle ist.
Das absolute Highlight dann jedoch, die von uns so benannte Superman-Bahn. Da setzt man sich zuerst einmal ganz normal hinein. Ebenfalls wieder mit dieser bekannten Beinfreiheit. Einziger Unterschied, der Gürtel sitzt etwas enger und die Beine werden auch anmontiert, wie in einem elektrischen Stuhl. Dann wird man plötzlich rücklings nach oben gehoben. So, dass man also kopfvoran in den Seilen hängt. Das brutale daran, man hangt sprichwörtlich in den Seilen. Die Bahn geht in die luftigen Höhen und man ist quasi gezwungen nach unten zu schauen. Bleibt nur zu hoffen, dass der Gürtel dieses eine mal noch halten wird. Das Gefühl auf dieser Bahn einzigartig. Wirklich wie Superman fliegt man die Loopings und zwirbelt durch die Felswände. Nach dieser Bahn kann man Lois gut verstehen, so würde ich mich glaube ich auch in Superman verlieben.

Am Samstag dann, meine erste Hochzeit. Noch nie war ich bei einer solchen Festivität dabei und nun, in Beijing, sollte diese Premiere also geschehen.

Unter diesem Zeichen, das für Glück, Liebe und einfach ein bisschen alles Gute steht und somit vor allem bei Hochzeiten gebraucht wird, entschieden sich Freunde von mir, Barbara und Paul, für diese gemeinsame Achterbahnfahrt fürs Leben. In einer typisch pekinesischen Umgebung, mitten in einem Huton und mit vieler der bekannten roten Laternen geschmückt, gaben sich die zwei passend zu diesem heiratsreichen Wochenende, das Ja-Wort.
Dieses Fest, wurde zugleich ein Abschiedsfest von ihnen. Nach den Flitterwochen geht ihre Reise nahtlos weiter. So einige wirklich gute Leute, an die ich mich doch nun sehr gewöhnt habe, gehen jetzt einen Schritt weiter und verlassen Peking. Ich habe es glaube ich schon einmal erwähnt, aber dies ein grosser Nachteil dieses Expats daseins: das ständige Kommen und Gehen der Leute.

Auf all diese Ereignisse hin, entschied ich mich dann sogleich für ein bisschen Ferien. Jetzt. Zwei Wochen. Und ich bin bereits ausser Lande, und heute lief ich in einem Park umher, wo ich zum ersten Mal seit langem wieder den Geschmack von Erde und Holz in der Nase hatte. Aber dazu dann später wieder mehr.

1 Comments:
  1. Von dieser Superman-Achterbahn möchte ich gerne ein Foto sehen! 🙂

    Corinne · May 02, 2011

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