Viel Sommer und mehr Viecher

marco · August 26, 2014 · Travel · 0 comments

Ich bin ja jetzt Student, und so wie ich das immer empfunden habe, haben Studenten vor allem eines. Viel Ferien! Ich wage sogar zu behaupten, dass die noch mehr Ferien haben, als die Bundesangestellten.
Bisher habe ich von diesem Lebensstil noch nicht sooo viel gespürt, im Gegenteil, ich hatte das Gefühl ich arbeite so viel wie nie zuvor.
Trotzdem hat es jetzt aber gereicht für richtigen Urlaub. Und richtiger Urlaub für uns ist, wenn man eine Reise tut. Der Drang nach Exotik und exotischen Viechern über und unter Wasser übermannte uns. Und so traten wir diese Reise an, die uns uns in alt bekannte Gebiete brachte: nach Indonesien.

Auf dem Hinweg mit der arabischen Paradeflotte, die sich nicht schiniert um 1 Uhr in der Früh noch Reis mit Curry zu servieren, legen wir einen Zwischenstopp in Dubai ein.

Viel davon gehört, nie selber besucht. Es muss also ein eigenes Bild entwickelt werden. Für ein hochauflösendes Bild im Detail reichen ein paar Stunden leider nicht aus, und vielleicht ist das auch der Grund, warum mir die Stadt, nicht wie eine Stadt, sondern lediglich wie eine Hauptstrasse durch eine Oase in der Wüste vorkommt. Dieser Eindruck wird von der Aussichtsplattform des Burj Kalifa Turms noch verstärkt. Wo man auf dieser Höhe in China zum Beispiel nur ein Meer aus Häusern sieht, erblickt man in Dubai eine Strasse, an der sich die Hochhäuser reihen, wie die Bäume an einen Fluss. Und wo man in China Millionen von Leute rund herum vermuten würde, erstrecken sich in Dubai die Sandkörner.

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Und der Burj ist dazu noch ein Halsabschneider. Klar ist er mit seinen 900 etwas Meter, der höchste Turm, aber die Besucher Plattform ist also nur auf deren knappen 500 Meter. Diese Strecke im Lift mit 10 Metern pro Sekunde zurück zu legen, gehört zum beeindrucktesten Teil der Tour. In dem möchte ich nicht unbedingt stecken bleiben.
Wofür die Stadt bekannt und wahrscheinlich unschlagbar ist, sind die Malls. Und die sind auch wirklich einzigartig. Wer gerne seine Zeit in diesen Shoppingstädten verbringt, wird hier seelig. Hier herrscht Marken-Galore, und wer das heiss gelaufene Portmonnaie abkühlen will, kann das auf der Eisbahn, oder im Aquarium machen. Das Schaufenster zum Aquarium, ein 15 Meter tiefes Pool, wo einfach mal alles reingeschmissen wurde, was im Fischernetz gelandet ist. Haie, Eagle Rays, Napoleonsfische und viele Meer.

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Diese Naturpalette suchen wir doch lieber in ihrer natürlichen Umgebung auf, so geht die Reise bald weiter und bereits etwas näher ans Meer, nach Jakarta.

Asien hat uns wieder, es fühlt sich fast etwas an wie nach Hause zu kommen. Obwohl Indonesien schon einen sehr eigenen Charakter pflegt, hat es eines gemeinsam mit all seinen Nachbarn. Das Chaos der Grossstädte. Allerdings bleibt das vorerst einmal aus.
Es ist gerade Ramadan, und ein Grossteil der Stadt ausgeflogen. Wo wir uns auf Stau und Staub vorbereitet haben, finden wir leere Strassen wieder. Das motiviert unseren Taxifahrer zu Mutproben, und rast mit 160 in die Stadt. Von wegen mehrere Stunden einrechnen für den Weg vom Flughafen bis zum Zentrum, wir machen das in weniger als 30 Minuten.
Die modernen Neubauten des Geschäftszentrums lassen wir hinter uns, und besuchen das alte Hafenquartier. Enge Gässchen lassen uns die Orientierung komplett verlieren und wir landen in den offenen Armen der Kinder, denen dieser Teil der Stadt zu gehören scheint. Beflügelt vom Besuch der Fremdlinge, wovon sich nur wenige hier hin verirren, werfen sie sich gerne in kuhle Posen für Fotos und kümmern sich kaum um die skeptischen Blicke ihrer Eltern hinter den Gardinen.

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Von Jakarta fliegen wir weiter nach Manado, wo wir eine Nacht an der Nordküste verbringen. Das Meer und die lang vermisste Sonne hat uns wieder. Und diese beglückt uns mit einer Farbenpracht, wie sie nur so nahe am Äquator zu passieren scheint.

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Von der Küste Manados geht es per Boot weiter auf die Insel Bunaken. Ein Naturschutzgebiet, die ihre Unverkennbarkeit durch den emporragenden Vulkan gleich hinten dran erlangt hat.
Strand sucht man hier vergeblich. Mangrovenbäume schirmen die Insel von der Aussenwelt ab. Je nach Ebbe, müssen wir das Boot vor dem Wald abstellen und durch das Wasser zur Bucht waten.
Dieses Naturschutzgebiet verdient seinen Namen. Unser Zimmer alleine beherbergt einen kleinen Zoo. Im Badezimmer begegne ich einer faustgrossen Spinne, die gerade dabei ist ihren dicken Eiersack unter unserem Bett zu platzieren. Ich bin nicht stolz darauf, doch irgendeinmal musste ich entscheiden zwischen schlaflosen Nächten, in der Annahme, dass die Spinne sich unter meiner Bettdecke einnistet, oder der Spinne den Gar auszumachen und meine Tage auf der Insel bis zum Schluss geniessen zu können. Leider ist aus der Panik heraus zweiteres passiert.

spinne

Später muss ich allerdings erfahren, dass diese Spinnen die Kakerlaken gerne zum Dessert verspeisen, und da es von diesen auch nicht wenige hat, sie sehr gern gesehene Gäste sind. Und ich hab eine ganze Familie davon ausgerottet, sehr schön.
Nun denn, das restliche Geviech in unserem Zimmer haben wir leben lassen. Irgendeinmal gewöhnt man sich auch an das Gekrabble unter, und den Geckorufen über dem Bett.

Unterwasser hat die Insel auch ganz schön was zu bieten. Nebst den Aquariumviecher aus Dubai, sind an uns auf jedem Tauchgang zahlreiche Schildkröten über den Weg geschwommen. Diese Urgetiere sind aber auch gar nicht menschenscheu und kommen bis auf wenige Zentimeter nahe an einem ran. Das geht wohl nur solange gut, wie die Taucher sie nicht versuchen anzufassen. Leider haben wir ein paar Chinesen in der Gruppe, die sich dieser Grundsatzregel nicht bewusst sind. Mit den Augen scheinbar in den Fingerspitzen, fassen die alles an, was nicht gerade mit den Zähnen fletscht. Und wenn sie nicht gerade tatschen, dann starren sie auf ihre Tauchuhr und donnern in die Koralle vor ihnen. Keine Wunder liegen in manchen Teilen der Erde die Korallenriffe kaputt am Boden. Zum Glück sind wenigstens in Indonesien, so habe ich das Gefühl, diese Taucher noch in der Minderheit und die Natur sehr gut intakt. Wir erleben einige Tauchgänge mit einer enormen Weitsicht und Abermillionen von Fischlis, dass man schon fast an eine Reizüberflutung grenzt.

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Bis zum Schluss haben wir uns gut an die wilde Natur gewöhnt und wir verlassen die Insel Bunaken nur ungern. Doch das Dörfchen Tomohon lässt uns schnell vergessen. Eingekerkert zwischen mehreren, teilweise noch aktiven Vulkanen, regt uns dieses Gebiet zu mehr Natur an. Wir bewandern nach Schwefel stinkende Vulkankrater, essen frischen und drahtigen Fisch aus dem naheliegenden Vulkansee und werden selbst zur grossen Attraktion bei dem alle 2 Jahren wiederkehrenden Blumenfest. Es ist wie eine Dorfchilbi, wo Lastwagen kunterbunt mit allerlei Blumen geschmückt werden. Nebst diesen Kunstwerken gibt es natürlich noch die Sensationen einer ganz normalen Chilbi auch, nur das sie hier, ganz indonesisch, etwas rostig daherkommen, und mit einem Töfflimotor, statt Strom betrieben werden.
Aber eben, wir Mustern uns zur eigentlichen Sensation hin. Das die Asiaten gerne mit den Bleichgesichtern Fotos nehmen, ist ja bekannt, dass wir aber so überfallen werden, haben wir nicht erwartet. Wir kommen nur Schrittweise, wenn überhaupt, voran und werden im Sekundentakt mit allen möglichen Gadgets abgelichtet. Einer unserer Gruppe ist deutscher und etwa 2 Meter gross. Er könnte locker als Riese auf dem Rummelplatz ausgestellt werden und allen noch so schön und mühevoll dekorierten Rollausstellungen die Show stehlen. Irgendeinmal bleibt uns nicht viel anderes übrig, als mit einem Krampf der Grinsmuskulatur zu flüchten.

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All die Viecher unter Wasser waren uns aber nicht genug. Es muss auch noch über Wasser was geschehen. Und prompt finden wir uns im Tangkoko Dschungel wieder. Hier geht man vor allem auf die Suche nach dem Tarsier Tierchen. Ein wirklich ultra kleines, und flauschiges Geschöpf, dass eindeutig einem der Produzentem von Gremlins beim Design der Filmfigur „Gismo“ in die Hände gefallen sein muss. Das Tierchen kommt jedoch erst bei Dämmerung aus seinem Häusschen und so verplempern wir uns die Zeit mit den umherirrenden Affenbanden. Diese Meuten mit ihren blanken Füddlis kümmern sich aber auch gar nichts um uns, und wir können der Bande bis Tief in den Dschungel hinein folgen. Ganz ohne sind diese Affen aber auch nicht. Ein Affen-Wissenschaftler, den wir unterwegs treffen, erzählt uns, dass irgendein Tourist sich mit seinem Hund in den Dschungel gewagt hat und die Alpha-Tiere der Affenbande dann zum Kampf schlugen, um den Hund zu jagen. Sollten sie ihn erwischen, wäre es das sichere Ende für den Hund, da ist sich der Wissenschaftler sicher. Und tatsächlich, beim Anblick der Fangzähne der Affen, bekommt jeder noch so erfahrenen Zahnarzt schwitzige Hände.

Da ist das Tarsier Geschöpf schon etwas friedlicher. Einmal mehr haben wir Glück und sind die ersten beim Baum, wo eine Tarsier-Familie haust. Und tatsächlich, eines der kleinen Tierchen hat sich aus seiner Höhle gewagt und wartet auf uns. Als wir näher kommen fixiert es uns mit seinen überdimensional grossen Glupschaugen und hüpft mit ein paar satten Sprüngen zurück in sein Gemach. Von dort aus beobachten uns gleich mehrere dieser grossen Augenpaare und wir starren hypnotisiert zurück.

Tarsier

Nach all dem Dschungel und Vulkanen, zieht es uns zurück ans Meer. Wir reisen weiter nach Bali und gleich wieder an den Fuss eines Vulkans. In Tulamben, mit dem pompösen Feuerberg Agung im Hintergrund, beziehen wir unser Zimmer in einem formidablen Resort gleich am Meer.
Die nächsten Tage lassen wir in diesen paradiesischen Umständen einfach so auf uns einplätschern.
relax

Doch sind wir nicht nur faul, natürlich. Einige Tauchgänge warten auf uns. Dabei stossen wir auf das Liberty-Wrack auf etwa 25 Meter unter Wasser. Dieses US-Militärschiff wurde im zweiten Weltkrieg von den Japanern beballert und schwer beschädigt, so dass sich die Amerikaner gezwungen sahen in Bali an Land zu gehen. Dort versuchten sie noch all das Material vom Schiff zu retten, bevor sie dieses unbrauchbare Wrack am Strand zurück liessen. Irgendeinmal in den Jahren danach, gab dann der mächtige Vulkan Agung auch noch seinen scharfen Senf dazu, was die Liberty durch das Erdgerüttel dazu brachte tiefer ins Meer nach unten zu rutschen.
Jetzt ist dieses Wrack eine wahre Touristenattraktion. Unzählige Taucher finden sich hier Tagaus Tagein ein und betauchen das gute Stück. Der Vorteil, man kann einfach vom Strand aus mit seinen Flossen ins Wasser stolpern und findet unter sich das Stück Geschichte, das vom Meer bereits bis zur Unerkennbarkeit verunstaltet und zurück erobert wurde.

Es soll allerdings nicht das einzige Wrack sein, dass wir betauchen. Wir lernen den Patron von unserem Resort kennen. Ein Tscheche, der mit seiner 5 köpfigen Familie auf Bali lebt. Angefangen hat unsere Bekanntschaft damit, dass wir ihn beim vorbei gehen mal nach den Unterwasserfotos, die er von der Liberty geschossen hat, gefragt haben. Die zeigte er uns am Laptop, zuerst noch im stehen. Irgendeinmal nahm er dann Platz und bestellte sein Abendessen zu uns an den Tisch. Später folgte das Dessert und die Kippen. Und als er dann noch die Flasche Whiskey auf dem Tisch hatte, gab es nur noch Platz für Räubergeschichten bis spät in die Nacht hinein.
Dabei erzählt er uns eben auch von diesem Wrack, dass er vor der Nase seinen Hotels vor ein paar Jahren versenkte. Zu Forschungszwecken und um seinen Gästen auch was zu bieten. Natürlich musste dieses Vorhaben gut geplant sein. Erst musste mal ein Schiff, dessen unnütze Bestimmung es war nur auf Grund zu legen, gefunden werden. Darauf musste dieses, um jegliche Naturkatastrophen zu vermeiden, monatelang geputzt und von jeglichem Öl befreit werden. Und zu guter Letzt wollten sie auch nicht einen ganzen Korallengarten unter dem Schiff begraben, also durfte das Schiff nur an einer bestimmten stelle runter. Schlussendlich haben sie es aber ohne Zwischenfälle geschafft und uns einen ganz attraktiven Tauchgang beschert.

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Dank dem Patron kriegen wir ebenfalls noch die Chance, bei einer eigentlich ausgebuchten Manta-Expedition mitzumachen. Und da soll noch einer sagen, Vitamin B habe seine Grenzen.
Jedenfalls kriegen wir zum Tauchabschluss auch noch Mantas vor die Taucherbrille.

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Zum Glück tauchten diese graziösen Tiere auch tatsächlich auf, denn sonst wären wir wohl in diesem vom indischen Ozean herein strömmenden, kalten Wasser erfroren. Eine taffe Umstellung von 29, auf gerade noch deren 23 Grad warmes Wasser. Doch eben, ein Manta lässt Luft und Kälte vergessen.

Die von der Kälte verspannten Muskeln können wir im Landesinneren von Bali, Ubud, wieder auftauen. Dieses populäre Dorf, dass ich vor 9 Jahren zum ersten Mal besuchte, steht für Zen und Design. Umgeben von Reisfeldern macht man hier vor allem zwei Sachen: meditieren und shoppen. Unzählige kleine Boutiquen zierren den Strassenrand. Und die verkaufen allesamt mehr Ramsch, als der Flohmarkt der Grossmutter. Shoppen also etwas weniger für uns, so versuchen wir es in der „Yoga Barn“ mit meditieren. Wir landen in einer Thai-Massage Klasse, wo uns zu trällernder Musik gezeigt wird wie man zärtlich „Geben und Nehmen“ kann. Das gilt natürlich nicht nur für die Massage, wie auch für das ganze Leben. Es ist eine Philosophie.
Vielleicht weniger unsere. Vor lauter Lachen-Verkneifen sind wir weit von jeder Entspannung entfernt.
Wir entziehen uns etwas dem Tummult und suchen mit unserem Töffli die Reisfelder und Tempelanlagen auf und verziehen uns in unserem etwas abgelegenen Hotel.

Reisfelder

Mit schrumpligen Händen vom vielen Wasser und ganz im Zeichen des Zen, geht es dann schon wieder auf die Heimreise.
Und da treffen wir noch auf das grösste Viech von allen!

380

Für uns ein Jungfernflug in diesem Mortzmöbel von einem Flugzeug. Heute würde ich jedoch nichts mehr anderes fliegen wollen. Man fühlt sich wie eine Klasse emporgehoben, so viel Beinfreiheit geniesst man in dieser geräumigen Röhre.

Viel Viecher, viel Wasser, viel Wärme, viel erlebt und jetzt mit viel Energie zurück ins Filmgeschäft.
Scene 2, Take 1

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