Unlimitierte Genüsse

marco · November 10, 2013 · EICAR, Food, Paris · 0 comments

Wir sind spät.
Natürlich sind wir spät. Anfangs sind wir stets gut drin im Zeitmanagement, und am Schluss verlauern wir es doch noch.
Eigentlich nicht so schlimm, könnte man denken. Denn, der Film beginnt ja erst in einer halben Stunde.
Nicht aber so in Paris. Da muss man gut vor dem Vorstellungsbeginn beim Kino stehen. Aber nicht etwa, weil man die 20 Minütige Werbung, oder die zahlreichen Trailer nicht verpassen möchte. Nein, weil man nicht auf den zwei letzten Plätzen unten links und unten rechts gleich vor der Leinwand enden möchte.
Ja, in Paris gibt es keine Platznummerierung im Kino. Da ist es wie bei einem Rockkonzert. Es wird gedrückt, gedrängelt und geschoben. Und die ersten im Saal haben die besten Plätze. Und Leute hat es hier immer im Kino. Paris ist die absolute Kinometropole. Es scheint als sei jeder Bürger im Besitz einer dieser sensationellen “illimité” Karten, das quasi ein General Abonnement ist, um soviel und wann man auch möchte ins Kino zu gehen. Fantastisch!
Resultat, die Säle stets bumsvoll, oder zumindest gut besetzt.
Es sind aber harsche Kritiker, die Franzosen. Überzeugt ein Film nicht, dann verschwindet der schnell von der Bildfläche. Gewinnt man jedoch der Audienz ihre Herzen, kann ein Film über Monate bestehen. Gerade für das Metier in dem ich Wachsen möchte natürlich ein enormer Motivationsfaktor.

Wie man der Regelmässigkeit meines Blogs entnehmen kann, bin ich hier ziemlich beschäftigt. Da ist nichts mehr von Apéro mit Cüpli, 36 Stunden Arbeitswoche und verlängerten Weekends. Die Film-Uni vermittelt vor allem eines, dass Filmemachen kein Zuckerschlecken ist. Gut so. Jetzt weiss ich wenigstens, dass mein diplomatisch erarbeitetes Taschengeld nicht zum Fenster raus geworfen ist.
Wir sind also voll dran, am schreiben, schneiden und vor allem natürlich filmen.
Wir kleinen müssen weiterhin von den Grossen lernen. “Randa Haines” war bei uns. Eine der wenigen Regisseurinnen, die es in Hollywood ausgehalten und auch zu was gebracht hat. Und letzte Woche kamen die Leute des Kanals “Al Jazeera” reinschauen, um unseren Schuldirektor und Ex-Regisseur “Bob Swain” zu interviewen.

Bob

Da kann es schon einmal eng werden, zwischen all den vielen Lampen, mindestens drei Kameras und x Kabel zum drüber stolpern.

Eng wird es auch rund um den Eiffel-Turm.
Man, hat es da viele Chinesen. Nicht dass sie nicht sonst schon überall in der Stadt gut verteilt wären. Aber da beim Expo-Monument türmen sie sich fast. Kein Wunder fühlten wir uns dort puddelwohl. Er hat sich auch ganz hübsch präsentiert der Superstar von Paris.

Eiffel

Und wenn wir schon bei den Chinesen sind, es musste mich also nach Paris verschlagen, damit ich einer der berühmtesten Chinesen derzeit, zu Gesicht bekommen konnte.
Der Mann mit den schnellen Fingern, der Pianist Lang Lang.

langlang

Für ihn war der Auftritt im Theater des Champs-Elysee wohl eher eine bezahlte Übungssession. Er hat sich an ein paar der bekanntesten Stücke Chopins gehalten. Dabei unterstützt hat ihn eine Tanz-Ballett-Truppe aus Paris. Dass hat das Ereignis noch um einiges aufgepeppt. Und in Paris auszugehen, ist sowieso ein Erlebnis. Diese Aussicht jedenfalls stellt sich beim verlassen des Theaters auch ganz gut zur Schau.

Eiffelbynight

Grosses Kino in Paris.
Es muss aber nicht immer gross sein. Oft reicht es schon in den Strassen von Batignolles, wo wir unser bescheidenes kleines Zuhause haben, zu flanieren, und per Zufall in eines der zahlreichen Bistrots hinein zu spazieren. So zum Beispiel in “Le club des 5”. Ein Bistrot, dass die Wände voll gekleckert hat mit Stickers, Fotos, Zeitungsausschnitten, dass zahlreiche Generationen ihre Blicke darin Wonnen können. Die Tische sind so eng beieinander, dass man schon aufpassen muss, mit wem man jetzt genau unter dem Tisch füsselt. Dazu gibt es gutes Essen und mit der Rechnung am Schluss eine Schale voller Haribo auf den Tisch.
Eine durch und durch süsse Entdeckung.

Bis jetzt allerdings fehlt für die Bistrots leider noch ein “illimité” General Abonnoment. Nichtsdestotrotz scheinen die kleinen Restaurants in Paris, analog zu den Kinos, stets gut, und eng, besetzt zu sein.

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