Under- and Indonesian Bule

marco · July 25, 2011 · Travel · 1 comments

Bule!!!
Zuerst begriffen wir nicht so recht, was die Kinder in einem Dorf am Rande unserer Insel in Lembeh damit meinten. Wir verstanden nur “Poulet” wie Huhn, und begriffen erst später, dass wir eierweissen Touristen damit gemeint waren.
In vielerlei Hinsicht waren wir in diesen Ferien fremde Besucher. Allem voran unter Wasser, wo uns einmal mehr das unglaubliche und unfassbare Spektrum des Meeres präsentiert wurde.

In der ersten Woche, brachte uns die “Expressair”, mit einem Airbus aus der ersten Generation, mit ein paar Zwischenstopps verteilt über ganz Indonesien, nach Sorong. Von dort aus stiegen wir um auf ein hobbymässig, zusammengeflicktes Boot und dieses brachte uns mitten ins Paradies.
Ist ja mittlerweile ein bisschen ein in die Jahre gekommener und oft missbrauchter Begriff: das Paradies. Aber ich wage jetzt zu behaupten, dass diese Insel mit Namen Kri, im Gebiet Raja Ampat, dieser Bezeichnung ganz nahe kommt, wenn nicht sogar voll ins Schwarze trifft.

Die Gegend absolut unberührt. An der Grenze zu Papua Neu Guinea, nur ein paar hundert Kilometer von Australien entfernt, eine Inselgruppe am Arsch der Welt. Vereinzelt ein paar Dörfer mit Einheimischen, und irgendwo zwischen Meer und Dschungel, wir. Das Meer in einem blau, das man von dessen Anblick hypnotisiert werden könnte. Die Luft, so sauber und unverdorben, dass es einem beim Einatmen schwindlig wird. Die Natur, unberührt und vergessen, wie beim Ursprung der Zeit.
Unter unserem Bungalow, welches auf massiven Holzpfeilern draussen auf dem Meer stand und aus natürlichen Materialien der Umgebung hergestellt war, schwammen Barakudas hindurch, bei Ebbe kamen die Müränen aus ihren Löchern und in der Nacht gingen die Haie auf die Jagd. Alles quasi unter unserem Bett, wo man durch die Rizze der Bodenlatten nur Wasser sah.
Ein Schritt weit entfernt vom Pier aufs Land, war man sofort im tiefsten Dschungel, wo ein kleiner Komodo mit einer Maus im Mund vor einem über den Weg ging, und man die Toilette mit einer meterlangen Schlange teilte. Nach dem grandiosen Abendessen jeweils, kam sich eine Fledermaus mit einer beängstigenden Spannweite ihr Dessert, Bananen, abholen, und tausende Krebse machten den Sandstrand bewegend lebendig.
Blickte man hinauf in den strahlend blauen Himmel, konnte man eine roten Schimmer erhaschen und Begriff schnell, dass es sich dabei wohl um den Papagei handelte, der uns jeweils auch am Morgen mit seinem Gekrächze aus den Federn holte.

Bereits auf Land derart spektakulär, wurde unter Land nur noch unglaublicher. Was bei anderen Tauchspots als Hauptattraktion galt, fanden wir bereits bei der Bootsanlegestelle, und was man beim Film “Finding Nemo” als überzeichnet, kitschig interpretieren könnte, fanden wir genau in dieser Farben- und Artenvielfaltspracht so vor.
Ein Hausriff, wo man mit den Papas von Rupert Shrimp an der Seite gleiten konnte.
Eine, von einem Adler bewachten, von grünen Mangroven überwucherten Insel, wo wir an der Unterwasserschlucht auf den äusserst seltenen, und hochgiftigen, Blauringoktopus traffen.
Ein erst kürzlich entdecktes Riff draussen im Blauen, wo man auf eine Armee der eindrücklichen Bumpheads stösst.
Oder ein Nachttauchgang bei Vollmond, wo man in halbe Höhlen taucht, bei der passierenden Strömung Bamboo-Haifische anschwimmt und bei den herunterhängenden Bäumen der Insel meint, man tauche mitten im Dschungel auf.
Ich verliere mich, wahnsinnig viel haben wir gesehen, in rekordmässige Länge könnte ich diesen Blogeintrag dehnen und euch langweilen mit dem Beschrieb weiterer Tauchgänge. Bringen tut es nichts, man muss es schon gesehen haben um mir glauben zu können.

Nach dem Paradies, die Hölle.
Klingt schlimm, aber im Vergleich hatte man zuerst diesen Eindruck von der Unterwasserwelt in Lembeh.
Kahl, farblos und von Müll übersät. Was zuerst mit einem schockierten Auge betrachtet wurde, stellte sich aber als, auf eine ganz andere Art und Weise, spektakulär hinaus. Was man dort in dieser Welt, die von einem anderen Planeten stammen könnte, antrifft, überschreitet schlichtweg die Vorstellungskraft eines Normalsterblichen. Da gibt es Geschöpfe, wie zum Beispiel ein haariger Froschfisch, die könnten von deren Aussehen her, aus unseren schlimmsten Albträumen stammen. Diese schwimmen jedoch nebeneinander mit kitschigen Geschöpfen, wie den pinkigen und gelben pygmy Seepferdchen. Bei anderen Tauchplätzen oft vergeblich gesucht und der Erfolg der Ferien quasi davon abhängig, ob man eines dieser seltenen Geschöpfe findet, sieht man in Lembeh auf jedem Tauchgang.
Und man fühlt sich wie ein Bule im Weltall und wird manchmal auch demnach angestarrt.

Der letzte Teil war auch daher speziell, da die Gebrüder Tschuys zum ersten Mal in deren Geschichte gemeinsame Tauchferien vollbrachten. Dies wurde natürlich ausgiebig begossen. Dafür brauchten wir das Nationalgesöff Arak und schlugen zum Arak Attack!
Dieses hochprozentige Getränk gibt es jedoch nirgends offiziell zu kaufen, was uns dazu bewegte eben in oben erwähntes Dorf zu gehen und dort uns auf die Suche danach zu begeben. Wie wir die Fische im Meer davor bestaunten, wurden wir von den Dorfbewohner angeschaut. Sie gaben sich allerdings äusserst herzhaft und zogen jeweils lachend ein paar Schritte mit uns, bevor sie sich dann doch etwas scheu wieder von uns abwendeten. Ohne Probleme fanden wir, was wir suchten.
Der Arak Attack war aber auch verdünnt mit Kokosmilch kaum geniessbar und so besiegelten wir unseren paradisischen und abgefahrenen Urlaub halt dann doch wieder mit einem traditionellen Bintang Beer.

Nach und nach klinkte sich darauf einer nach dem anderen aus der Gruppe aus, nach Hause, in weitere Abenteuer, zurück in die Realität.
Nach einem kurzen Stop-over in Shanghai, probiere ich meinerseits jetzt einmal die brandneue Schnellzugverbindung nach Beijing aus.
Mal schauen, ob die Bule tauglich ist.

1 Comments:
  1. Das Tauchen hat dich befluegelt – Text 1A! Bis dann, irgendwann…

    Loeni aus C. · July 25, 2011

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