Touche En-Bas Sur L’île de France

marco · September 20, 2013 · Paris · 1 comments

Der TGV erreicht seine 300 KMH.
Er rast mit mir hinein in ein neues Abenteuer, einen neuen Lebensabschnitt, ein neues Kapitel.

mefier

Ankunft Gare de Lyon, Paris. Auf der Insel Frankreichs kriege ich die Möglichkeit, mich als Künstler zu beweisen. Die international Filmschule EICAR nimmt sich mir für die nächsten 2 Jahre an. Die Aufnahmeprüfung ist bestanden. Ein kleiner Traum für mich, da ich schon seit jeher mit dem Gedanken gespielt habe, mich in diesem Bereich weiterzubilden.
Doch die eigentliche Prüfung sei eine andere, meint der Schuldirektor, bei unserer ersten Begegnung. Die Hauptprüfung sei in Paris eine Wohnung zu finden.
Und so beginnt die grosse Suche nach einem freien Plätzchen:

mini

Und es wird gestreikt. Willkommen in Fronkreisch!
Die RER fährt nicht heute. Die Metro muss reichen, um zu meiner temporären Unterkunft bei „Lesauvages“ zu kommen.
Jetzt als Student auf dem Budget-Kurs unterwegs, beziehe ich eine bleibe von AirBNB. Die stets an Popularität gewinnende Internet-Sensation, wo man Zimmer vermieten und mieten kann. Für mich eine Premiere. Unwissend und nervös darüber was mich erwartet, drücke ich bei einem Wohnblock im 19. Arrondissement die Türklingel. Von meinem Gastgeber werde ich herzlich empfangen. Vincent Lesauvages drückt mir gleich die Schlüssel zu seiner Wohnung in die Hand.
Ob es irgendwelche Regeln zu beachten gibt, frage ich.
„Non, c‘est comme un hotel“, meint er.
Mein Zimmerchen, ist jenes, das sonst Vincents Kindern gehört. Unter der Obhut von einem an die Wand gezeichneten Snoopy an der Wand, nicke ich zum ersten Mal in der französischen Hauptstadt ein.

Das Sofabett quietsch bei jeder Bewegung, als hätte ich mich auf ein kleines Schweinchen gedreht. Vor meiner Haustür ein Tumult auf dem Pausenhof der Schule gegenüber. Zwei Zehnjährige prügeln sich. Sie werden von zig Mitschülern angefeuert. Die kleinen Fäuste können zum Glück keinen grossen Schaden anrichten. Von all dem Quietschen der Federn und Schreien der Kinder krieg kein Auge mehr zu. Auch gut, so komme ich früh genug aus den Federn, um die Wohnungssuche zu beginnen.

Die ersten Tage klappere ich unzählige Agenturen ab. Mein einleitendes französisches Sätzchen ist anfangs ganz naiv:
Ob sie noch Wohnungen zu vermieten haben, frage ich.
Natürlich. Was ich den suche, fragt mich die Agentin.
Was hübsches für zwei.
Wunderbar, zu welchem Budget?
Ca. um die 800 Euro?
Ah non, désolée, au-revoir.

Ich passe also mein Einleitungssatz für die nächste Agentur entsprechend an:
Haben sie ein Wohnung für zwei Personen um die 900 Euro.
Natürlich, wieviel Quadratmeter etwa?
Ja, so um die 40 vielleicht?
Au-revoir, Monsieur!

Ok, was Preis und Grösse anbelangt gehe ich die Sache absolut utopisch an. Habe ich schnell begriffen.
Ich justiere also weiter:
Bonjour, ich suche eine Mietwohnung um die 1000 Euro für zwei nicht kleiner als 25 Quadratmeter.
Hm, da haben wir nicht mehr viel Optionen. Ich kann ich noch das und das bieten.
Die Dame knallt mir ein paar Bildern von leeren Wohnungen hin.
Ah ok, verstehe. Haben sie auch möbliert?
Möbliert, Non, adieu!

Zum verzweifeln.
Meine Einleitung, die nun alle Kriterien beinhaltet, stösst auf kein grosses Gehör. Die Preise sind regelrecht am explodieren, zu immer kleiner werdenden Wohnungen.
Und wenn es dann welche hat, darf man sie nicht einmal besuchen. Man wird auf Bilder im Internet verwiesen, wenn es dick kommt noch mit einem Rundgangsvideo dazu auf youtube.

Ich lerne Paris von einer ganz anderen Seite kennen. Ich düse von einem Arrondissement ins andere. Noch an all die asiatischen Gesichter rund um mich gewöhnt, empfinde ich die Metro als wilder Dschungel. Die Stationen kommen mir vor wie Flughafen Terminals, wo alle Kulturen aufeinander prallen. In den Zügen wird gebettelt, gesungen, an der Stange getanzt und einer verteilt sogar seinen CV.
Zwischendurch gönne ich mir eine Pause in einem der zahlreichen Kaffees an jeder Strassenecke. Vom Cappuccino jedoch muss ich mich wohl vorerst mal lösen, zu teuer und zu klein das Ding.

cafe

Die paar wenigen Wohnungen, die ich effektiv zu sehen kriege, sind in ganz anschaulichen alten Wohngebäuden gelegen. Wenn überhaupt, dann ausgestattet mit Liften, wo gerade mal eine Person drin Platz hat. Wie in einem aufgestellten Sarg geht es nach oben.
Man lebt auf engem Raum in Paris. Wenn die Wohnung zwei Zimmer hat, ist das schon Luxus. Meist gibt es nur ein Wohnzimmer mit Sofabett. Und die Wohnungen die ich vorgeführt bekomme, sind entweder im Erdgeschoss, manchmal sogar im Keller, oder dann gleich ganz oben unter dem Dach. Nur der Preis mag stets die Decke zu sprengen.

Ein neuer Krach holt mich aus meinen quietschenden Federn. Ein Sonntagsmarkt wird auf dem Pausenhof aufgebaut.
Nach einer Woche Agenturen, Wohnungen und Croque Monsieur, gönne ich mir eine Auszeit. Ein ausgeprägter Spaziergang führt mich der Seine entlang und durch Saint-Germain. Da sollte man wohnen. Ich wage aber die ausgehängten Preise bei den Agenturbüros gar nicht anzuschauen.
Doch springt zum ersten mal der eigentliche Charme, der die Stadt aufzuweisen vermag, auf mich über.

Nach gut einer Woche und einem erlangten Gespür für den parisischen Wohnungsmarkt, reissen wir uns eine Wohnung unter den Nagel. Notabene von einer Agentur aus New York. Die Wohnung selbst gesehen haben wir zwar noch nicht, aber das ist ja scheinbar normal hier. Und das Internet verspricht was charmantes.
Für die ersten paar Monate, ca va jouer, hein.

Und jetzt kann es dann also los gehen mit dem eigentliche Hauptplot. Nämlich hinter der Kamera.

Klappe und Action!
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1 Comments:
  1. Krasse Sache! Aber dass Paris keine Schnäppchen bietet, war ja wohl abzusehen?

    Immerhin hattest du in Peking ein paar Jahre lang die voll geile Wohnung.

    Oli · November 05, 2013

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