Beijing und die Jahreszeiten, das ist wie Bern und ein richtiger Sommer; nur ansatzweise vorhanden. So ging auch dieses Jahr der Wechsel von Sommer auf Winter ziemlich rasant über die Bühne. Die Bäume hatten kaum angefangen ihre Blätter abzuwerfen, schon wurden sie bereits von Schnee überfallen. Da läuft natürlich die jüngste, chinesische Generation Gefahr die Jahreszeiten Frühling und Herbst vollends zu vergessen. Da spielt es keine Rolle mehr, wann im Frühling das Bienenspiel anfängt und die Hasen rallig werden. Oder wann im Herbst Frau Holle schon mal die Bettwäsche aus dem Schrank nimmt und sich Rupert Shrimp parat für seinen Winterschlaft macht. Nun denn, wenn die Natur nicht mehr natürlich will, muss man halt etwas nachhelfen. So gesehen letzthin, als wir einen wunderschönen Herbstbaum begegneten. Solch eine Blätterpracht bringt die Chinesen immer wieder dazu, sich in die graziösesten Posen davor zu schmeissen. Wir kamen dem Drang der grossen Masse nach und lichteten ebenfalls, von der Abendsonne getränkt, ein Foto ab. Bezaubernd! Doch was macht der Typ da hinten in den Büschen? Der verrichtet doch nicht etwa sein Geschäft vor knipsenden Kameras? Er verrichtete ein Geschäft, aber dasjenige für was er auch bezahlt wurde. Er schmückte den Baum wie ein Weihnachtsbaum, […]
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Freundliche Grüsse aus dem Wolken verhangenen Beijing. Das ein Beispiel einer konventionellen Unterschrift in einem für das EDA typischen Mailverkehr. Aus aller Welt kommen bei diesem Departement die Nachrichten zusammen und beinahe ausnahmslos beinhalten sie immer einen kurzen Wetterbericht. Grund genug auch für mich einen Beitrag zu einem der Lieblingsthemen des Schweizers zu verfassen: dem Wetter. Lustig zu sehen, wie gewisse Angewohnheiten von den Auslandschweizern einfach mitgenommen und auf der anderen Seite der Grenze zu Mutterland Helvetia adaptiert werden. Gerade in Peking bietet das Thema ziemlich was an Zündstoff. Im Moment steht es noch in den Sternen, sowie in den Windböen und Staubpartikel, ob diese Wetterdaten für die nächste Woche zutreffen werden. Zu deren Richtigkeit wage ich allerdings zu behaupten: Knapp daneben und voll vorbei! Das Wetter in Peking ist alles andere als vorhersehbar. Ja gar ein Ding der Unmöglichkeit scheint es zu sein, auch nur einen Tag im voraus das Wetter zu bestimmen. Solche komplett verhauene Vorhersagen erhitzen natürliche des Schweizers Gemüt aufs derbste. Leider gibt es hier kein Thomas Bucheli, der dafür verantwortlich gemacht werden könnte. Dann wendet man die Blamage halt gleich aufs ganze Land an und verflucht die Chinesen. Was andere vehement stört, finde ich eher […]
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Dreckexempel

by marco· April 21, 2011· in Beijing· 0 comments tags: Beijing, Dreck, Luft, Regen, Wetter
Der Segen vom Regen ist in Beijing ja selten. Das letzte mal, wo ich mich dran erinnern kann, dass es richtig geregnet hat, kann ich mich gar nicht wirklich daran erinnern. Heute dann, einer dieser raren Tage. Wie mir bei meiner Ankunft geraten wurde, verzichtete ich nicht auf die morgendliche Dusche, um ganz nackig mich vom Regen waschen zu lassen, sondern spannte den Schirm über mir auf. Saurer Regen, sagten sie. Nur Dreck falle da vom Himmel, behaupteten die bösen Zungen. In meiner jugendlichen Besserwisserei, glaubte ich ihnen natürlich nicht. Heute wurde ich eines Besseren belehrt. Was der Schirm nach fünf Minuten am trockenen zeigte, sollte ein kleines Beispiel dafür geben, was wirklich hier so in der Luft herum schwirrt. Der wasserabweisende Stoff sah aus, als hätte ich in als Schaufel gebraucht um ein bisschen in aufgeweichtem Morast nach alten Knochen zu graben. Schmutzig wie ein Waschlappen, der für die Toilette gedacht ist, staubig wie ein vergessener Pullover in der Wüste. Natürlich, ich übertreibe. Und trotzdem gab der Schirm ein gutes Exempel davon ab, was wir hier tagaus tagein unseren Lungen antun. Zum Glück hat es jetzt für die nächsten paar Monate ausgeregnet, sonst werden wir uns dem Dreck in […]
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