Sie sind da!

by marco· December 07, 2011· in Beijing· 1 comments tags: Fahrrad, Juan Ly, Sael Um, Sarah Edmonds, Schnee
Es sei sehr dringend, hiess es. Ich müsse sofort ins Büro der Rezeptionistin der Botschaft! Wie sich das für einen System Administrator gehört, kam ich natürlich meiner Pflicht sogleich nach und eilte zu Hilfe. Gerade als ich in das Büro meiner Kollegin am Empfang einbiegen wollte, sehe ich dort vorne dran meine Freunde Sael Um und Juan Ly. Ah cool, denke ich so, sage denen dann später kurz Hallo! Moment… SAEL UM UND JUAN LY!!! Da habe ich es geschnallt. Mir wurde ein übler Streich gespielt, da gab es keinen Notfall, aber eine umso grössere Überraschung. Die Jungs, die sich auf ihre Sattel gesetzt haben und sich von Bern aus Richtung Peking gemacht haben, sind angekommen! BÄM! Man fieberte mit, freute sich über jede erhaltene Meldung, in Gedanken immer mit ihnen dabei, doch wirkten sie noch so unendlich fern und dann plötzlich stehen sie da, als wären sie nur von der Länggasstrasse an die Bernastrasse geradelt. Die Freude war natürlich unermesslich und dies wurde am selben Abend ganz schweizerisch, und Dank der tatkräftigen Mithilfe von S. L. aus U. (tausend Dank), mit einem Fondue besiegelt. Und Ihr Timing konnte nicht besser sein, nur ein Tag nach ihrer Ankunft kam der […]
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Als er vor mir stand, hatte ich das Gefühl, es sei ein Minenarbeiter. Von Kopf bis Fuss von Kohlenstaub bedeckt. Die Taschen Russ übersät. Die Fahrräder unter dem Schmutz kaum zu erkennen. Es regne halt und da würde der Dreck der Kohlekraftwerke auf den Strassen zu groben Schlack geknetet, der sich überall dran haftet. Dies sagte Juan Ly etwa im gleich unspektakulären Ton, wie ich sagen würde „schmeckt gut dieser Kräutertee“. Ja richtig, ich hab sie also getroffen, die zwei Helden Juan Ly und Sael Um, die gleich noch mit dem Frutiger Fred daher kamen. Seit Monaten suchen sie sich auf der Seidenstrasse ihren Weg von Bern nach Peking. Wer diese Geschichte verpasst hat, kann sie hier nachlesen und weiterverfolgen: http://2wheelsblog.wordpress.com/ Unsere Wege haben sich in der Stadt Xi’an programmiert gekreuzt. Diese Stadt, vor allem bekannt durch die Terrakotta Armee, erstaunte mich aber als aller erstes durch ihre Entwicklung… ja Shoppingmöglichkeiten. An einer Strasse, der Hauptachse von Süd nach Nord, war Gucci neben Louis Vuitton, der vis à vis vom Hotel Ritz stand. Einmal mehr habe ich selbst wieder vergessen, dass ich in China bin und es hier keine sogenannten „kleine Städtchen“ gibt. Auch die Arschbacken eines jeden Fahrradfahrers, gerade […]
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Man nehme zwei Fahrräder. Zwei, damit man nicht so alleine ist. Rostig müssen sie sein, sonst werden sie gleich geklaut. Eine Klingel ist empfohlen, um die Fussgänger von der Strasse weg zu klingeln. Bremsen müssen nicht in top Zustand sein, denn gebremst wird hauptsächlich mit den Füssen. Eine Karte ist nicht von Nöten, man fährt nach Gefühl. Am besten durch die French Concession. Die wird ihrem Namen sehr gerecht und man fühlt sich überall anders, als in China. Da gibt es schnuckelige Cafés, schrille Restaurants, Geschäfte mit der hipsten Mode und falls der Reifen mal platt ist, gibt es daneben gleich ein Fahrrad-Mech. Anhalten darf man überall, allerdings nicht zu abrupt, sonst könnte einem das Motorrad hinten auffahren. Sollte man verregnet werden, darf man getrost auf die Ersatzkleider zurückgreifen, die überall herumhängen. Ampeln müssen nicht beachtet werden. Genau so wenig wie die Fahrradsverbotsschilder, die es bei den äusserst engen Strassen hat. Man sei aber auf der Hut vor der Polizei, denn die sind auch auf der Pirsch nach Fahrrädern. Fährt man an der “Tai kan lu” vorbei, sind sie „nicht ganz gebacken“, würde hier der Bäcker sagen, denn da würden sie auch besser anhalten. Schon nur für das blaue Pferd. […]
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Beim Verfassen des letzten Blogs war ich wahrhaftig feurig heiss. Ein brodelnder Vulkan bereit viele Wörter zu spucken. Die Presse ist etwas ruhiger geworden, aber die Situation bleibt leider noch angespannt und tragisch. Die Japaner sind ja einzigartig, was Problembewältigung betrifft. So haben sie es doch tatsächlich geschafft, eine komplett zerstörte Strasse, die mitten ins Krisengebiet führt, innerhalb von 6 Tagen wieder zu pflügen und befahrbar zu machen. Rekordverdächtig. Nicht immer aber ist ihre Erklärweise für uns nachvollziehbar. Wie das Video unten schön zeigt, versuchen sie jedoch, gravierende Probleme für jung und alt auf unverkennbar, japanische Art verständlich zu machen: Die Chinesen sind mittlerweile etwas ruhiger geworden. Wahrscheinlich haben jetzt einige Haushalte Salz im Küchenschrank, der für die nächsten 10 Jahre reicht. So ist auch der Frühling in Peking eingetroffen. Bei diesen warmen Sonnenstrahlen, welche das Quecksilber schon nahe die 20 Grad Marke kommen liess, kam mir auf einmal meine vergessene Liebe in den Sinn. Pigeon! Für jene die es nicht wissen, Pigeon ist mein Fahrrad. Ganz ein klassisches Ding. Ein wenig Angst hatte ich auf dem Weg zum Fahrradunterstand, ob denn die Pigeon den harten Winter überstanden hat. Bevor ich dies beurteilen konnte, musste ich sie zuerst vom meterdicken […]
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