Wir brechen langsam die Zelte ab. Die Schränke leeren, und die Müllsäcke füllen sich. Bald schon ist das Kempinski Apartment 422 Geschichte. Um den Kopf von dem ganzen Umzugs-Tumult zu lüften, verschlägt es meine zwei Turnschuhe in letzter Zeit öfters hinaus in die Natur zum joggen. Die letzten paar Wochen, ziehen vor meinem inneren Auge vorbei. Shanghai haben wir schon verabschiedet. Am letzten Wochenende zeigt es sich von allen möglichen Seiten. Regnerisch, gewitterig, heiss, schmackhaft. Uns bleiben wird vor allem: der pompöse Abschied. Ganz traditionell, gibt es beim Rückflug die obligate Flugverspätung von nur ein paar Stunden. Und der Pilot dreht zur Feier des Tages auch noch gleich ein paar Ehrenrunden. In Beijing zur Zeit absolute Frischluft-Galore. So kriege ich bei meinem sportlichen Spaziergang viel Grünes zu Gesicht, im selbsternannten zweitgrössten Park, der überhaupt je in irgendeiner Stadt Platz gefunden hat: dem Chaoyang. Der Chaoyang Park hat einiges zu bieten. Eine seit 2010 eingestellte Baustelle für das selbsternannt grösste Riesenrad. Ein Luna-Park mit verrosteten Achterbahn-Schienen und patentlos herumstehenden Disneyfiguren. Ein Notunterstand für unvorhergesehen Gewitterstürme, natürlich aus Metal. Ein Seilpark, der mit morschen Latten ein unvergleichbar neverkitzelndes Erlebnis bietet. Ein gut besuchtes Swimmingpool, wo man vor lauter Leute das Wasser nicht […]
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Letztes Wochenende war vom toten Fisch bis zu den Schnurrhaaren sehr chinesisch. Und angefangen hat alles es mit einer Katze. Nein, eigentlich nicht ganz richtig. Angefangen hat alles damit, dass man förmlich die Chemie im Wetter riechen konnte und wir eine Möglichkeiten suchten dem Labor zu trotzen. Man tut ja sonst nichts blöderes, und so landeten wir in irgendeinem Hinterquartier Pekings auf der Suche nach einem bestimmten Tierladen. Wir glaubten es selbst fast nicht, als wir unter uns anglotzenden, chinesischen Augen den auch tatsächlich fanden. Eingekerkert von Wohnblöcken an einem Ort in Peking, den wir wohl bei uns als Banlieu bezeichnen würden. Und da trafen wir ihn. Den Baron. Sein grimmiges Gesicht täuscht über seine Herzlichkeit hinweg und wir waren, obwohl eher um uns zu Beschäftigen und nicht aus Kauflust dort, versucht dieses heimatlose Findelkind sogleich als Andenken aus China mit nach Hause zu nehmen. Lange überlegten wir. Noch am Abend, im sehr der Rede wertem “Maison Boulud” gleich neben dem Platz des himmlischen Friedens, wägten wir ab, waren hin und her gerissen. Die Entscheidung lag uns schwer und wäre sie im Suff gefallen, dann hätte ich jetzt wohl einen Lord Baron von Kempinski als Mitbewohner. Doch die Vernunft hat, […]
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