Spesen für T8

marco · August 23, 2011 · Botschaft, Travel · 2 comments

Zirp, zirp.
Es zirpte neben mir.
Obwohl mir Indonesien immer noch in Gedanken hängt, war mir eigentlich bewusst, dass ich nicht mehr im Dschungel bin.
Doch es zirpte weiter. Mitten auf der Strasse.
Also doch wahrscheinlich einfach die Geräusche des Grossstadtdschungels Shanghai, dachte ich mir.
Da sah ich neben mir, eine Karre voller Tiere. Es war eine Zoohandlung auf Rädern, mit sämtlichen Tieren zum Verkauf. Ich entdeckte Hasen und Mäuse, Bibilis sowie Rupert Shrimps, aber woher das zirpen kam, blieb ein Rätsel. Vorerst.
An einer Metalstange angemacht, ortete ich kleine, geflochtene Kuben. Und darin, je eine riesen Zikade, die verzweifelt und eingepfercht vor sich hin zirpte.
Als ich proklamierte, dass ich dies noch nie gesehen hätte, wurde mir vorgeworfen, mit geschlossenen Augen durch die Gegend zu stolzieren. Dies gäbe es nun aber wirklich überall in China, ganz sicher auch in Peking.

Also gut, “Augen auf” die Devise.
Was es aber in Peking definitiv nicht gibt, ist eine derart breitgefächerte Palette an stylischen Lokalitäten wie in Shanghai.
In dieser Stadt scheint regelrecht ein Wettbewerb losgebrochen zu sein, wer das genialste Restaurant hinzaubern, oder die ausserordentlichste Bar hinpflanzen kann. Mit Namen wie “Waterhouse”, “Dr. Wine” oder “Cocktail” trumpfen die Bars auf und lassen viel versprechen. Bei den Restaurants, vielleicht etwas weniger einfallsreich was die Namensgebung betrifft, liess uns doch der Titel “T8” etwas neugierig werden.
Nachforschungen ergaben, es handelt sich um ein renommiertes Restaurant, in einem der berühmtesten Ecken Shanghai und geführt wird es, BÄM, von einem Schweizer.
Mit den Taschen voller Spesengeld der Arbeitswoche auf dem Konsulat, fanden wir uns in eben diesem Restaurant wieder.
Wie sagt man so schön, es war ein Fest für die Sinne. Und das nicht nur für die Geschmacks- und Geruchssinne, sondern auch fürs Auge. Serviert wurde jeweils auf einer flach geschnittenen Steinplatte. Das dazu absichtlich, rostige Besteck passte, genau so, wie die offene Küche, welche den Blick über die Schulter des Chefs erlaubte, der gerade das Tenderloin aus Australien auf die Stufe medium brachte.

Was jedoch weder Peking, noch Shanghai packt, ist anständiger Service. Nun gut, als Sohn einer Mutter, die genau auf die Ausbildung solcher Profis spezialisiert ist, hat es natürlich der arme Trop im Service nicht gerade leicht mit mir als Gast. Und doch wage ich zu behaupten, dass es jeden stört, wenn einem das leere Teller unter der Nase weg gezogen wird, während dem das Gegenüber noch am Essen ist.
Oder wenn nachgeschenkt wird, sollten dies nicht unbedingt quer über den Tisch geschehen, so dass hinten die Unterhose hervor guckt, und vorne der Jackenzipfel in die Sauce plumpst.
Aber eben, dies sind Details.
Ist doch auch schön zu sehen, haben Peking und Shanghai Gemeinsamkeiten.

Eines jedoch steht fest, Shanghai pulsiert. Da fühlt man den Herzschlag einer Weltstadt. Und dieser Rausch allein, wird nicht nur von den Wolkenkratzern verursacht.
…Und auch nicht nur von den Zikaden.

2 Comments:
  1. hm ..
    liegt shanghai gleich neben washington?
    oder haben die merikanskis den shanghaiskis abgeguckt oder umgekehrt??
    bedienung??? tischsitten????? service-banausen!!!!! & !

    erwarte dies NIE in diesen niederungen der servier- und tischkultur –
    aber geniesse den moment, wenn du zufällig von ‘richtigem’, zurückhaltendem aber gleichwohl aufmerksamem bedienen verwöhnt wirst umso intensiver

    crackix · August 23, 2011
  2. Also mir hat Shanghai sehr gut gefallen. Sehr, sehr gut sogar 🙂

    Sag – wie gehts eigentlich deiner Schildkröte?

    Corinne · August 24, 2011

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