Shanghai Sling

marco · April 07, 2010 · Allgemein · 0 comments

Shanghai.
Wer kennt sie nicht. Die Stadt der Zukunft. Die Sim-City der Realität. Am Puls der Neuzeit, dort wird das Morgen erschaffen.
So sagt man jedenfalls…
Demnach hoch waren die Erwartungen meinerseits.
Diese wurden zwar nicht erfüllt, aber die Enttäuschung blieb auch aus.
Dafür gibt es sogar einen Sündenbock, oder eher eine Sündenziege und die heisst Hong Kong.

Aber mal schön der Reihe nach.


Von Anfang bis Schluss gab es da vor allem etwas: ganz viele Chinesen.
Gerade bei den Hauptattraktionen, wie zum Beispiel bei der Promenade „The Bund“ die sich vor der Skyline durchzieht, oder an der Einkaufsmeile der Nanjing-Road, musste man sich durch aber-tausende Chinesen und Verhältnismässig nur ein paar Bleichgesichter durchkämpfen. Das ganze etwa vergleichbar mit dem Gedränge Samstagabends am Gurtenfestival vor den Toiletten.
Dieser Menschenandrang hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass Shanghai endlich ihre unzähligen Baustellen loswurde und nun in neuem Glanz erstrahlt. Denn in 4 Wochen öffnen sich die Tore zur Welt-Ausstellung Expo 2010, wo natürlich noch jeder Makel ausgebügelt werden musste dafür.

So klafft auch die Kluft zwischen Glanz und Dreck noch massiver, als man es zum Beispiel in Peking findet.
Je nachdem biegt man bei einem aufgetürmten, modernen Glascontainer um die Ecke und findet sich in einer Markstrasse wieder, wo Frösche und Schildkröten im Netz, Enten mit zusammengebundenen Füssen und unter Platzmangel leidende Fische verkauft werden.

Am eindrücklichsten jedoch; der Flaschenöffner.
Zur Abwechslung hat das nichts mit Alkohol zu tun.
Hier geht es um Architektur.
Mitten auf Pudong, in eben dieser weltberühmten Skyline, befindet sich das World Financial Center, welches aussieht wie der Flaschenöffner, der an der letzten Grillparty im Garten verloren ging.
Und auf dieses Ding kann man rauf. Ganz rauf. Bis in den 100. Stock. Auf sage und schreibe 474 Meter.
Nach gewohnter Science-Fiction-Manier wird man per Lift in diese Schwindelerregende Höhe gebeamt und mit einer unnachahmlichen Aussicht Belohnt.

Nebst diesem Highlight gab es dazwischen auch noch Schädel in der Suppe, Massagebrillen und eine Pink angehauchter Frühlingsraketten-Turm.

Shanghai ist schön. Peking ist schöner.

Irgendwie fühlte ich mich einer schönen Fassade ausgesetzt, die gerade neu gestrichen wurde, aber mit billiger Farbe, die an manchen Ecken schon beginnt abzublättern.
Obwohl in manchen Teilen der Stadt vorhanden, so zum Beispiel in der Flanierzone „Xin tian di“, oder im Künstlerviertel, vermisste ich insbesondere den Charme.
Eigentlich habe ich mir Shanghai jeweils so vorgestellt wie Hong Kong, und bin jetzt umso mehr überrascht, dass sich Hong Kong eigentlich selber übertroffen hat und Shanghai immer noch versucht sich selber zu übertreffen.
Aber Shanghai ist definitiv einen Besuch wert. Schon nur für ihre Toiletten.
Ja, in Shanghai sitzt es sich gut auf den WCs. So gut, dass es dafür einen eigenen Blog-Eintrag geben muss. Kommt Zeit, kommt Blog.
Ich muss mal… später auf diesem Kanal.

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