Pure Lotus

marco · November 09, 2009 · Allgemein · 1 comments

Aufgewachsen in einem Restaurant, und mit Vater und Mutter aus dem Gastgewerbe, fühle ich mich quasi wie verpflichtet und berufen hier ein paar Worte über dieses Metier zu verlieren.

Negativ zuerst.
Die Überlebenschancen von Restaurants in Beijing beträgt in etwa 2 Jahre. Danach wird es entweder einfach stehen gelassen, bis es von verschiedenen Tieren erobert und zerstört wurde, oder es wird, nicht selten vom gleichen Inhaber, niedergemacht und mit neuem Konzept, neuem Schwung, neuem Budget und anders gekleidetem Personal neueröffnet.

Die Palette an “fan guan” wie diese Restaurants zu chinesisch genannt werden (ausgesprochen “fan guan(r)”, erstes Wort im vierten Ton, zweites Wort im dritten) ist, wie die Stadt selbst, U-N-E-N-D-L-I-C-H!
Auch beachtlich, es ist einer meiner längsten Aufenthalte im Ausland und ich wurde, entgegen allen brutalen schon im vornherein magenverstimmenden Schauermärchen, von jeglichen Magenverstimmungen bis jetzt verschont (Für jene die es interessiert und somit vielleicht auch begreifen, ich habe soeben meinen Kopf angefasst) und ich habe keine Scheue gezeigt, auch mal am Strassenstand etwas zu essen.

Hier eine kleine Anekdote:
Die Chinesen wissen ja wirklich wie sparen. So kam einer auf die ganz schlaue Idee, das Übermass an Essensresten die es in dieser Stadt gibt zu sammeln, in einen Topf zu schmeissen, mit einer gewöhnlichen Friedhofsgärtnerschaufel selbst in diesen Topf, barfuss versteht sich, hineinzustehen und das Öl abzuschöpfen und billig weiterzuverkaufen zur Wiederverwendung.
Mmmmmhhhhhhh, öl!
Man muss und sollte nicht immer alles wissen was hier abgeht…

Oh, da kommt mir gerade noch eine zweite Anekdote in den Sinn:
Für Hotel gibt es verschiedene chinesische Wörter.
Eines davon lautet “jiudian” (tschiooooooooodiän)!
Dieses Wort besteht aus zwei Wörtern: Jiu und dian. “Jiu” steht für Alkohol und “dian” steht für “shop”.
Geht man in ein Hotel hier, wohnt man also in einem Alkoholshop.
Auf meine Frage hin woher denn das komme, meinte meine Lehrerin: Na ja, früher wenn man unterwegs war und müde wurde, dann hielt man Ausschau nach einem Platz zum Schlafen, zum Essen, zum Ruhen und ja… halt auch zum Saufen.

So, der Faden habe ich jetzt vollends verloren, der Sauhund der ist schon über alle Berge.
Wie dem auch sei, was ich eigentlich erzählen wollte ist, letzten Samstag waren wir im besten Restaurant, das ich hier in meiner pekinger Zeit erleben durfte.
Eben, “Pure Lotus” und so, genau, der Name halt.
Das Konzept, simpel. Nämlich, vegetarisch.
Für all jene die es nicht wissen, nein, ich bin kein Vegetarier, oh nein, zwischendurch mal ein “flachgebrätschtes” Wiener-Schnitzel, botztussig, dem steht also kein schlechtes Gewissen im Wege. Aber ich respektiere die Vegetarier, sehr sogar. Und ich werde jeden einzelnen von denen in dieses Restaurant ausführen.
Beim Eingang werden einem als erstes die Hände gewaschen.
Man wird an einem viel zu grossen Tisch geführt, was seinen Grund hat, denn schon nur die Getränkekarte ist ca. 1 Meter breit.
Man kann alles bestellen, Fisch, Schwein und Poulet.
?!?!?
Jaja, weder ich habe mich falsch ausgeschrieben, noch habt ihr die falschen Linsen montiert.
Wir bestellten Fisch, der kam auch, sah auch aus wie Fisch, hatte die Konsistenz von Fisch, war Fisch, aber eben doch nicht. Irgendein MischMasch aus Bohnen, zum Glück KEINEM Tofu, und sonstigem Vegizeugs.
Überall riecht es herrlich frisch, die Musik säuselt einem in den Halbschlaf, alles wird in gezielt ausgelesenen Behältern, Tellern und Schalen serviert, so hat man vor sich eine Muschel als Teller.
Das Highlight, zum Dessert, nebst Schoggi- und Rüeblichueche, ein von Eisrauch rauchnender Topf voller Minimanderindli, die wirklich, aber noch so richtig nach Manderindli geschmeckt haben.
Wie das mit dem Tee funktioniert hat, der in einem Behälter bestehend aus zwei Behältern serviert wurde, wo der eine davon mit dem Wasser darin erhitzt wurde, dieser plötzlich kippte und das heisse Wasser in den wasserlosen Behälter mit den Kräutern floss, dort kurz blieb um am Schluss wieder in den heissen Behälter zurück zu fliessen, damit mag ich euch gar nicht erst plagen.

Zum Abschied bekommt man eine Lotus-Blume geschenkt.
Und übrigens, dieses Restaurant gibt es für pekinger Verhältnisse schon ewigs: satte 5 Jahre.
Ah voilà, und da wär er auch wieder der verlorene Faden.

1 Comments:
  1. Diese Versprechen nehme ich aber sehr ernst…!!!!
    Freue mich auf ein super Dinner in Peking:-)!

    Hän · November 14, 2009

Leave a Comment!

Your email address will not be published. Required fields are marked *