Produktionsphase plus Pause

marco · May 02, 2014 · EICAR, Paris · 0 comments

In 2 Wochen ist es soweit und die Dreharbeiten zu meinem Filmprojekt beginnen. 3 Drehtage werden es sein. Und diese 3 Tage sollen gut geplant werden. Wir sind also voll in der Produktionsphase angelangt.

Für mein Projekt adaptiere ich eine chinesische Legende. Diese spielt in einem Künstler-Atelier und bringt irgendwo im Höhepunkt noch ein Drache mit sich. Diese Geschichte sorgt dafür, dass das Team rund um den Film momentan gut beschäftigt ist. Von Anfang an war uns bewusst, zur Realisierung des 5 minütigen Kurzfilms, werden wir ein paar grosse Hürden nehmen müssen. Die 3 Grössten hierfür sind: ein passender Schauplatz finden, ein weiser alter Chinese für die Hauptrolle besetzen und ein riesiges Gemälde mit Drachen herstellen lassen.

Paris ist ja nicht gerade dafür bekannt, dass es freie Räumlichkeiten aus dem Boden spriesst, wie Pilze im Wald. Nein, es ist ein kahler, unfruchtbarer Boden. Und ausgerechnet hier suchen wir ein grosses Atelier. Klar, wir wollen es nur für 4 Tage buchen, 3 Tage drehen und 1 Tag vorbereiten, das sollte die Sache doch vereinfachen. Falsch gedacht, für einige Lokalitäten wollen uns Vermieter 1000 Euro pro Tag (!!!) aus der Tasche ziehen. Das würde das geplante Budget für den Kurzstreifen schlicht sprengen.
Doch womöglich haben wir Glück. Ein Insider steckt uns eine Adresse etwas ausserhalb von Paris. Dort steht ein Haus, in der grösse eines halben Schlosses, leer. Und Just nebenan hat es eine Scheune. Und genau diese Scheune birgt so ein Estrich.

Estrich

Konkret, keine Option.
Allerdings hat es im Schloss nebenan eine grosse, charmante Räumlichkeit mit viel Charakter. Obwohl nicht ganz in der Art wie ich es mir vorgestellt hatte, müssen wir wohl eine gewisse Flexibilität zeigen und nehmen was wir kriegen. Das Ambiente auf jeden Fall könnte passen:

Atelier

Und der Preis wäre ein Trinkgeld im Vergleich zu allem anderen. Daumen also gedrückt, dass es mit diesem Schauplatz hinhaut.

Zweite Challenge, einen Schauspieler zu finden, der einen alten Chinesen impressioniert.
Die Geschichte hat zwei junge Studenten, die sind kein Problem zu finden. Es gibt genügend Schauspielstudenten, die sich nur um solche Rollen reisen. Aber eben, wir suchen auch einen weise aussehenden Asiaten.
Wir führen mehrere Castings durch, wo sich junge Schauspielstudenten vorstellen, die Interesse an der Rolle haben. So ein Casting ist eine amüsante Erfahrung. Da tauchen doch tatsächlich angehende und professionelle Schauspieler auf, die meine geschriebenen Zeilen vortragen. Ein spezieller Moment. Interessant dann auch, diese Schauspieler herauszufordern. Eine unserer Übungen war, dass sie den Raum bereits als ihren Charakter betreten, wir sie interviewen und sie dann gefordert sind zu improvisieren. Manche bringen das ganz gut zu Stande und versetzen sich voll in ihre Rolle. Andere wiederum stehen da wie ein Baum im Wald und sehen total verloren aus.
Vereinzelnd aber haben wir ein paar ganz interessante Kandidaten gesehen für die Rolle der beiden Studenten. Aber eben, der Asiate!
Und dann tatsächlich, dank einer professionellen Casting Regisseurin, notabene jener, die die Hauptdarstellerin des letzjährigen Gewinners von Canne „La vie d’Adele“ gefunden hat, wird uns ein interessanter Vietnamese vermittelt. Und der Typ haute uns aus den Socken.

Es scheint also, als wären wir da auch auf gutem Wege. In einem nächsten Schritt werden wir die Schauspieler alle zusammen nehmen, vor neue Herausforderungen stellen und aus einer engeren Auswahl dann unsere Hauptdarsteller pflücken.

In dieser intensiven Phase ist es gut, zwischendurch mal den Kopf zu lüften. Das ist über Ostern ganz ausserordentlich gelungen. Denn da kam Besuch vorbei:

Crew

Paris mal nicht durch die Linse, sondern durch die Augen eines normalen Touristen zu sehen, eine durchaus gute Abwechslung. Bis auf die Spitze des Eifelturms haben wir es geschafft. Das ist doch eine beachtliche Leistung, zieht man in Betracht, dass Ostern war, und wir es vorbei an den Anstehschlangen, die Treppen hoch zu Fuss geschafft haben. Und von oben ist die Stadt also schon anschaulich. Ein einzigartiger Ausblick bieten diese verzettelten Altstadtgebäude.

View

Beim Pompidou, wo wir das künstlerische Leben des Photographen Bresson in seiner Ausstellung durchwandern, gelingt mir dann noch dieser Schnappschuss:

Tauben

Diese Tauben scheinen dem Typen, den man durch all die Federn noch durch schimmern sieht, sehr vertraut. Sobald er herangehumpelt kommt, versammeln sich die fliegenden Ratten zu tausenden auf dem Platz und warten auf ihr Futter. Werden sie dann zwischendurch mal aufgescheucht, reicht ein Schnappschuss vom iPhone aus, wofür Bresson wohl Wochen gearbeitet und gewartet hätte.

Ganz im Pariser Style haben wir den Besuch mit einer kleinen Hausparty verabschiedet. 6 Leute und ein paar Quadratmeter reichen dafür völlig aus. Hauspartys in Paris sind ja sehr hype. Auch schon in meinem Gebäude hat es bis früh in die Morgenstunden von nebenan aus den Lautsprechern gedröhnt. Was in der Schweiz in einem Polizeieinsatz enden würde, wird hier irgendwie toleriert. Und eins muss man den Parisern lassen, sogar am Ostersonntag sind die also äusserst Gutmütig, was ihre Hausruhe zu später Stunde angeht.

Jetzt warten aber noch die letzten paar Hürden darauf, genommen zu werden, bevor wir dann Mitte Mai endlich meinen Film im Kasten haben.
Leider hat es der Osterhase verpasst ein 3 auf 3 Meter Gemälde mit 3 Drachen zu liefern. Unsere Ostersuche danach geht also nun weiter.

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