Peking unter

marco · August 15, 2012 · Beijing · 0 comments

Peking ist zur Zeit berühmt, für was es normalerweise nicht berühmt ist.
Wasser. Und zwar von oben.

Die Fluten habt ihr ja wahrscheinlich mitgekriegt. Vielleicht gar besser als ich. Zu jener Zeit war ich nämlich ausgeflogen. Aber scheinbar sah es tatsächlich so aus, als wäre Beijing dem Untergang bestimmt. Die Stadt war regelrecht am versinken.

Die Mehrheit kam mit einem blauen Auge davon, andere wiederum wurden auf tragische Art und Weise von den Fluten verschluckt. Viele Autofahrer wurden bei den Unterführungen von den Wassermassen überrascht und ersäuften ungewollt ihren Motor. Manche dachten darauf, sie können das Unwetter im Auto einfach abwarten. Gar als sich dieses langsam anfing mit Wasser zu füllen, blieben sie weiterhin sitzen. Oft wurden solche Leute in letzter Minute durch eingeschlagene Scheiben von Passanten aus der Falle gefischt. So geschehen bei einem vollgestopften Bus. Für andere wiederum kam jegliche Hilfe leider zu spät.

Häufig dabei das Problem also etwas, dass für uns völlig unvorstellbar ist. Eine Vielzahl der Chinesen sind Nicht-Schwimmer. Was uns schon in der Grundschule aufgezwängt und als lästig empfunden wird, ist in China kein grosses Thema.
Schwimmen; für uns selbstverständlich, für die Chinesen eine Weiterbildung.

Die vielen Opfer des Jahrhundertsturms hat natürlich auch die Internet-Kommune erzürnt. Und wie so oft wird durch das aufschreiende Volk die Politik wach gerüttelt und sieht sich in eine Ecke gedrängt, wo sie einfach reagieren muss.

Kurzfristig werden jetzt Strassenkehrer aufgeboten, sobald es auch nur ein bisschen anfängt zu regnen, um sofort die verstopften Abflüsse frei zu putzen. Das, die offen- und klar ersichtliche erste Massnahme. Nebenbei ist die Regierung pflichtbewusst daran Pläne auszuarbeiten, wie eine weitere solche Katastrophe abgewendet werden könnte. Jedenfalls behaupten sie das. Eine erste Idee fiel allerdings bereits ins Wasser. Sie wollten einen unterirdischen Abflusskanal unter der Stadt durchhauen, leider sind da diverse U-Bahnen und U-Garagen im Weg.

Wahrscheinlich wird es auch in Zukunft heissen, Augen zu und durch.
Erst letzthin, als mal wieder unangekündigter Regen einsetzte, konnte ich die Hauptprobe eines Ernstfalles bei einer Mutter und ihrer Tochter auf dem motorisierten Fahrrad beobachten. Wenn es denn tatsächlich ihre Tochter war, so genau habe ich das nicht gesehen. Genau so wenig wie sie mich gesehen hat. Der Tochter wurde die Supermassnahme nämlich gleich über den Kopf gestülpt.

Ich war mir bis zum Schluss nicht ganz sicher, ob der Papiersack ohne Löcher dem Regen Trotz bieten sollte, oder als eine Art Scheuklappe für das Kind diente.
So oder so etwas bizarr und wohl eher oberflächlich als effektiv.

Am besten würden sie alle schwimmen lernen. Wenn das aber bei 20 Millionen Menschen zeitgleich geschehen soll, hätte es mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit zu wenige Badeanstalten dafür. Und hätte man dann genügend Badeanstalten, würde es sicher an Wasser fehlen. Und hätten sie oh Wunder auch noch genügend Wasser, würde vermutlich eine Grosszahl an einer Lebensmittelvergiftung erkranken, da sowieso jeder zweite ins Wasser pisselt.

Es ist nicht einfach in China. Da stülpt man sich vielleicht tatsächlich besser einfach einen Sack über den Kopf und macht es wie Vogelstrauss.

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