Patriotismus zu Tisch gebracht

marco · June 27, 2011 · Beijing, Botschaft, Schweiz · 1 comments

Manch einer von euch erinnert sich vielleicht noch an unseren Ausflug letztes Jahr, ins Hinterland Chinas, nach Zunhua (siehe Rural China).
Diese kleine Reise ging letzte Woche in die zweite Runde.
Denn wir Schweizer halten ja, was wir versprechen.

NB: merkt man mir eigentlich an, dass ich auch Opfer davon werde und im Ausland weiter und weiter in die patriotisch, rot-weisse Abteilung rutsche?

Eben, wir halten was wir versprechen und somit statteten wir Zunhua einen weiteren Besuch ab. Im Gepäck: 23 Computer zur Spende.
Empfangen wurden wir, als hätten wir den ganzen Staat gerettet. Alle Lehrer der kleinen Schule standen erneut Spalier und applaudierten bei unserer Ankunft. Im Schulhof liefen wir zu Marschmusik ein und nahmen an einem langen Tisch, aufgestellt wie an einer Pressekonferenz vor der ganze Schule, Platz.

Darauf kamen die Schüler. Militärisch liefen sie ein, jeder mit seinem Holzstühlchen unter dem Arm. Wer ein bisschen aus der Reihe tanzte, wurde von der Lehrerschaft unsanft zurück befohlen.
Die Übergage-Zeremonie begann. Hände wurden geschüttelt, erneut Musik eingespielt, symbolisch wurde ein Computer, fälschlicherweise von mir in einem Druckerkarton verpackt, übergeben, jeder hielt eine kleine Rede, die von unserer Dolmetscherin übersetzt wurde, unser Diplomat verlass ebenfalls noch ein paar gut und nett gewählte Worte, und jedesmal wurde auf Kommando von der Schülerschar brav geklatscht.
Nach der Zeremonie packten die Schüler ihre Stühlchen wieder und verschwanden in den Klassenzimmern.
Wir folgten ihnen in eines von diesen, und erzählten ihnen was aus der guten alten Schweiz. Rund um uns herum hatten die Kinder zu unserem Besuch die Tafeln voll gezeichnet mit Schweizer Wappen und Texten, die unser Land beschrieben. Wieder sehr koordiniert antwortete jeweils die ganze Klasse im Chor auf unsere Fragen.
“Do you know where Switzerland is?”
“EUROPE!!!”
Zu guter Letzt wurde uns noch was traditionsgemässes aus China vorgetragen. Ein Lied flimmerte über den TV mit Text, und eine Schülerin trug uns das wie in der Karaoke-Stube vor.

Zu weiterem Dank fühlte sich der Mayor von Zunhua verpflichtet. Der lud uns zum Mittagstisch ein.
Solchen Essen bedeuten in China ja eben vor allem eins: saufen!
So besuchte uns der Mayor nicht etwa, um mit uns zu speisen. Nein, der kam nur kurz vorbei, exte mit jedem von uns ein Glas an die 50% Alkohol starken Baijiu und verschwand wieder.

Dummerweise hat er noch seinem Kollegen erzählt, dass wir hier sind, und der wiederum hat es seinen Kollegen gesagt, welche nacheinander natürlich allesamt ganz spontan auch noch vorbeischauten und die gleiche Zeremonie mit uns durchzogen.
Dies ging so weiter, bis wir mit der halben Regierung Zunhuas ein Glas hochprozentiger Alkohols hinunter geschüttete hatten. Eigentlich ein unfaires Spiel. Geht ja gar nicht, dass da während dem Kräftemessen immer wieder die unverbrauchten Spieler der Ersatzbank hinzugezogen werden.
Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, schon einmal in meinem Leben bereits am Mittag so besoffen gewesen zu sein.
Die Chinesen schienen dies zu verstehen und liessen uns in unserem Elend endlich ziehen.

Nachdem ich einen Tag hatte, um mich von diesem Sturzflug in den Alkohol zu erholen, folgte bereits der nächste Anlass.
Dieser wurde von den Maledivern geschmissen und trug sich um etliche Tische, mit einem kleinen Racket in der Hand und einem nervös herumfliegenden Ball aus.

Ja, die Schweiz nahm am Diplomats Table Tennis Tournament teil.
Angefangen hat es gut. Unsere Kollegen aus Nepal versenkten wir in Grund und Boden.
Danach, wie im Jahr zuvor beim Fussball Turnier, machten uns leider auch hier die Serben einen Strich durch die Rechnung. Aber knapp. Sauknapp.
Im letzten Spiel, ein Doppel, wo es um die Wurst und Ehre ging, war im dritten Satz Spielstand 10:9 für die Serben. Ein Punkt trennte sie vom Sieg. Bis anhin alles äusserst ausgeglichen. Jeder wusste von des anderen seinen Schwächen.
Wir hielten den Ball gut auf dem Tisch, dieser blieb paarmal knapp an der Kante hängen. Die Serben wurden in die Defensive gezwungen und brachten einen Ball etwas zu hoch zurück. Gerade richtig, um ihn herunter zu brettern. Was mein Partner auch tat. Und der passte, wie die Schraube in den Dübel. Wir jubelten zum Ausgleich und waren uns sicher, dass unsere Gegner nun gebrochen waren. Doch leider entschied der Schiedsrichter, dass mein Mitspieler sich während dem Spiel auf dem Tisch abgestützt habe und wir verloren somit Wurst und Ehre.

Unerschüttert davon, setzte ich alles auf die kämpferischen Einzelspiele. Aber auch dort blieb mir das Glück nicht hold. Mein ganzes Tableau tauchte nicht auf, was zwar für mich Sieg bedeutete, aber da doch noch ein Russe aufgekreuzt, der mich dann leider zur Niete machte, sah es bitter aus. Denn für ihn war es natürlich die gleiche Situation wie für mich, nämlich alles Forfait-Spiele, bis auf die Direktbegegnung mit mir, die er für sich entschied.
Sprich: Switzerland out! Es hat nicht sollen sein…

Für jene die es interessiert, Vietnam gewann das Turnier als Botschaft und der Russe gewann die Einzelspiele. Also der andere Russe. Denn von diesen waghalsigen Spielern hatte es gar deren zwei, gloubsch?

Item, dies führte nur dazu, dass ich in meiner weiter oben erwähnten NB noch mehr bestärkt wurde und hoffe nun, dass diese bittere Niederlage von unserem Maestro kommenden Sonntag wieder wett gemacht wird. Sollte er jedoch auch an Serbien scheitern, lass ich mich in China einbürgern und widme mich vollends den Saufspielen.

1 Comments:
  1. dünkt es nur mich oder sitzt der anzug ein bisschen eng…? 🙂

    BeTTSCHMAN · June 27, 2011

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