Nipponisierter Geburtstag Nr. 2

marco · June 17, 2013 · Travel · 0 comments

Von Matsumoto haben wir bisher gerade mal Tatamis und Kimonos gesehen, von der eigentlichen Stadt aber noch nicht sonderlich viel. Vor allem das Schloss von Matsumoto wollen wir uns nicht entgehen lassen.

Matsumoto

Das Schloss ist betretbar, allerdings nur ohne Schuhe. Diese muss man beim Betreten in ein Plastiksack stopfen und so mit sich herumtragen. Ganz lustig anzusehen, wie alle ihre Schuhe in Einkaufstüten mit sich schleppen.
Nach dem kulinarischen Erlebnis am Vorabend knurren unsere Magen eher nach etwas zugänglicherem als rohen Fisch und eingelegtem Gemüse. Uns schwirren die berühmten japanischen Schweinsschnitzel im Kopf umher. Der Nase folgend, finden wir mit mehr Glück als Verstand genau so ein Lokal, das diese anbietet. Eigentlich ein simples Gericht. Fritiertes Schwein und dazu fein geriebener Kohl. Und doch genau nach dem unsere Magen geschrien haben.

Gestärkt machen wir uns auf die Wanderung von Magome nach Tsumago.
Diese zwei Dörfer haben zur Edo-Era die beiden Städte Tokyo (früher genannt Edo) mit Kyoto verbunden. Nun ist es eine berühmte Touristenattraktion geworden.
Zurecht. Bereits Magome, wo wir unseren Fussmarsch beginnen, strahlt mit einer hübschen, kleinen gepflasterten Strasse, die links und rechts historische Häuschen ziert.
Auf unserem Weg durch mehrheitlich Wälder und Felder, müssen wir in regelmässigen Abständen laut an einer Glocke bimmeln. Dies um die umher streunenden Bären zu vertreiben. Später jedoch wird uns erzählt, dass seit 30 Jahren keiner mehr in der Nähe des Weges gesichtet wurde. Den Bären scheint tatsächlich das Geläute mächtig auf den Brummer zu gehen.
Auf der Wanderung kommen wir an einem alten Haus vorbei, wo noch der Teekocher über dem Feuer hängt, und das Gemach des Hausherrs mit Tatamis ausgerüstet ist. Wir werden eingeladen zu Tee und eingelegten Früchten. Der alte Mann, dem das Haus gehört, ist sehr gesprächig. Wie viele andere auch, plappert er einfach japanisch auf uns ein, egal ob wir verstehen oder nicht.

Nach ein paar Stunden kommen wir in Tsumago an. Ein pittoreskes Dörfchen wie aus dem Bilderbuch. Wir beziehen ein Ryokan mit dem perfekten japanischen Garten.
Es wird betrieben von einem Japaner, der in seinen jungen Jahren Manager war einer Reissverschlussfabrik in Italien. Einfachheitshalber nennt er sich deswegen auch “Franco”. Wir nennen ihn jedoch Meister Yoda, da die Ähnlichkeit von ihm zu der Star Wars Figur absolut markant ist.
Er offeriert uns eines der schönsten Zimmer im Ryokan, scheinbar weil wir aus der Schweiz kommen. Wir können nicht klagen. Aus welcher Schiebetür wir auch hinaus gucken, sehen wir Bonsai und Teiche mit Fischen drin.

Fujioto Kimono

Erneut in Kimonos geworfen, wird uns das Abendessen serviert. Ebenfalls erneut zeigen sich da Gerichte, die uns noch nie unter die Nase gehalten wurden. Unter anderem in Honig knusprig gekochte Baby-Bienen, und Sushi aus einem Lachs gekreuzt mit einer Forelle.
Zum Hauptgang gibt es wiederum ein ultra-zartes Beef. Meister Yoda erklärt uns der dazugehörige Trick:
“Beer, apple and a massage for the cow”.
Zu unserem Verdauungsspaziergang wackeln wir auf unseren Holzpantoffeln durch die von Laternen beleuchteten Gassen Tsumagos. Jetzt wo die Strassen menschenleer sind, fühlt man wahrhaftig den Geist der verstrichenen Edo Zeit im Dorf.

Die letzte Station unserer Geburtstagsreise ist die Stadt früher bekannt als Edo.
Der zweite zu feiernde Geburtstag steht an und dafür beziehen wir das Park Hyatt in Tokyo. Schliesslich feiert man nicht immer Geburtstag in Japan. Und schon gar nicht einer davon 30. Und überhaupt gönnt man sich ja sonst nichts.
Das Hotel ist wohl den meisten ein Begriff aus dem Film “Lost in Translation”. Nebst Bill Murray und Scarlett Johanson spielt dieses Hotel im Film eine der Hauptrollen.
Kein Wunder haben sie diese Lokalität ausgewählt. Die Sicht über die Stadt ist von den Zimmern aus wirklich unschlagbar:

Park Hyatt

Der Spa Bereich des Hotesl ist exquisit, und es ist schon ein anderes joggen auf dem Laufband, wenn sich hunderte von Metern unter einem ganz Tokio erstreckt.
Der Service ist ebenfalls exzellent, sogar der Geburtstagskuchen wird pünktlich geliefert und der Blumenstrauss überreicht mir der Zimmerservice hinter seinem Rücken, damit ich diesen überraschend übergeben kann. Taataaaaa.
Für uns somit umso schwieriger überhaupt einen Fuss vor die Hoteltür zu setzen. Zum Glück kennen wir Tokio schon relativ gut und sind nicht gedrängt gross die Touristen zu spielen. Zudem kann Tokio ganz schön ermüdend sein.

penner

Nichtsdestotrotz haben wir es ins Mori Art Museum geschafft. Dort läuft zur Zeit das 10 jährige Jubiläum und die dazugehörige Ausstellung “Tokyo Love”.
Das ganze ist sehr kontemporär angehaucht und hat einige Spektakel zu bieten. So wird man in der Eingangshalle von einem übergrossen, als Geschenk in Gold verpacktem Herz empfangen. Weiter zieht sich die Ausstellung durch Gemälde, Fotos und Videos. Ein besonders auffälliges Werk ist jenes von zwei Japanern, die sich eine GoPro auf den Kopf geklemmt haben und das Gebiet in Fukushima besuchen, welches vom Tsunami und der darauf folgenden Atomkatastrophe heimgesucht wurde. Es zeigt auf, wie die Leute der Präfektur zusammen halten und aus Liebe zu ihrem zu Hause alles machen, um es wieder herzustellen, und das Geschehene zu verarbeiten.
Die Ausstellung beweist ihre Differsität, indem sie neben einem, der auf Video 52 Tipps auftischt, um eine glückliche Beziehung mit einer Frau zu führen, gleich eine Wand präsentiert voller Porträts von der schrägen Jugend aus Tokio, den sogenannten “Goth Lolis”, den gothic Lolitas. Diese sehen in etwa so aus, wie Cinderellas, die der Hölle entflohenen sind.

Zu unserem letzten Abend holen wir vom Concierge im Park Hyatt noch einige Insider Tipps ein. Er schickt uns in die “Golden Gai Alley”. Merkt euch den Namen, bald wird jeder Reiseführer diese Gasse im Repertoire haben.
Im Hinterhof von Shinjuku befindet sich dieses Gebiet, geziert von etlichen kleinen Gassen, mit links und rechts kleinen Bars, wo in manchen vielleicht höchstens 4 Leute darin Platz finden.
Einmal mehr werden wir von Japanern in so eine Lokalität eingeladen. Wir landen in der “Carrot Bar”. Ganz dem Namen gerecht, wird uns der Parade-Drink serviert: Sonchu mit Karottensaft.
Gar nicht mal so schlecht.
Und obwohl wir untereinander nicht dieselbe Sprache sprechen, verstehen wir uns irgendwie und verbringen einen grandiosen letzten Abend in Tokio.

Lost in Translation her

Das Check-out aus dem Paradies namens Park Hyatt gestaltet sich umso schwieriger. Gerade auch, da im Hinterkopf der Gedanke mit schwirrt, dass es wohl das letzte Mal war, Japan aus nächster Nähe, von China aus zu besuchen.
Meine Zeit bei der Botschaft kommt nämlich langsam aber sicher zu seinem Ende.
Doch dazu später mehr. Bis dahin lassen wir noch diese perfekte Geburtstagsreise in Japan nach hallen.
Arrigato gozaimasu!

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