Nipponisierter Geburtstag Nr. 1

marco · June 15, 2013 · Travel · 0 comments

Die Zeit vergisst niemanden.
So hat mich nun tatsächlich die berühmt, berüchtigte 3 am Rücken eingeholt.
Diese wollte ich nicht einfach so annehmen, natürlich.
Zu meinem Geburtstag hagelte es somit gleich ein paar meiner liebsten Dinge. Meine bessere Hälfte, Reisen und… Japan.

In die nipponischen Gebiete soll uns diesmal die Delta fliegen. Tatsächlich ein Erlebnis in eigener Sache. Das nämlich die erste Airline, die ich besteige, welche es wagt, das sonst so langweilige Sicherheitsvideo etwas aufzupeppen. Anstelle von einschläfernden Animationen, wird man mit Sketches instruiert. Gewagt, doch es funktioniert und ich habe seit langem mal wieder aufmerksam zugehört.

Kaum gelandet haben wir sehr schnell schon Schienen unter uns. Der Shinkansen rast mit uns zu den japanischen Alpen. Der Effekt China zu Japan ist drastisch. Wo in den chinesischen Zügen oft Pick-Nick Stimmung herrscht und es nach Würstchen und Toilette stinkt, ist es im Shinkansen schon fast beängstigend ruhig und klinisch sauber. Wenn dann der Kondukteur noch jedes mal vor dem Betreten des Wagons seinen Hut hebt und sich vor den Gästen verbeugt, wird es spätestens klar, dass es zwei markant verschiedene Kulturen sind.

Erste Station für uns ist Nagano.
Regen begleitet uns zum Zenko-Ji Tempel. Ein mächtiges Gebäude und sehr gut erhalten. Man spürt förmlich die Geschichte und Tradition, die von ihm ausgeht. Die Tropfen fallen dick von seinem Dach. Ein alter Mann im Kimono verbeugt sich vor dem Tempel und fängt seinen Gesang an. Er lässt sich dabei nicht von uns stören. Ausser seinen Gebeten und dem Regen hört man nichts. Die Stimmung ist magisch.
Der Regen hört auf und es hellt auf. Der Mann trottet in seinen Sandalen aus Holz davon. Der Himmel hinter ihm färbt sich lila.

Zenko-Ji

Hunger überkommt uns und ein fremder Japaner fordert uns auf, in eine Sushi-Bar einzutreten. Wir lassen uns nicht zweimal bitten. Wir gesellen uns zwischen all die Einheimischen und lassen uns frischen, rohen Fisch servieren. Offeriert wird uns von unseren neu gewonnen Freunden dazu ein alkoholisches Gesöff. Neinnein, kein Sake wird uns erklärt: “Sweet Potato plus Alcohol!” Jedes zweite Wort muss unser Gastgeber auf seinem Smartphone nachschlagen. Erstaunlich wie schlecht den Japanern ihr Englisch doch ist. Umso erstaunlicher, dass sie einem so herzlich empfangen, und geduldig versuchen zu kommunizieren.
“Swiss” allerdings verstehen sie alle und ihre Reaktion ist stets die gleiche.
“Swissu, oooooh. Very Biutiful!” und zwei Daumen hoch.
Die Flasche mit dem süssen Alkohol ist riesig und die Japaner neben uns bald mal hacke dicht. Sie überlassen uns unserem rohen Fisch. Da meldet sich der Gast auf der anderen Seite zu Wort. Seine Flitterwochen habe er in der Schweiz verbracht. Er zählt uns sämtliche seiner Stopps auf “Gindeuwaud, ‘ungfau ‘och, Lusörn, Beru”. Darauf zeigt er uns noch ein Foto von sich als Ski-Instrukteur.
Satt und zufrieden verlassen wir die Sushi-Bar.

Mit dem Bus geht die Reise weiter in die Berge. Die Präfektur Nagano trumpft nämlich mit einer ganz speziellen Sehenswürdigkeit auf. Und genau die wollen wir aufsuchen.
Auf den Strassen fällt uns nebst einer Bushaltestelle auf der Autobahn auf, dass eine ganz neue Art Auto den Asphalt beherrscht. Es sieht ein bisschen aus wie eine Bento-Box auf Rädern. Ziemlich klein. Es hat gerade mal knapp für zwei Japaner nebeneinander Platz, Amis hingegen hätte wohl kaum einer Platz. Sie sind sicherlich geräumig, aber ob sie auch den Elchtest bestehen würden, sei mal dahin gestellt. Dieses Auto gibt es in allen Grössen. Vom Club-Waggon bis zum Smart. Freu mich schon darauf, wenn es die ersten dieser Box Autos nach Europa schaffen.
Der Bus-Chauffeur verabschiedet uns mit einem “Byebye Masta”. Durch einen dichten, grünen Wald gehen wir unseres Weges. Und wie erkennt man, dass die Asiaten, die einem unterwegs begegnen, Japaner sind?
Wo anderen ohne Wort an einem vorbei gehen, grüssen die Japaner einem stehts. Konichiwa!
Wir wagen uns jemanden, der uns entgegen kommt, zu fragen, ob sie denn das gefunden haben, wofür wir hierher gekommen sind.
“Oh yes, hundleds of them!” antwortet uns der Mann aus Singapore.
Und tatsächlich, wir sollten nicht enttäuscht werden. Auch wir treffen auf unzählige “Snow Monkeys”.

Sno Monkee

Bis auf wenige Zentimeter hin kann man sich den flauschigen Tieren annähern. Das spezielle an dieser Art Affe, sie lieben die Onsen. In den Pools voller heissem Wasser plantschen sie ungestört vor sich hin und posieren für die Kamera. Der heftig, eingesetzte Regen hält uns nicht davon ab, die Affen beim bädele zu zuschauen.

Mit dem “Snow Monkey Express” geht es nach Matsumoto.
Zugfahren in Japan ist eine amüsante Geschichte. Wenn Ansagen gemacht werden, kommen zuerst nicht nur ein paar Töne über die Lautsprecher, sondern ganze Lieder, die irgendeiner Telletubbie Episode entnommen sein könnten. Darauf folgt eine über euphorische Stimme, die ganz viel auf japanisch durch gibt. Wir Touristen entnehmen dabei nur Bruchstücke, die sich stets wiederholen. Das meist die Teile, die irgendwie aus dem englischen übernommen werden. Im Snow Monkey Express klang das in etwa so:
“Sno Monkii Espressu”.
Bei der Ankunft in Matsumoto wird man von der weiblichen Durchsagestimme extravagant daran erinnert, dass man tatsächlich in Matsumoto ausgestiegen ist:
“Matsumotoooooo, Matsumotooooo”

Zu den Festivitäten meines 30. Geburtstages beziehen wir ein Hotel der Extraklasse. Im “Kai Matsumoto” wird uns ein Zimmer präsentiert, dass seines gleichen sucht. Alles im Tatami-Stil und mit den schön dekorierten Schiebetüren aus Papier, beziehen wir ein Gemach mit eigenem Garten und Onsen und fühlen uns wie Kaiser und Kaiserin.
Wir werden in Kimonos gesteckt und legen diese quasi bis zum Check-out nicht mehr ab.

Kai Kimono Me

Das Abendessen präsentiert sich genau so traditionell wie der ganze Rest. Im Schneidesitz pflanzen wir uns auf den Boden. Das uns vorliegende Menu eine Wucht. Nebst all dem frischen Fish, werden wir durch kulinarische Erlebnisse wie “Steamed Crab Cake with Mountain Yam”, “Stuffed Wax Gourd with Tomato Flavored Rice Cake”, oder alle Variationen von Soba Nuddeln geführt. Zugegeben, nicht alles trifft meinen Geschmack, doch eines trifft voll ins Schwarze. Das gegrillte Shinshu Beef. Nie im Leben habe ich zuvor so ein zartes Stück Fleisch zwischen die Zähne gekriegt. Dass das was vom Besten war, was wir je gegessen haben, lassen wir auch gleich unsere Bedienung wissen. Die klatscht freudig und meint: “Yeah, winner of all beef!”
Zum Dessert gibt es Weltklasse Kuchen. Wobei ich bei dessen Anblick Angst habe, dass er, wie in Asien so üblich, nur gut aussieht, aber nach nichts schmeckt. Nicht so in Japan. Die wissen wie man ein Dessert macht, dass einem das Wasser im Mund zusammen läuft.

Das Frühstück nach einer Nacht auf dem Tatamis Boden wird ganz japanisch weiter gezogen. Die grillierte Pferdemakrele war dann aber doch schon fast zu viel des Guten.
So betrete ich also mein neues Jahrzehnt äusserst kulturell.
Doch unsere Japanreise ist noch nicht zu Ende und der Geburtstag von Sarah steht erst noch bevor.

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