Metamorphose

marco · December 18, 2011 · Travel · 0 comments

Ich habe mir nur mal kurz die Haare gefaerbt. Ich bin um ein paar Zentimeter in die Hoehe geschossen, lache ein bisschen mehr – und vor allem lauter.
Ich bin ploetzlich wichtig, habe naemlich die Funktion eines Eidgenoessischen botschaftlichen Systemadministrators inne.
Ich bin Marco Tschuy.
Und er ist zur Zeit ich.

Vielleicht ist er momentan gerade als ich unterwegs, in der digitalen Welt der Blogs, spinnt Geschichten weiter, die sein neu erworbenes Ich zusammen mit seinem Freund zwischen der Schweiz und China auf dem Zweiraeder erlebt hat.
Einige Male wurden die Radler auf diesem Blog von dem, der ich momentan bin, als „Helden“betitelt. So ehren- und schmeichelhaft diese Betitelung auch ist, an dieser Stelle muss dennoch auf Einstein zurueckgegriffen, die ganze Sache etwas relativiert werden.

Natuerlich: Sieben Monate lang auf dem Rad sitzen kann nicht jeder. Weder der opulenten Oma noch dem mageren Metrosexuellen sei ein solches Projekt nahe gelegt. Doch wer Sport nicht fuer Mord haelt, Freude an Freiheit und Fremdem hat, Unvorhergesehenes liebt und den Lebensstandard gerne mal auf ein Minimum reduziert, dem wird fuer eine eine laengere Radreise nichts im Wege stehen. Unterwegs traf man auf Rentner, Kettenraucher, Familien mit Kleinkindern und Liegefahrraedern. Und wenn auch mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Anstrengungen: Alle erreichten sie das Ziel oder werden es noch erreichen.
Wer nun nach wie vor am Begriff „Held“ festhalten will…der kann dies selbstverstaendlich tun! Sicher ist jedoch eines: Es handelt sind allenfalls um zwei Helden unter vielen.

Und wie sieht es denn mit mir aus? Waehrend die beiden Radler schon bald wieder von Altbekanntem umgeben sein werden, bleibe ich in der Fremde zurueck, standfest, einem Fels in der Brandung des Chinesischen Chaos gleich, und bewahre die Schweizer Vertretungung weiterhin vom systemischen Kollaps.

Und ich bewerkstelligte vor allem dies:

Spaetestens nach dem offiziellen Empfang des Botschafters waren die Besucher in Peking angekommen. Und sogleich verlassen sie die Hauptstadt wieder. Dazwischen flogen rund zwei Wochen dahin, in denen sie herrliche Gastfreundschaft genossen, sich praechtig amuesierten, etliche Sehenswuerdigkeiten zu Gesicht bekamen und vor allem erlebten, wie es sich lebt als Held.

Ihr habt es gehoert: Der wahre Held bin ICH. Doch bevor ich den Boden der Realitaet vollends verliere, verwandle ich mich lieber wieder in den einfachen Radler – einem Helden unter vielen, wenn ueberhaupt.

Es gibt platte Sprueche, die einem das Leben erheblich vereinfachen koennen. Auf die Frage, was man auf einer Radreise zwischen Bern und Peking denn so alles erlebt, kann ich hier und jetzt somit mit gutem Gewissen antworten: Das kann man nicht in Worte fassen.
Wer jedoch Zeuge eines Versuchs sein will und zudem erfahren moechte, wie sich mein obenstehendes Ich als wahres Ich anstellt, dem sei die folgende Blog-Adresse empfohlen: http://2wheelsblog.wordpress.com/

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