Meer Wandern

marco · July 29, 2012 · Travel · 1 comments

Das Meer hatte uns mal wieder unter Druck. Tiefseedruck.
Die Tauchflasche geschnallt, die Tauchbrille gesetzt, drei-, zwei-, eins und per Rückwärtsrolle vom Boot ins unendliche Blau.
Beide, Simon und ich, waren voreingenommen von einem Besuch des Tauchparadis bei Malaysia, für beide nämlich war es nicht das erste Mal. Doch die unglaubliche Unterwasserwelt rund um die einsam gelegene Insel Sipadan gab sein Bestes, damit wir unseren Sauerstoff noch schneller abzapften als üblich. Was uns geboten wurde, war schlicht atemberaubend.

Hier eine Nachbesprechung von einem der spektakulärsten Tauchgänge:
Barracuda Point. Von einer der renommiertesten Tauchzeitschriften zum besten Tauchplatz des Jahres gekürt. Obwohl ich solchen Aussagen stets mit einer Portion Skepsis gegenüber stehe, sollte ich eines besseren belehrt werden.
Kaum im Wasser landet man in einem Schwarm Jack-Fische. Von abertausenden Augenpaaren wird man gemustert wie ein fremder Tourist in einem ausserhalb gelegenen Stadtteil. Vom dichten Schwarm wird man eingehüllt, die Orientierung geht verloren und Tauchkollegen verschwinden hinter der Fischwand. An der scheinbar schwächsten Stelle wird versucht die Wand zu durchdringen und tatsächlich, wie von magischer Hand weicht sie auseinander und gibt den Weg frei in den nächsten silbernen Strudel. Egal wie ungalant, oder rasant man sich bewegt, keines der glitschigen Tiere bekommt man je zu spüren. Das Spiel zieht sich so weiter, bis man von der Strömung erfasst wird.

Die Tour wird fortgeführt wie auf dem Rollband am Flughafen. Kaum aus den zahlreichen Jack-Fische draussen, landet man sogleich im nächsten Schwarm, den Barrakudas. Wo wir uns exzessiv abrackern um dem reissenden Wasser die Stirn zu bieten, bleiben die Barrakudas scheinbar ohne Bewegung ganz entspannt im Wasser stehen. Ausgepustet von den harten Flossenschläge lassen wir uns voran treiben.
An einer anderen, weiteren Gattung noch grösseren, dafür weniger zahlreichen Barrakudas vorbei, sinken wir etwas tiefer und sind plötzlich umzingelt von Haifischen.
Über unseren Köpfen fand gerade eine Paarung statt. Was in uns romantische Bilder hervorruft, ist bei Haifischen etwas weniger zärtlich. In etwa 10 männliche Weiss-Spitz-Haie stürzten sich auf ein einziges Weibchen. Dieses konnte sich kaum retten, wird gedrückt, gebissen und kommt normalerweise nur mit tiefen Wunden aus dem Paarungsspiel heraus. Zur gleichen Zeit tummelte sich unter uns ein einsames Paar der etwas grösseren Gattung, der grauen Riff-Haie herum.

(Im Bild der Weiss-Spitz-Riffhai)

Nach den Haien und mit nachlassender Strömung kreiste auf einmal ein Schwarm Bumphead Fische über uns. Diese liessen sich in ihrem Fresstrieb nicht stören und wir konnten das grosse Teil Fisch aus nächster nähe beobachten. Etwas abseits von den Fresssäcken sahen wir in der Ferne ein für seine beachtliche Grösse bekannter Napoleons-Fisch herumtreiben. Und irgendwo guckte noch ein gigantischer Trevalley unter einem Stein hervor.

(Im Bild einer der fressgierigen Bumpheads)

Zum Ausklang des sehr aufregenden Tauchgangs, liessen wir unser belebtes Blut im seichten Wasser zur Ruhe kommen. Hier erstreckt sich eines der gesündesten Korallenriffs überhaupt. Wie über einem farbigen Wald schwebt man dahin. Zwei-, vier, gleich fünf Schildkröten boten uns dabei zum Tanz auf. Und wie so vieles in dieser Gegend wirkten auch sie im Vergleich einfach ein bisschen grösser als anderswo.

Bei den in die Tiefe reichenden Schluchten, kamen mir manche Tauchgänge vor wie Wanderungen in den Bergen. Mit dem grossen Unterschied, dass man in der Szenerie von Sipadan einiges mehr an Wildtieren zu Gesicht bekommt.
Allerdings nicht nur Sipadan zeigte sich von seiner besten Seite, sondern auch die Umgebung der Insel Mabul, wo wir residierten, trumpfte mit Überraschungen.
Bei einem sogenannten Siff-Tauchgang (freie Übersetzung von “Muck-Dive”), begegneten wir nebst Seepferdchen und monstergrossen Schildkröten aus dem Nichts einem Eagle-Ray. Dieser einsame Cowboy widerlegte den Ruf vom sonst so scheuen Tier, dass seiner Gattung nachgeht. Der warf sich regelrecht in Pose und zog gemütlich seine Schleifen nur ein paar Meter vor unseren Taucherbrillen.
In der imposanten Szenerie von einem künstlich versenkten Dorf, wurden wir Zeuge einer deutlich romantischeren Variante des Paarungsaktes. Zwei Unterwasserschnecken gaben sich die Ehre. Das taten sie so offensichtlich, dass unser Tauchführer uns versuchte die Augen zu verdecken. Simon allerdings nahm noch ein Foto davon.

Schnell war die Woche verflossen. Fotos gab es viele, allesamt von Simon geschossen und dafür sei hier glorreicher Dank ausgesprochen. Die Wege von ihm und mir trennten sich und die sensationelle Zeit wurde in Kuala Lumpur zum Abschluss noch demnach begossen.

Für ihn geht es weiter nach Mikronesien. Und mich zieht es mit neuer Begleitung weiter in Malaysia.

1 Comments:
  1. …und zwischen den Ferien arbeitest du auch noch ab und zu?!!?

    BeTTSCHMAN · July 31, 2012

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