Es ist ja schon so, dass ich hier in eine Gesellschaft reingeraten bin, die Wert darauf legt, oder sogar die Pflicht hat, sich ein wenig herauszuputzen.
Lustigerweise ist es bei den anderen so, dass sie sich für die Arbeit fein machen, und in der Freizeit kommen sie in den Strandsandalen.
Also eigentlich genau umgekehrt wie ich es handhabe.
Wie werden sehen, wie sehr sich das noch ändern mag.
Jedenfalls im Moment behalte ich diese Einstellung noch ein bisschen bei und so war ich letzten Sonntag in der Zwickmühle. Den am Sonntag stand ein klassisches Konzert auf dem Programm, dieses besagte Konzert fand nicht irgendwo statt, sondern im National Centre of Performing Arts, also im KKL von China, und diesem famosen Centre durfte ich als tüpfelchen auf dem “i” noch in Begleitung einer eleganten Dame einen Besuch abstatten. Für mich also Grund genug sich von der bemüht besten Seite zu zeigen.
Folgendes war allerdings das Problem:
Mein Container aus der Schweiz, gefüllt mit all den anderen Kleidungsutensilien, unter anderem dem EINEN Anzug vom Boss namens Hugo, ist nach wie vor am Zoll und wird dort wahrscheinlich von oben bis unten verwantzt (so jedenfalls stelle ich mir das vor), Konkret, die aktuell, eintönige Garderobe musste aufgerüstet werden. Ich bin nicht der absolute Armani was Kleider betrifft und da leider jegliche weibliche und von mir so hochgeschätzte Beratung in der Schweiz zurückgeblieben ist, musste ich mir anderswo weiterhelfen.
Ich setze nun einmal voraus, dass jeder wer diesen Blog liesst über meine sexuelle Orientierung orientiert ist, richtig? gut! Dann kann es ja keine Missverständnisse geben, denn der Zufall, wenn es ihn den gibt, will es so, dass der grösste Styler auf der Botschaft schwul ist, und sich genau dieser bereit erklärt hatte, mir als Beratung zur Seite zu stehen.

So endeten ich in brandneuem Massimo Dutti Anzug und äusserst charmanter, weiblicher Begleitung in diesem National blablabla Center, besser bekannt unter dem Namen “Egg”.
Durch den Abend wurden wir vom mailänder Claudio Abbado dirigiert, welcher mit seiner luzernischen Truppe die Halle vom ersten Ton an in seinem Bann hatte.
Das Konzert war sensationell und unsere Plätze noch besser. Hinter dem Orchester gelegen, waren wir quasi im Orchester drinn. Nicht viel hat gefehlt und ich hätte auf die Kommandos des Dirigenten ebenfalls reagiert und mich mit welchem Utensil auch immer an der Musik beteiligt.
Der erste Teil bestand aus einem Pianokonzert und es war schlicht unglaublich, wie schnell die Hände dieser chinesisch abstammenden Frau zu den Noten von Prokofiev über die Tasten flitzten. Wie Spinnen im schnelldurchlauf.
Der zweite Teil dann war nur noch Orchester, welches die Launen von Mahler in Musik umsetzten. Atemberaubend was ein Musiktrupp von wahrscheinlich gegen 70 Personen für eine Stimmung heraufbeschwören kann. Und wenn die Gas geben, wenn jede einzelne Fidel fidelt wie wild, jeder Bläser bläst bis zum beinahe Bersten der Lungen, wenn die Perkussionisten auf ihre Trommeln hämmern, dass es einem durch Mark und Bein geht und der Dirigent vorne auf seinem Podest abzuheben droht, dann wird einem ganz anders.
Das ist Musik!
Ich könnte stundenlang so einem Orchester zuschauen, wie es funktioniert, was jeder macht, wie er es macht, nie satt sehen kann ich mich da und wenn die Augen müde werden vom beobachten, ist es genau so schön diese zu schliessen und nur noch der Musik zu hören.

Bitte entschuldigt, ich hab mich gehen lassen.
Etwas möchte ich aber gerne einmal erklärt bekommen, falls es jemand von euch weiss.
Diejenigen an den Trommeln, sie waren nicht komplett ausgelastet sage ich mal, so zwischendurch mussten sie mal das Fell (oder was für ein Belag es auch immer ist) ein wenig streicheln oder antüpfen. Aber ihre Hauptarbeit bestand vorallem darin, so jedenfalls kam es mir vor, nach jedem Ton an der Trommel zu lauschen. Ganz intensiv!
Wieso?
Damit diese nicht mehr schwingt?
Oder ob sie noch richitg gestummen ist?
Oder haben sie doch allesamt ihren Hotelschlüssel in den Trommeln verloren?