Looping im Dschungel

marco · August 06, 2012 · Travel · 0 comments

Nachdem uns die Übertragung vom Einmarsch der Schweizer an der Olympiade in London verweigert wurde, da die Meister des Fernsehsenders just in dieser Minute die Werbung einspielen mussten, fuhren wir fort, was wir angefangen hatten. Nach einer Woche Tauchen in Malaysia, ging es mit Rucksack weiter auf die Suche nach Erholung und Ruhe.

Angefangen zu suchen haben wir in Port Dickson. Diese Hafenstadt, nicht all zu weit von Kuala Lumpur entfernt, ist ein beliebtes Reiseziel für Malays, die genau das gleiche suchten wie wir. Wir residierten bei Avilion. Was gut klingt, liess sich auch durchaus sehen. Allem voran die Freilichtdusche in unserem Zimmer, sowie die mehreren Pools, wo tatsächlich eins nur für Erwachsene reserviert war.

Auf dem daneben gelegenen Tennisplatz trugen wir das wohl komischste Tennisspiel aus, das je gespielt wurde. In Port Dickson nämlich gibt es nicht nur menschliche, sondern auch tierische Gäste. In einem Streichelzoo tummeln sich nebst Hasen, Schildkröten, Hühnern und Gockel auch noch Pfauen. Diesen Pfauen wurden unsere besten Zuschauer beim Tennisspiel. Auf den Hecken des Tennisplatzes beobachteten sie interessiert aus der Höhe wie wir uns die Bälle um die Ohren schlugen. Nebst den Bällen schlugen sich auch falsche Töne um uns. Das Gesangsduett von der Hochzeit nebenan traf vielleicht Rhythmus und die Tasten auf dem billigen Synthesizer, aber Töne trafen sie nicht. Entweder von den krummen Noten, oder unserer spannenden Spielweise wegen, wurde plötzlich einer der Pfauen vom Hocker gerissen. Das tat er so rasant, dass er sich in seiner Flugbahn vertat und in die Lampe über ihm knallte. Wie ein besoffener Bruchpilot stürzte der Pfau ab und landete etwas gar hart auf dem Tennisplatz. Sichtlich beschämt über seine blamierenden Flugkünste, trottete er in leichter Schräglage davon.

Wir unsererseits trotteten von Port Dickson weiter nach Mersing, wo uns eine Fähre nach 5 stündiger Wartezeit nach Tioman brachte. Ein gewisser John, der vor 11 Jahren auf die Insel kam um dort sein Mittagessen zu sich zu nehmen und nie mehr ging, wurden wir am Hafen abgeholt. John, ganz der Naturbursche, betreibt auf der Insel auf der Seite von Juara ein kleines Resort mit süssen Bungalows am Strand, sowie auch an einem Fluss daneben. Dieses Gewässer führt tief in den Dschungel hinein. Per Kajak gingen wir auf Erkundungstour.

Schon nur nach ein paar Paddelschlägen entdeckten wir eingekringelt auf einem Ast, eine vor sich hinsäuselnde Schlange. Ein paar Bugwellen weiter traten dann auch King Louie und seine Truppe aus den Büschen und ich war überzeugt unter dem Boot ein paar Piranhas hindurch huschen gesehen zu haben.
Der Dschungel blieb aber nicht etwa da, wo er sein bleiben sollte. Notabene neben meinem Kopfkissen tauchte eine Spinne in der Grösse meiner Hand auf und zappelte davon. Die Nacht verbrachten ich dick eingesprüht in Antibrumm, was jedoch die Strandflöhe nicht davon abhielt sich auf meinen Beinen einzunisten. Das ganze wurde von an den Wänden klebenden Gekkos nur lauthals belächelt. Zum Glück hielten diese Gekkelis wenigstens die Mücken von uns fern.

Mit vollgestochenen Beinen und genug vom Dschungelleben zügelten wir unsere sieben Sachen nach Minang. Wiederum auf einer anderen Seite der Insel gelegen, lag dieses Hotel zwischen zwei Bergwipfel, den Twin Peaks, direkt am Meer. Die qualitativ guten Wänden der Zimmer hielten aber diesmal den Dschungel auf seiner Seite zurück.
Da hatten wir dann auch die Gelegenheit unter Wasser nochmals ein paar Schildkröten, eine regelrechte Nemo Parade und eine Seeschlange zu Gesicht zu kriegen.
Auf unserem Fels in der Brandung gab es jeweils bei Sonnenuntergang ein Apéro und am letzten Abend packte die Natur alles aus was sie zu präsentieren hatte. Dicke Regentropfen fielen unter Blitz und Donner auf den Strand und innert Sekunden bahnten sich kleine Bäche ihren Weg durch den Sand ins Meer. Darauf lichteten sich die Wolken und dahinter gelang es, der sich am Ende zuneigenden Sonne ihre abendlichen Strahlen auf die Insel zu werfen. Im besten Licht präsentiere sich das satte grün der Bäume und hie und da lag noch ein Fetzen Wolke darin, als möchte der Dschungel sich geradezu für ein Foto schmücken.

Hinter Dschungel und Bergen verbirgt sich dann tatsächlich irgendwo ein Flughafen, von wo aus uns eine Dash 7 zurück nach Kuala Lumpur flog.
Kuala Lumpur, eine Stadt die ich ziemlich genau vor 6 Jahren zum ersten Mal betrat und seither immer wieder betreten habe. Diesmal kam sie mir zwar etwas kleiner vor als sonst, aber nach wie vor trumpft sie mit ihrer Diversität von aufeinander prallenden Kulturen auf. Das bringt natürlich auch kulinarisch etwas mit sich und wir ernährten uns eigentlich die ganze letzte Woche hindurch hauptsächlich von Roti Canai.
Und endlich, nach all meinen Abstechern in diese Stadt gelang es mir diesmal etwas zu machen, was mir bisher verwehrt blieb.
Viele Male betrat ich das Einkaufszentrum Times Square in Kuala Lumpur. Immer blieb ich kurz bei dem Geländer stehen und schaute wie die Karren an mir vorbei flitzten. Die ersten paar Male war ich auf Budget und wollte mein Erspartes für so etwas scheinbar stupides nicht vergeuden. Bei anderen Gelegenheiten fehlte vielleicht Zeit und Lust. Aber diesmal stimmte alles und wir zwei Gekkelis besiegelten unseren perfekten Urlaub mit einem Ritt auf einer der wenigen Achterbahnen die Kreuz und Quer durch eine Shopping-Mall rast.

Erledigt und abgehakt. Aber ob ich deswegen vielleicht nicht doch mal wieder in dieser Ecke der Erde landen sollte, würde ich nicht unterschreiben. Denn hier lassen sich alle Dschungel sehen, der richtige, der im Wasser und eben auch der in der Stadt.

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