Kantonesische Perfektion

marco · July 10, 2012 · Food, Travel · 0 comments

Es ist selten, dass man heutzutage noch etwas als “perfekt” bezeichnet. Unsereiner hat ja immer etwas zu meckern. Aber unser letztes Wochenende, das war perfekt!

Derjenige welche, der in der Schweiz quasi schon für den Begriff von Perfektion steht, hat am Freitag im Wimbledon Halbfinal das perfekte Wochenende mit seinem Sieg über Djokovic eingeläutet. Jubeln konnten wir in der “WoolooMooloo” Bar im Ausgangsviertel “Lan Kwai Fong”.
Wo wir zuerst dachten, es könnte schwierig werden eine Live-Übertragung des Spiels zu finden, zeigte diese Bar den Sportevent auf all seinen TVs und auf einer extra dafür aufgestellten Leinwand. Kein Wunder, die Hong Kong Chinesen scheinen Roger Federer geradezu vergöttern. Jeder Punkt wurde bejubelt, als hätte die eigenen Nationalmannschaft ein WM-Final Tor geschossen. Die Federer-Mania hat Hong Kong voll im Griff.

Was hingegen Hong Kong selbst voll im Griff hat, ist Lebensqualität. Am Samstag, wo das tiefe Blau den Himmel zierte, zog es uns nach der obligaten Shopping-Tour, nach draussen ans grün. Grün gemischt mit einem tiefen Blau haben wir in wässriger Form auch bald gefunden. In weniger als einer halben Stunde ist man vom Herzen der Stadt am Strand.

Umgeben von grünen Hügeln, mit einer Promenade und charmanten Restaurants, kommt einem hier schnell mal das Tessin in den Sinn.
Hier wird gesurft, gepaddelt, geschwommen und geseeschlachtet. Spätestens bei der Legende zu den verschiedenen Fahnen, die von den Bademeistern am Strand gehisst werden können, verfliegen die Gedanken an die Heimat. Eine davon warnt nämlich davon, dass ein Haifisch gesichtet wurde.

Felix führt zum Glück kein Haifisch auf dem Menu. Felix der Name des Restaurants, wo wir zum Abendessen auf Besuch waren. Für Sarahs und mein einjähriges Jubiläum, wollten wir es uns gut gehen lassen. Zufrieden waren wir eigentlich schon nur von der Aussicht, die uns die Überfahrt auf die Kowloon Seite von Hong Kong bescherte. Was uns dann aber vom Restaurant Felix, im Hotel Penninsula situiert, geboten wurde, war schlicht atemberaubend. Aus diesem ovalen Restaurant, lediglich aus Fensterwänden bestehend, hatte man einen Ausblick auf die Skyline, die sich sehen und nicht mehr vergessen lässt.
Auch das Aufgetischte liess sich durchaus geniessen. Was man gerne serviert haben möchte, wird bei Felix übrigens nicht mehr per traditionellem Menu ausgesucht, sondern per Ipad. Ein Klick auf das Gericht und man bekam ein hochauflösendes Bild davon aufgesetzt. Ein Dreh am sogenannten “Gemüts-Rad” und es wurde einem eine Idee nach dem Zufallsprinzip vorgeschlagen. Eine Spielerei, die die Auswahl hinaus zögert und fast noch schwieriger macht. Sein fertig zusammengestelltes Menu kann der Bedienung ganz praktisch abgegeben werden.

Kulinarisch waren wir bereits auf luftigen Höhen. Doch wir wollten noch höher hinaus. Und wir endeten in einer der höchsten Bars der Welt. Ozon.
Diese im Hotel Ritz gelegene Bar befindet sich im 118. Stock auf 490 Meter Höhe. Das ist schier schon surreal, wenn man von so hoch oben herunterguckt. Der berühmte Hong Kong Peak, ein grüner Hügel hinter der Skyline, von wo man die Stadt gut überblicken kann, wirkt aus der Vogelperspektive geradezu flach. Die sonst so pompösen Hochhäuser wirken wie die Gebäude einer Legostadt. Und wenn eine Wolke vorbei zieht, ist man gleich ein Teil von dieser. Zwischendurch fängt es an zu donnern, aber nein, es ist kein Gewitter, es ist ein Flugzeug, das einem über die Köpfe brettert.

Von all diesem Erwachsenengetue, Aussichten, und Höhenflügen, war uns plötzlich nach ganz anderen Fahrten zu Mute. Das Kind in uns schrie auf und wir landeten:
im Disneyland!

Der Park ist schon für die kleineren gedacht, er trumpft nicht mit so waghalsigen Attraktionen auf, wie das seine Geschwister tun, und doch brachte er uns grosse Freude.
Am meisten Freude bereitete uns die Bärenschlucht. Das ein neuer Teil im Park, der erst in einer Woche seine Eröffnung feiert. Plötzlich standen wir jedoch vor dessen Eingang und Leute kamen und gingen.
Leider nur für geladene Gäste, wurde uns erklärt. Wir zogen unser Hunde-Gesicht und versuchten uns irgendwie da rein zu schleichen.
Sie würden ihren Job verlieren, wenn sie uns reinlassen würden, erklärten uns die Angestellten. Aber wir könnten ja versuchen, ein Eintrittsband von einem anderen Besucher zu erhaschen. Guter Plan, wollte zuerst aber irgendwie nicht ganz klappen, allem voran weil diese Bänder oft eng an den Handgelenken der Besucher festgemacht waren.
Es reiche auch, wenn wir einfach mit einem Band kommen würden, es muss nicht unbedingt festgemacht sein, ermutigten uns die Sicherheitsbeauftragten überraschend und wünschten uns weiterhin viel Glück. Jetzt mussten wir eigentlich nur noch warten, bis ein potentieller Komplize aus dem Gelände kam.
“Here comes your target!”, meinten die Angestellten uns regelrecht anfeuernd und wiesen auf eine westliche Familie hin, die gerade aus der Bärenschlucht schlenderte.
Und tatsächlich, mit losen Armbänder wurden wir Augenzwinkernd durchgelassen und wir zu diplomierten Pionieren der “Grizzly Gulch” Achterbahn erkoren. Das wurde sogar schriftlich festgehalten:
“CONGRATULATIONS on being one of the first pioneers to enjoy A RUNAWAY ADVENTURE through the spectacular wilderness landscape of GRIZZLY GULCH!”
Die Bahn selbst ganz witzig mit ein paar netten Überraschungen. Zumal man gerade daran ist den Berg zu erklimmen, man sich bereit macht auf den Fall hinter der Bergspitze, es plötzlich rattert und knallt und man auf einmal rückwärts den Hang hinunter rast.

Mit der Bärenschlucht endete dann unser grandioses Wochenende.
Leider habe ich nicht herausgefunden was Perfekt auf kantonesisch heisst, aber das Gefühl kam auf jeden Fall so rüber. Spätestens mit dem Turnier-Sieg von unserer frisch- und wiedererkorenen Nummer Eins.

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