K-Pop und Gipfeli in der magischen Kälte

marco · January 27, 2012 · Travel · 0 comments

Tataratara Tarataratara taratarataaa ta!
Das die erklingende Musik, wenn die Metro einfährt in einer Station in Seoul. Diese Töne doch einiges amüsanter, und auf ihre Art und Weise auch beruhigender, als das Hämmern, der unzähligen Feuerwerksraketen, die über das chinesische Neujahr zum Himmel abgefeuert werden.
Nach einer kurzen Arbeitswoche, ging es für das Fest zum Frühling auf, zu unseren Nachbaren nach Südkorea.
Von Frühling merkte man allerdings nicht viel. Eisige Kälte machte sich über der Stadt Seoul breit. Tief im Minusbereich liegend, mussten wir uns einkleiden, als würden wir gleich ein paar Ski an die Füsse schnallen und den Männlichen hinunter gleiten. Glücklicherweise bietet Seoul vor allem eins, unzählige Kaffees. Keine 50 Meter kann man gehen, ohne eines dieser Lokalitäten zu passieren. Dort trumpfen sie dann auch mit innovativen Ideen. In einem Lokal wärmten wir unsere durchgefrorenen Körper mit einem Tee und kriegten dazu ein Ipad ausgeliehen zur Unterhaltung. Die jeweiligen Schaumkreationen auf den Kaffees waren kleine Kunstwerke und die dazu servierten Gebäcke aus dem Ofen, liessen in uns ein Gefühl von Europa empor schnellen. Ja, wenn Beijing nach Baustelle riecht, dann schmeckt es in Seoul nach einer Bäckerei. Egal an welcher Station des unglaublich breiten Metro-Netzes man aussteigt, sofort erreicht der Geruch von einem frischen Gipfeli die Nasenflügel.

Ein Geruch von Gebäck kam auch aus meiner Reisetasche, als ich diese bei unserer Ankunft im Hotel öffnete. Leider war ich mir in keiner Weise bewusst, dass ich, noch Sarah, chinesische Kräcker eingepackt hätten. Mir passierte also das, wovon man sonst nur hört, sich aber wünscht, dass es einem nie im Leben selbst passieren würde. Ich hatte das falsche Gepäck am Flughafen mitgehen lassen. BÄM! Zu meiner Verteidigung gilt es zu sagen, dass es haargenau das gleiche Gepäckstück war, wahrscheinlich noch beim gleichen Geschäft erworben, mit den exakt gleichen Produktionsfehler, die eine typische Fälschung mit sich bringt. Das Gute daran, wir kamen sogleich in ernsthaften Kontakt mit den Koreanern. Die Rezeptionistin brauchte gerade mal drei Telefonate, die zusammen nicht länger als 5 Minuten dauerten, um herauszufinden, wo mein Koffer ist, und was die nächsten zu unternehmenden Schritte sind.
Mein Gepäck war in den Händen einer Koreanerin gelandet, die sich gewillt zeigte, mit mir erneut einen Tausch einzugehen. “Don’t be solly” meinte sie nur mit ihrem knappen englisch und wir hatten unsere eigenen Taschen wieder.

Die Koreaner also, auch ohne grossen Englischkenntnisse, ein hilfreiches und freundliches Volk.
Aber auch ein Volk, dass skeptisch mit der Aussenwelt umgeht und wo die Wut und die Angst vor den Nachbaren im Norden noch durchaus präsent ist. Im “War Memorial Museum” der Stadt wird dieser Eindruck verstärkt. Da hat es eine Schiessbude, wo man, wie auf dem Jahrmarkt auf Büchsen, auf Nordkoreaner schiessen kann. Daneben hat es einen Raum, angeschrieben mit “real combat experience”, wo man sich in einen Schützengraben begibt und sich in Mitten einer Simulation von Krieg wieder findet.
Zum Schluss der Tour durchs Museum, kommt eine Miniatur Version von Seoul, wo gerade simuliert wird, wie ein Atombombenangriff der Nordkoreaner etwa aussehen würde. Eine über der Stadt aufgehängte Bombe zeigt die mögliche Einschlagsstelle, und Szenen aus dem Film “Terminator: Judgement Day” führen die mögliche Katastrophe vor. Nach dieser Simulation können Kinder, sowie Erwachsene, lernen, wie sie sich in solch einer Ausnahmesituation zu verhalten haben.
Ähnliche Instruktionen flimmern fast an allen öffentlichen Orten über Bildschirme. In den U-Bahn Stationen gibt es dazu daneben einen der zahlreichen Kasten, mit einer ganzen Ausrüstung an Krisenutensilien drin.

Nichts von dieser Krise merkt man allerdings in den typisch, koreanischen Badehäuser. Als westlicher Tourist jedoch, könnte man beim Besuch dessen durchaus in eine Krise geraten. In diesen Spas haben sich alle Besucher in das gleiche Pyjama zu schmeissen. Darauf kommt die Qual der Wahl. Man kann sich in der Spielhalle amüsieren. In einem der stinkenden Schwitzräume, variierend von 30 Grad in einer Pyramide, bis zu 70 Grad in einem Ofen, auf einem schweissig, feuchten Kissen sich etwas ausruhen. Im Eis-Raum frieren. Die Nägel lackieren. Sich virtuell im Computer-Raum die Köpfe einschlagen. Sich vom Clown unterhalten lassen. Oder sich einfach im Gemeinschaftsraum irgendwo hinlegen und etwas schlafen.
Das Theater wird sehr absurd präsentiert. Es scheint, als wäre man gerade Mitglied einer Sekte geworden. So schräg und schmuddelig kam uns diese Anstalt vor, dass wir den gewährten Aufenthalt von sagenhaften 12 Stunden, auf ein paar wenige davon beschränkten.

Dann doch lieber ein Spaziergang im berühmten Bukchon Quartier, welches am Hang gelegen und im alten, asiatischen Stil konzipiert, die moderne Metropole überblickt.

Auch schöne Aussichten hatten wir vom Building 63, wo sich zuoberst eine Art Gallery befand und man dazu das unendliche Ausmass der Stadt erfassen konnte. Nur im Untergrund vorwärts bewegend, waren wir überrascht, dass sich die Eisbahn, wo wir am Abend zuvor noch Schlittschuhlaufen waren, soweit vom dem die Stadt durchschneidenden Fluss befand. Das hat uns die elektronische Map, zu finden an fast jeder U-Bahn Station, in der Form eines riesigen Ipads und zu gebrauchen wie die Karte von Google, nicht erklärt.

Wir erlebten in diesen Tagen K-Pop pur. K-Pop eigentlich die koreanische Pop Musik, die wirklich in jedem Geschäft, sei es jetzt in einem der unzähligen Kosmetik-Geschäfte, oder in den riesigen Designer-Malls, zu hören ist. Im letzteren übrigens gibt es einiges zu finden. Koreanische, sich durchaus sehen lassenden Eigenkreationen an Kleidern, bis zur Polstereinlage beim Po, für etwas mehr Kurven.
K-Pop also die Bezeichnung ihrer Musik, aber für uns der Begriff einer ganze Kultur.

Und zum Schluss, gab es noch ein Zuckerguss.
Ja wahrhaftig, an unserem letzten Abend fing es in dicken Flocken an zu schneien.
Zum Frühlingsfest ein paar Zentimeter Schnee. Es hat etwas magisches, dieses Seoul.

Leave a Comment!

Your email address will not be published. Required fields are marked *