Im Rausch der Schildkröte

marco · September 05, 2011 · Beijing, Botschaft · 1 comments

Neulich gesehen im Supermarkt.

Eine komplette Kollektion an Rausch Haarpflegemittel. Nach Getränken wie Rivella, schaffen es jetzt also auch Schweizer Pflegeprodukte in die Regale Chinas. Zu stolzen Preisen. Die Flaschen sind allesamt so um die 20 Euro. Starker Franken hin oder her, das ist Wucher! Kein Wunder denken die Chinesen, wir Schweizer kommen aus einem Land, wo alle im Geld plantschen.

Am plantschen wie eh und je übrigens auch Rupert Shrimp.
Ja richtig, meine Schildkröte, sie lebt! Hätte ich selbst nicht erwartet, das Shrimp so lange durchhält. Doch es geht ihm besser denn je. Allerdings auch nur Dank meinem letzten Besuch aus der Schweiz.
Von den Lönis musste ich mir eine deftige Standpauke anhören, was Tierhaltung anbelangt. Hatte ich doch gerade ein neues, grösseres Gehege für Shrimp zugelegt, wurde dieses prompt als massive zu klein und nicht WWF tauglich deklariert. Nachdem wir diverse Experten zu Rate zogen, was denn nun die Präferenzen dieser Schildkröte ist, stellte sich heraus, dass dieses Haustier scheinbar “das am schwersten zu haltende” Haustier sei überhaupt. Es brauche einen Spielplatz, der mindestens zehnmal so lang ist, wie die doof Kröte selbst. Es muss an der Sonne gelegen sein, mit Sandstrand verziert, Höhle zum verkriechen muss es haben, Wasser zum Schwimmen und tief genug für einen Kopfsprung, ein Arsenal an Pflanzen muss drin sein, sowie zu Fressen aus dem Globus-Gourmet.
Ganz schweizerisch wurden darauf Nägel mit Köpfen geschlagen und ein richtiges Aquarium für Rupert zugelegt. Dort tummelt er sich jetzt glücklich, hat sogar eine Filteranlage drin, die manchmal auch gleich als Jacuzzi dient.

Wenn ich nicht da bin, zügle ich Rupert in die Botschaft, wo er von der “Ay”, also der Putzfrau, gepflegt und gepäppelt wird. Dort verbringt er seine Zeit in der Küche. Wo ich zuerst Angst hatte, dass er vielleicht mal selbst im Topf landet, mutierte er zu einer Art Kultfigur. Gar Künststücke hat er sich selbst beigebracht. Er klettert an den Rand seines Geheges, fällt runter auf den Rücken (!!!) und dreht sich irgendwie biegend und zwängend, selbst zurück auf alle Viere. Seine Präsenz auf der Botschaft ist auch praktisch für mich, denn einen “Out of office” zu setzen erübrigt sich damit. Ist der Rupert Shrimp im Büro, bin ich es nicht.
Als ich ihn das letzte mal für ein paar Tage auf der Botschaft lassen musste, hatten meine Kollegen bereits das Gefühl, dass Rupert Shrimps Panzer viel schöner, und er auch gewachsen sei. Ja sogar lebendiger wirke er. Und das heisst schon was bei einer Schildkröte. Oder wer verbindet schon dieses Geschöpf mit etwas “lebendigem”?
Ich hoffe aber schwer, dass diese Schildkröte nicht noch viel grösser wird, sonst geht es dann ins unmögliche all die anspruchsvollen Punkte seiner Rasse noch zu erfüllen.

Zugegeben, ganz all die verlangten Voraussetzungen konnten schon jetzt nicht erfüllt werden. Gleich ein Strand hat er nicht in seinem Aquarium und ein 5 Gänge Menu erhält er auch nicht. Aber man darf nicht vergessen, dass wir hier immer noch in China sind. Hier isst man mit Stäbchen, statt Besteck und wäscht sich die Haare mit “Aquair” made in China, statt mit Rausch made in Switzerland.

PS: Danke nochmals den Spendern. Rupert Shrimp geht es gut. Ich sehe ihn noch viel weniger als vorher, da er sich immer in seinem Dschungel versteckt. Aber er scheint glücklich und so bin es auch ich und ihr hoffentlich auch.

1 Comments:
  1. schön, freut mich sehr zu lesen, dass es rupert gut geht.

    wir lassen es uns übrigens momentan ebenfalls gut gehen und machen ferien in italien. gestern in mailand, heute in pisa, morgen in rom. und dann schauen wir weiter.

    herzliche grüsse von räffu und von mir,

    corinne

    corinne · September 06, 2011

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