Here, have my card!

marco · September 24, 2009 · Allgemein · 0 comments

Mein Leben verändert sich ja rasant hier, mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit donnere ich durch Neuerungen, die unter Umständen noch lange nachhallen werden.
Denn nicht nur bin ich bereits bereit im Massimo Dutti (schon der Name, er purzelt so schön über die Zunge heraus, ich glaube wenn man nichts sagen wollen, die Zunge zusammenrollen, den Mund öffnen und seine Zunge sich aufrollen lassen würde, sie würde automatisch die Worte “Massimo Dutti” ausspucken) herumzustolzieren, oder mich auch wirklich jeden morgen kurz nach dem Aufstehen zu kämmen und aus einer beachtlichen Palette von Parfums (die haben sich in der Luftfracht irgendwie vermehrt) je nach Lust und Laune und ganz dem Zufalle entsprechend eines von diesen mit schlaftrunkenen Augen auszuwählen und anzuspritzen, nein, jetzt ist auch noch was anderes persönlichkeitsbeinflussendes dazugestossen.
Gerne präsentiere ich euch:
Meine Visitenkarte!

Aus Prinzip habe ich mich dieser lange verweigert, aber wie so vieles, ist auch das mit diesem Kärtchen hier ganz anders.
Einer meiner ersten Kontakte mit einem Chinesen lief nämlich so ab, dass er mir am Schluss vom Gespräch seine Karte überreichte und ich mich ganz nett dafür bedankte. Darauf folgte plötzlich eine etwas zu lange Stille, so eine Art Stille, dass es schon fast peinlich wird, weil niemand mehr etwas sagt, wir reden hier nur von Sekunden der Stille, aber trotzdem, diese paar wenigen Sekunden die können es ausmachen. Schlussendlich war ich es, der sich dafür entschied, diese schon zu viele Sekunden dauernde Stille zu durchbrechen und meinte nur plump:
“Sooooo, goodbye then!”
Da war der Chinese paff.
“What?! What about your card?”
“Oh, sorry, I don’t have one.”
Und bei dieser Aussage war er dann nicht nur noch mehr paff, sondern noch gleich beleidigt dazu.
So kam ich zum Entschluss, da ich in diesem Land Gast bin etcetera und ich auch nicht gekommen bin um mehrheitlich die Chinesen zu beleidigen, diese komischen Karten mir fabrizieren zu lassen.

Auf Vorrat habe ich jetzt hundert Stück, davon habe ich bereits ein paar in meinem Büro und in den naheliegendsten Büros verschenkt. Die Freude der Beschenkten war riesig (Null, aber das waren ja auch keine Chinesen). Daher bin ich noch ein birebizeli zweifelhaft, ob ich diese hundert Stück festen Papiers im Trambillie-Format in den besagten 4 Jahre auch wirklich loswerde.

Aber möglich ist es, denn irgendeinmal vor ein paar Tagen, oder Wochen, nein Monate waren es nicht, jedenfalls war ich auf dem Markt, so ein richtiger stinke Markt, wo es aber alles gibt, unter anderem die besten Früchte, und irgendwo zwischen dem blutverspritzten Metzger und der Madame die duftende Blumen verkauft, war ein kleines Teelädeli.
Nach meinem Einkauf dort, welcher der Verkäuferin wahrscheinlich den Umsatz vom Monat beschert hat, streckte sie mir auch ihre Visitenkarte entgegen.
Die Schuhe verlöchert, die Kleider zerrissen, aber Visitenkarten, claro que si!
Daher, doch, vielleicht, wenn Mao es so will, werde ich meine 93 Stück die ich noch habe vor 2013 allesamt los.

Leave a Comment!

Your email address will not be published. Required fields are marked *