Haus der Teezeiten

marco · September 12, 2012 · Beijing, Chineese Culture · 0 comments

Tee gehört zu China, wie die Ovo zur Schweiz.
Wir nehmen die Ovo in der Beiz zu uns, und die Chinesen ihren Tee im Teehaus.
Allerdings haben diese hübschen Teehäusern den massigen Büro- und Hotelgebäuden zu weichen und man muss sie suchen, um noch welche zu finden.

Da mein „Bruder auf Besuch“ mit Ovo wunderbar vertraut ist, nahmen wir die Hürde und machten uns auf ins Tee-Schlaraffenland.
Die Suche führt, wie so oft in Beijing, durch Stau oder stockender Kolonnenverkehr. Die Blechlawine geht im Schritttempo voran. Nur zwischendurch überholt uns auf dem Pannenstreifen ein hupender Wagen der Luxusklasse. „Regierung?“, fragen wir und zeigen mit dem Finger auf den vorbeirauschenden Bonzenwagen. „Nein, Leute mit Geld“, meint der Taxifahrer.

Aus der Stadt heraus wird es staubig und Menschenleer. Zwischen den Bäumen, versteckt vor der Sonne, halten die Taxifahrer ihren Mittagsschlaf. Ich nehme mein gescheites Telefon zur Hand und kläre ab, wo wir sind. Völlig ab vom Schuss! Unser Fahrer, nachdem er unser Zielort mal angerufen hat, fährt selbstbewusst weiter. Unser Punkt auf dem GPS entfernt sich immer weiter von der Zivilisation.
Gerade als ich den Fahrer darauf Aufmerksam machen will, dass er doch mal einen Blick auf mein gescheites Telefon werfen soll, zeigt er mit dem Finger auf ein Industriegebäude und proklamiert „wir sind da!“.
Tatsächlich, versteckt im Hinterhof von einem stillgelegten Fabrikgelände, eröffnet sich uns das Tor zu einem der stilvollsten Gebäude Pekings: dem „Green T House“.

Auf sauber gerecheltem Kies, und zwischen zwei ineinander verschachtelten, weissen Betonwänden hindurch, betritt man das Gelände. Überall hat es Stühle und Liegemöglichkeiten verteilt, um in die Ruhe der Umgebung einzutauchen. Wir finden einen Teich voller plätschernder Fische und unter dem Schatten der Trauerweiden gibt es Platz für ein Pick-Nick. Kurzerhand vergessen wir, dass wir uns in einem Vorort zu einer 20 Millionen Metropole befinden.

Wir betreten das eigentliche Teehaus. An der Decke hängen übergrosse Laternen. In einer Ecke steht ein Vogelkäfig, der für ein natürliches Gezwitscher sorgt. Irgendwo klimpert traditionelle, chinesische Musik dazu. Die Wände ziert eine aktuelle Kunstausstellung und im Raum verteilt stehen grosse, hölzerne Tische. Auf künstliches Licht wird am Tag verzichtet, an den Scheibenwänden rund ums Gebäude wird der Lichteinfall mit Vorhängen reguliert.

Die Blase drückt bereits bevor wir überhaupt Tee zu uns genommen haben. Die Toilette allerdings so galant, wie der ganze Rest vom Gebäude. Allem voran die Treppe dahin zeigte sich Fotogen.

Dann endlich werden wir dem eigentlichen Gastgeber vorgestellt. Dem Tee. Auf einem Menu, dass sich wie eine Pergamentrolle ausbreiten lässt, erliegen wir beinahe der Qual der Wahl, aber ringen uns schlussendlich zu einigen Gerichten durch. Die vorgesetzte „Bibel zum Tee“ überfordert uns vollends. Wir gehen auf Nummer sicher und bestellen Grüntee.

Mit frisch abgepflückten Blätter, wird dieser auf einem Tablett, verziert mit einer verdorrten Wurzel, aufgetischt. Dazu gibt es Kürbissuppe, wobei auf die Schüssel verzichtet und die Suppe gleich in den frisch aufgeschnittenen Kürbissen serviert wird. Das Poulet, an würzigem Sichuan Pfeffer, wird in einem entzwei geteiltem Bambusrohr präsentiert.
Ganz nach dem Gusto: das Auge isst mit.

Nach so viel „Zen“ und Ruhe im Tee, müssen wir uns aus der Schläfrigkeit buxieren. Wir Wechsel vom Tee zum Kaffee.
Glücklicherweise laufen wir an die Eröffnung des neuen Nespresso Ladens heran, wo uns als sogenannten Club-Mitglieder auch Einlass geboten wird. Von Ruhe zu Glamour. Die spinnen die Schweizer. Das Aushängeschild George Clooney blieb leider aus. Ersatz ist allerdings schnell gefunden.

Und somit der Besuch von Rem Li auch besiegelt.
Schön war es! Sehr schön sogar! Schi Schi, donglidong und Pi Tschiou!

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