Hals, Beinbruch und Teletubbies!

marco · March 06, 2013 · Beijing, Chineese Culture · 2 comments

Auf meiner “zu tun” Liste für Beijing, steht ganz oben “Skifahren mit Chinesen”.
Und tatsächlich habe ich dass, jetzt wo der Winter langsam ausklingt, letztes Wochenende noch geschafft.
Es war ein Wochenende voller Überraschungen.

Nach 3 Stunden Fahrt durch chinesische Einöde und Industrie (ein Atmoreaktor nach dem anderen), kommen wir in Wanglong an.
Wanglong, das grösste Skigebiet Chinas, das St. Moritz Asiens. So in etwa lautet die Werbung.
Allerdings sind sie noch nicht ganz bereit das Paradies zu eröffnen. Auf dem Weg zu unserem Hotel passieren wir Baustelle an Baustelle. Da muss noch etwas gefeilt werden, um die Ortschaft idyllisch zu gestalten.

Wir beziehen unser Hotel. Es liegt direkt an der Piste. Wahrhaftig. Eine Brücke, die von der Piste abzweigt, führt direkt in das Hotel hinein.
Die Pisten, die den Hang von 2000 Metern Höhe zieren, sehen aus, wie mit dem Rasierapparat einrasierte Kerben ins Haar.

wanglong

Was wir natürlich noch brauchen, ist Material. Dabei sind wir bei weitem nicht die einzigen. Das System um Material zu kriegen, demnach etwas kompliziert.
Am Ticketschalter kauft man zuerst einmal das Abo. Dann geht man Schuhe anprobieren. Wenn man welche findet, die passen, werden die notiert und auf die Seite gestellt. Zurück am Ticketschalter wird das Material registriert, man erhält ein Badge (wo man sich die jeweilige Nummer dafür merken müsste, mehr dazu später) und kann das Material beziehen.
Nach diesem Hin und Her sind jedoch meine parat gestellten Schuhen bereits weitervermietet worden, gloubsch?
Ob sie noch ein anderes Paar hätten?
Nein, alle weg! Meibanfan, meinte die Frau am Tresen, nix zu machen.
John, Der Manager, muss kommen und ich ende mit zwei verschiedenen Paar Schuhen auf den Skis. Die passen natürlich nicht ganz in die Bindung, so dass ich jeweils in einem Kraftakt den Verschluss hochziehen muss.

Irgendeinmal sind die Skis geschnallt und wir sind auf dem Berg. Die Szenerie gewöhnungsbedürftig. In die Weite erspäht man nur staubige Berge und die Kurven kratzt man durch Birkenbäume hindurch.
Aber die Pisten sind schön breit, der Schnee gut und zum allergrössten Erstaunen, es hat nicht viele Leute. Wo ich einen Haufen Chinesen erwartet habe, sind nur eine angenehme Vielzahl mit uns auf der Piste.
Und das zweite allergrösste Erstaunen, die können alle sackgut Skifahren!
Ich hab gedacht, ich mit meinem bescheidenen Fahrstil, könnte den Chinesen zeigen, wie man eine Kerbe in den Schnee zieht. Im Gegenteil, ich konnte noch von den Chinesen lernen!

Nicht nur in ihrem Fahrstil sind unsere asiatischen Freunde kaum zu übertreffen, sondern auch in ihrem Kleidungsstil. Die erscheinen Angezogen, als würden sie gleich die Zirkusmanege betreten. Sie trägt ein knallig, pinkigen Overall, er ein Muster, dass man beim Anblick gleich anfängt zu schielen. Manchmal war die Ähnlichkeit mit den Teletubbies markant.
Vor allem farbig muss es alles sein.

farbig

Am Mittag, in Stimmung für Käseschnitte und Nussgipfel, müssen wir uns mit Kon-Pao Hühnchen und Nudelsuppe begnügen. Gewöhnungsbedürftig, aber authentisch.
Da merke ich, dass mein besagter Badge weg ist. Verloren. Wunderbar, der Manager John, muss wieder ran. Er ist gar nicht zufrieden mit mir. Er habe doch ausdrücklich erwähnt, dass ich mir die Nummer einprägen soll. Er zitiert mich, alle Badges von meinen Gspändlis einzusammeln, deren 10, und sie an den Ticketschalter zu bringen.
Ich tue wie mir geheissen und bringe das Zeug. Beiläufig erwähne ich, dass die Bänder der Badges schon sehr lose sind und man die schnell verliert.
Nicht die Bänder sind lose, schimpft John mit mir, sonder ich sei lose im Kopf. BÄM!
Irgendwie klappt es dann und ich kriege einen neuen Badge. John und ich versöhnen uns und ich bedanke mich nett bei ihm. Darauf meint er, Worte zählen nicht, sondern nur Trinkgeld. DOPPELBÄM!

Nach einem wirklich gelungenen Skitag, eröffnen wir sogleich die Bar im Hotel fürs Après-Ski. Das scheinen sie noch nicht zu kennen, die Chinesen. Irgendeinmal verlagern wir das Après-Ski ins Restaurant, und von dort ins Hotel integrierte Spa.
Wenn ich an Spa denke, so denke ich an die Onsen in Japan. Ein quasi heiliger Ort, der Ruhe und Entspannung, wo Sitten eingehalten werden müssen, wie in einer Kirche.
In Wanglong China allerdings, da gibt es keine Regeln. Da wird im Spa geraucht und getrunken. Es ist laut, wie in einer Bar. Vielleicht ist das für die Chinesen das Après-Ski?
Zum Schluss landen wir noch im hoteleigenen Karaoke. Direkt von der Nasszone versteht sich. In unseren Bademäntel wandern wir durchs Hotel, nicht ganz zur Freude aller Gäste, und hinein ins Vergnügen. Zuerst hat es geheissen, die Karaokebude sei defekt. Später stellt es sich heraus, dass sie nur zu faul waren, es zu putzen. Zwischen den Überresten unserer Vorgänger hindurch, singen wir, was das Zeug hält.

Etwas heiser erwachen wir zu strahlend blauen Sonnenschein. Skikeller gibt es keinen im Hotel, die Skis und Snowboards liegen alle in den Gängen rum. Davon schnappen wir uns ein paar und finden uns auf der Piste wieder.
Es gilt zu erwähnen, dass ich nicht meine komplette Skikleidung aus der Schweiz mit nach China genommen habe. Wer hätte auch erwartet, dass man hier Skifahren kann. So endete ich mit meinen Jeans auf der Piste. Damit es nicht zu kalt wird, habe ich über die Jeans noch Regenhosen angezogen, kennsch?
Regenhosenmaterial ist vergleichbar mit dem eines Plastiksacks. Und genau das wird mir bei meinem Sturz am zweiten Tag etwas zum Verhängnis.
Der Sturz an sich verlieft glimpflich. Das Problem war nur, dass meine Hosen etwa den Effekt hatten, wie wo wir als Kinder uns einen Müllsack unter den Allerwertesten geklemmt, und so den Hang hinunter geschlittert sind.
Ausser Kontrolle und unaufhaltsam, gleite ich auf meine Po die Piste runter. Bremsen, keine Chance. Irgendeinmal fang ich an es lustig zu finden, so hilflos ausgeliefert zu sein. Ich steuere etwas an den Rand hinaus, wo mich der leicht tiefere Schnee zum stillstand bringt.

Doch auch dieser Spass geht irgendeinmal zu Ende. Mit den Lufthochdruck-Düsen putzen wir den Schnee von unseren Skis und geben sie zurück. Mein Badge funktioniert leider nicht mehr und ich muss nochmals einen neuen beantragen. John lacht dabei nur noch.

Es war ein sehr gelungenes Wochenende. Hätte nicht gedacht, dass es auf chinesischen Skipisten, so glatt zu und her gehen kann. Hut und Helm ab. Sehr gelungen, die Überraschung.

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Und die grösste Überraschung noch zum Schluss. Gutes wert lange nach, dass soll auch in China gelten und so haben wir alle noch eine Überraschung mit nach Hause genommen.
Lebensmittelvergiftung.
Allesamt haben wir die letzten Tage das Bett und die Schüssel gehütet.
Ja John, ich bin vielleicht lose im Kopf, aber deine Hygiene du, die löst die ganze Magenschleimhaut.
Hier also holt man sich beim Skispass anstelle einer Beinfraktur, eine Magenverstimmung.

2 Comments:
  1. …Wanglong ist doch immer wieder eine schöne Herausforderung…oder! Dann haben die Chinesen wirklich gelernt skizufahren?! Als ich 2007 das 1. Mal in Wanglong war, sind die Chinesen auf dem Hintern die Hänge runtergerutscht….gloubsch ;-)… da hättest du mit deinen Skikünsten auftrumpfen können.

    Liebe Grüsse
    Trinälä

    Trinälälä · March 06, 2013
  2. Also beim Bäm und Doppelbäm hat’s mich fast vom Hocker gehauen 🙂 Der John hat dir glatt gezeigt, wo Bartli im St. Moritz Chinas den Moscht holt!! Super Bericht, bereue sehr, diesen Ort nie gesehen zu haben 🙁

    Dänälä in Paraguay · April 08, 2013

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