Grossstadtsturm

marco · September 22, 2010 · Allgemein · 0 comments

Gewusst, heute ist Vollmond.
Und, heute beginnt in China das Mondkuchen Festival.
Das sind so kleine, runde Küchlein, lebkuchenartig, mit den wildesten Füllungen.
Da kann man schon einiges drin antreffen. Zum Beipiel rote Bohnen, oder Erdnüsse, oder so Algenzeugs. Wie der Weinkenner sagen würde, wenn er gerade einen Wein gekostet hat, der ihm nicht so entspricht… mhm, interessant.
Die ganz Glücklichen haben übrigens ein Ei drin.
Ich hatte Pech, in meinem ersten Mondkuchen den ich je angefasst habe, war Tabak drin. Schon mal ein Biss vom Tabak genommen, den man in der ShiSha raucht?
Eben, ganz hässlich.
Obwohl die Euphorie auf diese Küchelchen wahnsinnig ist, und jeder jedem so eins schenkt, ja ich da vor mir vom Kempinski eine ganze Packung habe, riskier ich nicht mehr so schnell in diese chinesischen Kinderüberraschungen zu beissen.

Gerne hätte ich euch laufend auf dem Laufenden gehalten über den weiteren Verlauf meiner Konsulatsreise. Dies war aber nur in Hong Kong möglich. Im restlichen Bereich des Landes, wie ihr ja wisst, ist mein Blog verbannt.
Deshalb, hier nach und nach ein Nachtrag über das vergangene Gelaufene (herrlicher Satz nicht wahr?).


Eben, Hong Kong.
(Das Bild zeigt die Aussicht aus dem Konsulat)
Es war Freitag Abend und ich in einem dieser gemütlichen Beizen draussen auf der Strasse. Die Temperatur perfekt. Dann plötzlich, ein Blitz, ein Donner und die Storen der Restaurants wurden heruntergekurbelt und fürs ganze Wochenende nicht mehr eingezogen.
Es hat durchgehend gewittert. Ich fand das nicht mal übel, denn Regen bekomme ich ja nicht mehr so viel mit in Beijing. Und ein Gewitter in Hong Kong ist absolut spektakulär. Bei all diesen Pflöcken von Hochhäusern, muss quasi jeder zweite Blitz in ein solches einschlagen. Und das Donnergrollen, grollt von den Mauern auf allen Seiten abgelenkt, auf einem hernieder. Die diversen Soundspezialisten, die THX etc. entwickelt haben, müssen von einem Gewitter in Hong Kong inspiriert worden sein.

Eine kleine Nebenmission habe ich in Hong Kong ebenfalls erfolgreich absolviert.
Ich habe ein Iphone4 ergattert.
Bei den meisten Geschäften wurde ich mit dem Schild “out of stock” wieder davon geschickt. Dort wo ich fragen ging, haben sie mich gar teilweise ausgelacht. Die Wartelisten seien zu lang, aktuelle Wartezeit betrug bei den meisten 2 Monate.
Kurz vor dem Aufgeben, fand ich dann noch ein Händler, der mir für einen aktzeptablen Aufpreis eines dieser Prestige-Geräte vermacht hat.
Zeit zu blöffen bleibt mir jedoch nicht viel, musste ich hier zurück in Peking erfahren. Denn die Regierung hat entschieden nun das Iphone doch unzensiert dieses Wochenende in Beijing zu lancieren.
D’oh!
Immerhin musste ich für meines hart arbeiten, und es hat Heimatort Hong Kong. Das wertet es nochmals massiv auf.


Dann kam Guangzhou.
(Auch diese Bild, zeigt die Aussicht aus dem Konsulat.)
Eine Provinz-Stadt, so wurde sie mir angekündet. Nichts interessantes. Nichts schönes.
Obwohl ich nur gerade ein Tag dort war, kann ich beides dementieren. Klar, es hat keine Sehenswürdigkeiten wie eine verbotene Stadt zu bieten, dafür eine Promenade am Fluss entlang, die mehr zeigt als der Zirkus Knie vor ausverkauftem Publikum. Mit bettelnden Affen, Karaoke-Fährräder und Fischer, die aus dem Fluss auf unerklärliche Weise Schildkröte hinaus fischen.
Und dann hat Guangzhou vorallem das berühmte Essen, welches, obwohl immernoch in China, ganz anders daher kommt, als alles bisher probierte. Weniger scharf, dafür umso würziger.
Die Leute gaben sich mir gegenüber sehr offen und warm. Als ich am Abend meiner Ankunft, ein Sonntag, um die Stadt und ihre Leute zu erkunden in eine Bar ging, musste ich keinen einzigen Drink selbst bezahlen. Und es waren keine Ausländer, die das für mich übernommen haben.


Das Konsulat an sich, befand sich mit dem 26. Stock ebenfalls in luftiger Höhe. Um dort hin zu gelangen musste ich als erstes einmal Schlange stehen. Sei normal um 9 Uhr morgens, hat man mir erklärt, da wollen einfach zu viele die zwei mikrigen Lifte gleichzeitig benützen. Demnach klaustrophobisch musste man sich auch in diese hineinzwängen.
Als eines der jüngsten Konsulate, kam dieses dann etwas steril daher. Mit nur gerade 12 Angestellten, ist es auch ein drastischer Unterschied, zu unserer Botschaft in Peking, wo ich mittlerweile 75 Stationen betreuen muss.
Kleine Randbemerkung übrigens: Beijing ist nun offiziell die grösste Botschaft der Schweiz. Wir haben Washington überholt.
HA! Bitte stehen sie hinten an!
(Sorry Herr Beuliger! 🙂 )

Ganz anders Shanghai!
Da herrscht leben!
Wenn ich so mein erstes Bild aus der Gehirnschublade hinaus wühle, dann sehe ich da, ebenfalls eine schöne Aussicht auf ein gerade losgebrochenen Wolkenbruch, viele Arbeitsplätze mit einem Haufen Zeugs drauf, paar Ballöne, etliche Visakunden, überstellte Gänge, HaiBao, dieses blaue Expo-Maskottchen, überall, und eine elektrisierende Arbeitsatmosphäre.

Ich weiss nicht, ob ich jemals zuvor in solch kurzer Zeit, derart vielen neuen Leuten die Hand geschüttelt habe. Manche von ihnen waren mir schon per Mail bekannt und bekamen ein Gesicht verleit, von anderen habe ich im vornerein Geschichten gehört und traff diese Hauptakteure nun persönlich.
Eines haben sie alle gemeinsam, allesamt haben sie vieles zu erzählen.
Diese Reise war ultra intensiv. Mit wenig Schlaf und einer riesen Termosflasche gefüllt mit Erlebnissen fürs Erfahrungsrucksäckchen.

Danach folgten noch ein paar Tage Ferien in Shanghai.
Dies ist jedoch eine andere Termosflasche und soll in einem anderen Blog geöffnet werden.

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