Gemacht, getroffen und gesehen

marco · July 26, 2014 · EICAR, Film, Paris, Schweiz · 0 comments

Was haben Van De Walle, Disney, Hollande, Pharrell und Götze gemeinsam?
Wäre da nicht der erste Name drin, wäre die Sache etwas einfacher, nicht? Nun, ich helfe euch auf die Sprünge: sie sind alle im Juli passiert.

Mein letztes Projekt der Produktionsphase passiert als erstes. Dabei habe ich das Privileg, völlig auf eigene Faust zu agieren. Ich bin nämlich der „Making-of guy“. Also eigentlich der, der allen auf dem Set im Weg ist. Sollte allerdings die Dokumentation der Dreharbeiten gut ausfallen, wäre diese auch durchaus in der Lage, mehr Lorbeeren zu kriegen, als der eigentliche Film. In meinem Fall wage ich das jedoch zu bezweifeln, denn der Film, den ich notabene noch mitgeschrieben habe, könnte ganz gut werden. Es ist das erste Mal, wo ich an einem Set bin und das Gefühl habe, so könnte es in „echt“ aussehen. Das Team ist fokussiert und schnell, die Schauspieler perfekt besetzt und äusserst professionell. Auch wenn man das zuerst nicht so recht vermuten könnte. Ein seriöses Interview krieg ich jedenfalls mit keinem der Stars richtig hin. Die Schauspieltruppe versteht sich gut untereinander und hat ein richtiges Gaudi. Der Unterschied dann hier zu den anderen Sets, sobald es für diese Schauspieler heisst: „ready to shoot“, wechseln sie im Bruchteil einer Sekunde vom Clown zu ihrem Charakter. Fast schon beängstigend mit welcher Leichtigkeit sie ihr Gesicht wechseln können, macht es irgendwie schwer ihren echten Charakter zu erkennen.

Diese Dreharbeiten lassen mich ziemlich in Paris rumkommen. Aus Kostenspargründen wird oft etwas ausserhalb gedreht, was mich nicht abschreckt, trotzdem mit meinem Fahrrad hin zu radeln. Dieser Film hat es aber etwas auf die Spitze getrieben. Für eine Spitalszene musste ich 1,5h weit hinaus in die Pariser Agglomeration fahren. Nach “Le Plessis Robinson”, wem es was sagt. Allerdings lohnt sich die Mühe. Mir wird sogleich ein Kittel überreicht, und ein Gastauftritt als Arzt zugesprochen.

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Fürs Making-of gibt es an diesem Tag ebenfalls noch guten Stoff. Das Spital erleidet einen brutalen Rohrbruch und das Erdgeschoss steht bald mal komplett unter Wasser. Wo dann noch die Decke anfängt einzubrechen, machen wir einen etwas grösseren Bogen um die Überschwemmung. Die Dreharbeiten werden dadurch zum Glück nicht behindert.
Als all meine Speicherkarten voll und alle Batterien leer sind, gehe ich vorbei am Spitalpersonal, dass dem Wasser irgendwie versucht mächtig zu werden, und schwinge mich zurück auf meinen Drahtesel. Nach meiner hübschen, kleinen Velotour werde ich zu guter Letzt dann auch noch von einem Wolkenrohrbruch eingeholt.

Dieses Regenhundewetter hat Paris auch für einen Grossteil des Julis fest im Griff. Die Stimmung trüb und Bedrückt. Da hilft das Aus der Schweizer Nationalmannschaft, und noch das umso dramatischere Ende von Federer’s Wimbledon spurt, nicht unbedingt. Aus dieser Hinsicht war es ein sportreicher Monat. Wenn zwei elektronische Tabletten zur Hand sind, wird teilweise zum kochen gleich im Doppelpack mitgefiebert.

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Über das relativ frühe Ausscheiden der Franzosen an der Weltmeisterschaft bin ich jedoch nicht ganz unfroh, denn gewinnen die Franzosen ein Spiel, herrscht in Paris Ausnahmezustand. Da hüpfen die Fans auf den Polizeiwagen rum, während dem den Polizisten drinnen vom Gerüttel langsam übel wird. Die Fans von Algerien dabei nicht unbedingt besser. Bei ihren Spielen wird speziell die Champs-Elysée regelrecht abgeriegelt. Es herrscht Ausnahmezustand.
Sobald die Franzosen sich jedoch vom Feld verabschieden, interessiert sich keiner mehr für Fussball in der grossen Nation. Aus der Traum. Beim Final-Spiel sind daher auch wenig Deutsche Fans zu finden. Wir, zusammen mit Besuch Remo und seiner Sara, sind nicht die einzigen, aber doch wahrscheinlich die Lautesten, die dem Götze sein Tor bejubeln. Die Pokalübergabe des Teams, dass auch die Franzosen rausgeworfen hat, wird dann auch schnell mal vom DJ der Lokalität lautstark übertönt.

Ja, der französische Stolz ist gross. Das zeigen sie auch an ihrer Militärparade am 14. Juli. Wo wir denken, dass die Franzosen an ihrem freien Tag keinen Fuss vor ihre Hausmatte setzen, werden wir wiederum an der Champs-Elyée eines besseren belehrt. Bis weit in die hinteren Strassen drängen sich die Leute, um auf die Parade und ihren Präsidenten einen Blick zu erhaschen. Aus der Ferne sehen wir zu Beginn gerade mal nur das Gold der Römerhelme aufblitzen. Auf einer Seitenstrasse, wo sich die Parade spaltet, kriegen wir etwas mehr zu sehen.
Der Anfang macht die Patrouille de France, die den farbigen Rauch der stolzen Nation auf die Stadt rieseln lässt. Gefolgt werden sie von einer ganzen Armada an Militärflugzeugen, die Steuerzahlern unter die Naser reiben, wohin ihr Geld wandert.
Dann kommen die Truppen. Wie sie in Reih und Glied an uns vorbei ziehen, ist lustig anzuschauen. Vor allem die erste. Nach Truppe 5 ist es aber schon immer etwas das gleiche. Bei Truppe 10 wird’s langweillig und nach dem Vorbeizug der Trupp 35 applaudiert man nur noch zum baldigen Ende des Theaters.

Das „grande finale“ bildet die „Troupe motorisée“. Diese reisen einem, mit ihrem lauten Motorengeräusch und den Abgasen, wieder aus der Hypnose der Truppen. Irgendwas imposantes, aber auch beängstigendes, hat es, wenn einem Panzer mit 100 Sachen an den Ohren vorbei zischen. Ich fühle mich an die Parade zum 60 jährigen Jubiläum der Volksrepublik Chinas erinnert.
Die Parade findet damit aber nicht sein Ende. Für den Rest vom Tag müssen wir beim überqueren der Strassen aufpassen, nicht von einem dieser motorisierten Militärgeräte über den Haufen gerollt zu werden. Die führen nämlich ihre Parade durch die Stadt fort. Später sammeln sie sich auf dem Platz vor der Oper, wo sich die faszinierte Jugend auch gleich ihren Platz im Militär sichern kann.

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Da sind mir die Piraten der Karibik schon lieber. Sarah und ich haben es also geschafft, innerhalb 2 Jahren in 3 verschiedene Disneylands zu gehen. Eine respektable Leistung.

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Als kleine Disneyland-Experten müssen wir aber feststellen, dass im Vergleich zu den anderen Ländern der Service im Eurodisney etwas hadert.
Zum Beispiel: Irgendeinmal während dem Tag fallen sämtliche Attraktionen aus. Nix geht mehr. Die armen Leute auf der Indinana-Jones Achterbahn kriegen statt dem Adrenalinkick, eine Zerrung beim Heruntersteigen der steilen Treppen.
Anderes Beispiel: nebst dem, dass sie nur Fast-Food Menus servieren, scheinen die Leute weder motiviert, noch koordiniert, ihre Arbeit zu verrichten. Wenn das Menu schon nur zum auftischen konzipiert ist, könnte man vermuten, dass dies auch schnell geschieht. Nicht so bei den Franzosen. Da schlendert nach der Bestellung der Lasagne, die Dame von der Kasse mal ein bisschen in die Küche und kommt ohne etwas mitzunehmen zurück. Nebenbei legt sie mal ein paar Servietten aufs Tablett und sagt ihrer Kollegin, die bisher nur daneben stand und auf ihrem Telefon rumdrückte, sie soll die Cola rauslassen. Das macht die Kollegin so beiläufig. Während diesem Ritual wächst die Warteschlange bereits zum Restaurant hinaus. Irgendeinmal gelingt es dem Koch dann doch noch, die Lasagne auf ein Teller zu pflatschen, aber bis das Menu komplett auf dem Tablett ist, dauert es lockere 30 Minuten. Kein Einzelfall; das gleiche Szenario erleben wir auch nochmals beim Abendessen, wo wir es glücklicherweise gerade noch vor eine Schulklasse zur Bestellung schaffen. Die Schüler sind wahrscheinlich noch jetzt am warten, bis jemand von der Küche das Salatblättli in den Burger gelegt hat.
Item, schlussendlich zählt das Gesamterlebnis und dabei werden wir nicht enttäuscht.

Organisatorisch funktioniert es aber dann am Montreux-Jazz-Festival viel besser. Da hat man schnell mal was auf dem Teller. Was hier wahrscheinlich am längsten dauert, ist die Qual der Auswahl.
Und somit hacken wir den letzten Prominenten unserer Liste oben ab. Pharrell, der für uns den kleinen Festival-Sommer eingeläutet hat, und von Fink letzthin schon wieder ausgeläutet wurde. Braucht aber auch nicht mehr, denn die Konzerte in Montreux, mit den Stars hautnah, sind stets perfekt.

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Somit geht das erste Uni-Jahr seinem Ende zu. Um weiterhin produktiv zu bleiben, habe ich ein Praktikums-Plätzchen gefunden bei einer kleinen Produktionsfirma, wo ich nun daran bin, der Editorin zu assistieren. Im Moment besteht das noch aus Untertitel einfügen und Töne suchen für das Gebrüll von Bären.
Wo und warum die Brüllen gibts dann später zu lesen.

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