Freundlich grüsst das Wetter

marco · February 24, 2012 · Beijing, Botschaft · 1 comments

Freundliche Grüsse aus dem Wolken verhangenen Beijing.
Das ein Beispiel einer konventionellen Unterschrift in einem für das EDA typischen Mailverkehr. Aus aller Welt kommen bei diesem Departement die Nachrichten zusammen und beinahe ausnahmslos beinhalten sie immer einen kurzen Wetterbericht.
Grund genug auch für mich einen Beitrag zu einem der Lieblingsthemen des Schweizers zu verfassen: dem Wetter.

Lustig zu sehen, wie gewisse Angewohnheiten von den Auslandschweizern einfach mitgenommen und auf der anderen Seite der Grenze zu Mutterland Helvetia adaptiert werden. Gerade in Peking bietet das Thema ziemlich was an Zündstoff.

Im Moment steht es noch in den Sternen, sowie in den Windböen und Staubpartikel, ob diese Wetterdaten für die nächste Woche zutreffen werden. Zu deren Richtigkeit wage ich allerdings zu behaupten: Knapp daneben und voll vorbei!

Das Wetter in Peking ist alles andere als vorhersehbar. Ja gar ein Ding der Unmöglichkeit scheint es zu sein, auch nur einen Tag im voraus das Wetter zu bestimmen.
Solche komplett verhauene Vorhersagen erhitzen natürliche des Schweizers Gemüt aufs derbste. Leider gibt es hier kein Thomas Bucheli, der dafür verantwortlich gemacht werden könnte. Dann wendet man die Blamage halt gleich aufs ganze Land an und verflucht die Chinesen.

Was andere vehement stört, finde ich eher noch lustig. Hier ist alle Tage Ostern und die Überraschung jeweils perfekt. Hier weiss man nie, ob nun morgen wirklich ein guter Tag ist, um die Aussicht auf der Mauer zu geniessen, oder man besser den Kompass ausrichtet und das Nebelhorn montiert. Hier weiss man nie, ob der Flieger wirklich fliegen kann, oder der seinen Weg durch den Schmutz gar mit Nebellampe nicht findet. Hier weiss man nie, ob die Suppe klar ist, oder eher Goulasch.

Zu all dieser Unvorhersehbarkeit gesellt sich der schon oft erwähnte Smog. Da sich die chinesischen und amerikanischen Geister mächtig darüber scheiden, wessen Messung jetzt akkurat ist oder nicht, hat ein kluger Kopf dafür eine App geschrieben, die einem der Vergleich präsentabel vor Augen führt.

Die Amerikaner empfehlen heute Masken, während die Chinesen auf ihren guten Luftverhältnissen beharren.
Dieser Überschwang an Informationen, bringt des Schweizers Kopf fast zum explodieren. Zumindest jammern viele über Kopfweh.

Was mir persönlich an all dem Kopfzerbrechen verursacht ist, was für eine Unterschrift ich denn jetzt jeweils wählen soll. Tatsächlich wurde mir damals bei meinem Abgang aus Bern geraten, mich an diese „Formalität“ zu halten und im Mailverkehr stets ein paar Worte über das aktuelle Wetter zu verlieren.

Ich schreibe „Freundliche Grüsse aus dem sonnigen Beijing“.
Sonnig? Tatttaaaaaa… ja tatsächlich, die letzten paar Wochen präsentierten sich von der sonnigen Seite. Wenn es windet in Peking, dann ist es schön.
Aha, also eigentlich „Freundliche Grüsse aus dem windigen und darum sonnigen Beijing“?
Nein, denn es ist ja vor allem sonnig. Wenn es windet, bläst es allen Dreck weg.
Aha, also eigentlich „Freundliche Grüsse aus dem ausnahmsweise sonnigen, da windigen, aber sonst gemäss den Chinesen nur leicht verschmutzten Beijing“?
Nein, das wäre ja dann gelogen.

Glaubt doch was ihr wollt. Ich fühle mich weder dem Petrus verpflichtet, noch zum Wetterfrosch berufen. Da mir dieses Theater vom wettern in den Unterschriften zu kompliziert wird, verbleibe ich mit den freundlichsten Grüssen und fasse das alles in einer einzigen Standartfloskel am Ende jeder Mail gekonnt zusammen:
Cheers

1 Comments:
  1. Hey, ich bin mal so frech und schreibe mal was in deinen Blog. Sieht super aus! Ich bin auch seit einige Zeit mit WordPress beschaeftigt kapiere aber noch nicht alles. Dein Blog ist mir da immer eine willkommene Motivation. Danke!

    Gunnar · March 04, 2012

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