Es geigt der Zähler

marco · June 13, 2011 · Beijing, Botschaft · 0 comments

Von Fukushima liesst man nichts mehr.
Der Zündstoff ist ausgegangen, obwohl die Lunte eigentlich noch brennt.

Wie berichtet, hat diese Geschichte ja auch bei uns auf der Botschaft ihre Wellen geschlagen. Vor allem bei den Chinesen war halt die Angst vor einer atomaren Katastrophe, die bis ins Land der Mitte reichen könnte, gross.
So begegnete ich einmal auf dem Nachhauseweg einer unserer Lokalangestellten. Es war ein von Smog durchzogener Tag. Der Himmel leicht bedeckt, aber kein Regen in Sicht. Meine Kollegin hatte ihren Kopf, wie eine Rupert Shrimp in ihrem Panzer, dicht unter ihrer Kapuze versteckt.
Wovor sie sich denn verstecke, fragte ich mehr zum Spass.
Vor den radioaktiven Teilchen die auf sie herunterfallen, meinte sie voll im Ernst.
Da sie nicht die einzige zu sein Schien, die davor Angst hatte verstrahlt zu werden, wurde entschieden bei uns auf der Botschaft Messungen aufzustellen. Nicht, dass es nicht schon Messungen der Regierung gäbe. Aber dass ist eben so eine Sache mit den offiziellen Angaben und wie viel Vertrauen man diesen entgegenbringen kann.

So werden jetzt wöchentlich bei uns auf Botschaft Messungen nach Radioaktivität durchgeführt. Aufgetragen wurde uns dies von der Zentrale in Bern, ist also nicht auf unserem Mist gewachsen. Und gemacht werden die Messungen von unserem Hausmeister.
Oh… bitte entschuldigt meine rüpelhafte Ausdrucksweise, ich meine natürlich, diese Messungen werden jetzt von unserem “Leiter Technik” durchgeführt. Hausmeister, oder noch schlimmer, Hauswart, sind solch diskriminierende Bezeichnungen, dass man diese anpassen musste. Eine Bewegung, die ja nicht nur beim Bund zu spüren ist, sondern eigentlich in so ziemlich in jeder Branche. Bemerkenswert ist die entstehende Schlacht der Superlativen, die dadurch entsteht. Gerade hier fällt das schon auf, mit all den Visitenkarten, die einem da quasi im Stundentakt in die Hände gedrückt werden. Ein Titel ohne den Begriff “Manager”, ist heute kaum mehr anzutreffen. So ist ein/e Rezeptionist/in jetzt halt ein/e “Manager of front desk”.
Wie auch immer, unser Leiter Technik gönnte sich letzthin seine wohlverdienten Ferien und so war ich derjenige, dem diese verantwortungsvolle Aufgabe zum “radioactive man” auferlegt wurde. Die letzten zwei Wochen spazierte ich somit regelmässig in den Garten unseres Botschafters, um dort vor seinem Schlafzimmerfenster diese hochsensible Messung durchzuführen.

Und ich darf also gänzlich entwarnen. Wir turnen seit geraumer Zeit zwischen einem Durchschnittswert von 0,087 und 0,090 Sieverts umher.
Zum Vergleich, erst ab 0,3 Sieverts müssen wir Bern eine Meldung erstatten.

Ähnlich wie bei der Presse in der Schweiz, liesst man auch in China quasi nichts mehr in den Zeitungen über den Vorfall in Japan, und unsere Angestellten haben ihre Kapuzen längst herunter gefaltet.
Hoffen wir, dass sich dies als Vorteil auf die Arbeiten an den Fukushima Kraftwerken ausübt und sie ihr Verschwinden aus dem Fokus der Öffentlichkeit positiv ausnützen können.
Und auch wenn es nun niemanden mehr zu interessieren scheint, Bern besteht weiterhin darauf, dass wir unsere Messungen weiterführen.

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