Erstklassiger Verkauf und Kauf

marco · October 25, 2011 · Chineese Culture, Travel · 2 comments

Was für ein Theater bis man da mal eine Braut gefunden hat.
Suchen, gefunden, zusammen, glücklich, dann doch nicht die richtige, Trennung, unglücklich und wieder suchen.

In einer Gesellschaft die rennt und rennt, hat man doch eigentlich gar keine Zeit zu suchen. Da gibt es viel Wichtigeres wie zum Beispiel Karriere und Geld. Eine Zwickmühle, denn Familie ist wichtig, gerade die Kinder sollen den Wohlstand der älteren Generation sichern.

Was machen also die in die Jahre gekommenen Eltern von alleinstehenden Kindern in Shanghai?
Sie schnappen sich das schönste Foto ihrer Liebsten und gehen damit auf den Hochzeitsmarkt.

„Mein Sohn ist mega gut mit Computer und arbeitet für eine amerikanische Firma. Er verdient 6000 RMB (ca. 600 Euro) pro Monat, kommt aus einer guten Familie und hat nichts Schlechtes gemacht“, wird zum Beispiel ein Chinese mit Jahrgang 1982 von seiner Mutter mit Inserat zum „Verkauf“ gestellt.

Wenn allerdings Eltern für ihre Töchter einen Mann suchen, läuft es gerade umgekehrt. Es werden Ansprüche gestellt. Auf einen am Boden stehenden Regenschirm angeklebt, die Bedingungen, manchmal mit Foto, manchmal aber auch nicht. Und da klingt es dann schon eher wie bei einer Stellenausschreibung: „Junger Mann gesucht. Hochschulabschluss verlangt. Lukratives Einkommen ein Muss. Keine begangene Straftaten.“
Vor dem Inserat, gierige Männer die feilschen und verhandeln als ginge es um ein Kilo Tomaten.

Aber nicht nur Verkuppelungen werden angepriesen, nein auch Freunde werden gesucht: „82 jähriger Mann sucht Buddy“, stellt, diesmal der Sohn, die Plakate seines Vaters aus.
Man geht in China also nicht selbst auf die Pirsch und sucht, sondern lässt suchen.
Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht.

So ähnlich habe ich mir das übrigens beim Erwerb meines Flugtickets nach Shanghai auch gedacht. Warum eng, wenn es auch breit geht?
Und ich fand mich in der First Class wieder.

Weder Lohnerhöhung, noch eine Beförderung, noch ein Überschuss an Selbstwertgefühl haben dazu geführt. Nein, das Ticket war schlicht und einfach günstiger als jenes der Eco Klasse. Mir wurde das Zückerli vor die Nase gehalten.

An der anstehenden Schlange vorbei, wird über den roten Teppich eingecheckt. In der Lounge macht man es sich auf einem Massage-Sessel bequem und lässt sich die Gesässmuskulatur erweichen. Sobald das Flugzeug bereit steht, wird man per Name ausgerufen (meiner nicht, den konnten sie nicht lesen). Wieder an der Schlange vorbei, bezieht man den Liegesessel, wo bereits ein Drink auf einem wartet. Die Zeit vergeht wie im Flug. Und nachdem der Pilot nach einer 15 Minütigen Rundfahrt auf dem Flughafen Peking seinen Parkplatz gefunden hat, geht es in einem Privatbus direkt zum Exit.

Das Zückerli ist auf meiner Zunge genüsslich zerflossen und die Fluggesellschaft hat mich da, wo sie mich haben wollten. Süchtig nach mehr. Die Entzugserscheinungen werde ich wohl oder übel durchstehen müssen.

Aber sollte ich mal jemanden auf diesem Hochzeitsmarkt zum Verkauf ausschreiben, sei es nun Frau/Sohn/Tochter/Grosseltern, oder einer meiner Brüder, ich würde ihr/ihm zu liebe auf jeden Fall den Vermerk auf dem Inserat machen „fliegt ausschliesslich Business Class oder höher“.

2 Comments:
  1. suuuuuper Blog!!! ……und bis in die First Class habe ich es noch nie geschafft…alle Achtung!

    Trinälä · October 25, 2011
  2. Gute Idee! Muss ich mir überlegen … Allenfalls sende ich dir dann mein Foto und die Anforderungen an meinen Chinesen 🙂 Ich melde mich wieder …

    Corinne · October 26, 2011

Leave a Comment!

Your email address will not be published. Required fields are marked *