Elefanten der Stadt am Strand

marco · August 23, 2013 · Travel · 0 comments

Es ist das erste Wochenende, nachdem die Thais Zahltag hatten.
Resultat: Da ist nix mit sparen. die Malls und Märkte sind bumsvoll. Und wir mitten drin. Es gibt uns einen ersten Eindruck, was uns in gut einer Woche im Venedig des Ostens erwarten soll.
Die Stadt Bangkok pulsiert mehr den je. So wird sie Für das Jahr 2013 auch von Tripadvisor als die Topdestination Asiens und zur momentan meistbesuchten Stadt erkoren.
Merken wir gut auf unserem Zwischenstopp hier. Beim Geheimtipp, dem Wochenend-Markt Chatuchak, müssen wir zuerst Schlange stehen, um überhaupt einmal in die Marktgassen zu gelangen.

Die Zeit verliert sich schnell im Menschentumult, und wir besteigen bald einmal unseren Nachtzug.
In unserem Abteil per Zufall ein herziges, altes Thaipäärchen, wo die Frau chinesischer Abstammung ist und wir uns (also vor allem Sarah) sich auf Chinesich unterhalten können. Welch Schicksalshafte Begegnung.
Es kommen aber immer mehr Leute bei uns ins Abteil. Irgendwas stimmt da nicht. Bestimmt machen die anderen was krumm, und checken die Platznummerierung nicht.
ÖH, nein, wir sind falsch. wir müssen unsere Thai-Chinesen verlassen. Also doch kein Schicksal.
Die Nachtzüge in Thailand sind etwas anders konzipiert als jene in Europa. Es gibt keine Abteile und man liegt wie der Zug fährt, der Länge entlang. Dabei kommt nach Abfahrt der Kondukteur vorbei und macht einem das Bett. Bei uns in der oberen Etage surrt einem dazu ein Ventilator ins Ohr, der lediglich die bereits schon tiefgekühlte Luft etwas durcheinander wirbelt. Lichterlösch gibt es auch nicht. Man schläft also eher schlecht als recht in diesem Ratterzug, dessen Spitzengeschwindigkeit um die 30kmh liegen muss.
Aus dem dösenden Schlaf werden wir unsanft von Kondukteur gerissen.
‘Chumphon, get out, quick!’
Es bleibt kaum Zeit alle sieben Sachen zu packen, und wir finden uns in Mitten einem Haufen anderer verschlafener Gesichter wieder. Wir warten noch vor der aufgehenden Sonne darauf, dass wir mit Bus an den Hafen chauffiert werden.
Bei warten fällt uns auf, dass das südliche Thailand zu einer Familiendestination geworden ist. Die meisten unserer Mitreisenden sind zigeunerhafte Familien, mit mindestens 4 Kindern, auf dem Weg in ihren Budget-Sommerurlaub.

Nachdem sich der Himmel langsam anfängt zu erhellen, werden wir auf eine Fähre verfrachtet. Mit 460 anderen Passagieren!!!
Glücklicherweise nicht alle auf dem Weg zur gleiche Insel. Wir hüpfen bei Koh Tao vom Boot. Mir die Insel nicht ganz unbekannt. Vor langer Zeit, wo das grün hinter meinen Ohren noch dunkelgrün, und für mich Asien ein grosser Unbekannter war, setzte ich hier schon Fuss auf den Sand. Damals konnte man einfach kommen und irgendwo ein Bungalow beziehen. Jetzt, in der Highseason und dank Internet und den übermächtigen Tripadvisor, ist die Reservation ein Muss.
Wir haben bei unserer Unterkunft auf der Klippe auf jeden Fall Glück mit der Aussicht.

Leider ist es aber etwas ab vom Schuss, zudem rattern die Boote einem so laut vor der Aussicht durch, dass man das Gefühl hat, der Nachbar steht mit seinem Rasenmäher vor der Tür. Das bewegt uns dazu einen knallig, pinkigen Roller zu mieten. Anfangs etwas gewöhnungsbedürftig bei Linksverkehr und über Hügel von 60% Steigung zu düsen, am Schluss aber ein Gefühl von purer Inselfreiheit.
Das erlaubt uns auch von einem Strand zum anderen zu hüpfen. Dank diesem Islandhopping gelangen wir bis zur Shark Bay und noch weiter, wo wir nur beim Schnorchel einem Black Tip Reef Shark über den Weg schwimmen.

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Natürlich liegen wir nicht nur auf der faulen Haut rum. Sarah wird wie ich vor cirka 10 Jahren, auf der Insel Koh Tao zum Advance Open Water Diver gekürt. Bei einem der Tauchkursgänge können wir sogar ein Wrack betauchen. Das mir allerdings neu, dass es in Koh Tao auch Wracks gibt. Wie sich aber herausstellt, hat das Militär der Insel ein Boot gesponsert, dass sie auch gleich vor der Küste versenkten. Eine schöne Bescheerung.

Obwohl die Insel nun eigentlich nichts mehr mit Thailand zu tun hat und von den Leuten, dem Essen, dem Ausgang und den spärlich gesähten Thai-locals gerade so gut an der Costa del Sol liegen könnte, haben wir unsere paar Tage hier genossen. Bei Porto Bello gab es eine sagenhafte Pizza aus dem Steinofen, bei Fizz im Sitzsack zu guter Musik und Drink in der Hand eine bezaubernden Sonnenuntergang und bei ‘the gallery’ diesen eben so exotische Thai-Food. Der allerdings vom allerbesten.

Die 5 Tage sind nach ein paar Plauschtauchgängen dann auch schnell vorbei und wir schon bald wieder auf der 400 köpfigen Fähre. diesmal Richtung Koh Samui.
Und wo wir schon in Koh Tao das Gefühl hatten, von vielen Touristen umgeben zu sein, stellte sich bei Koh Samui dann schnell mal eine neue Superlative ein. Massentourismus. Wenn Koh Tao Playa del Sol ist, dann ist Koh Samui Rimini. Jetskis auf der See, Städte mit Kinos, Safari-Elefanten-Treks, und Party.
Das stösst uns sauer auf.
An all den Muscleshirts und engen Bikinis vorbei, haben wir aber Glück und finden eine kleine… Nein, eigentliche eine grosse, aber sehr uns entsprechende Oase. Die Beach Republic.
Da kriegen wir dann auch gleich ein Bett am Strand.

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Und ausgerechnet auf koh samui sollen wir einen Vorgeschmack auf unsere baldige Rückkehr erhalten. Eines der populärsten Restaurants dort nämlich von Schweizern betrieben. Vero und Fränä sind ausgewandert und unterhalten jetzt unter Palmen das ‘Röstiland’, gloubsch?
Wo wir zuerst darüber lächeln, werden wir schnell eines besseren belernt. Das Päärchen aus Wimmis charmant und so freundlich, dass man sich gleich wie in den eigenen vier Wänden fühlt. Und das Essen, lange ist es her, dass ich so ein zartes Rahmschnitzel zwischen die Beisser gekriegt habe. Wirklich nicht etwas, womit man in Thailand rechnet. Wir verirrten uns jedenfalls gleich ein paarmal ins Röstiland.

Und wenn man schon von Ländern spricht, nach den paar ultra erholsamen Tagen unter Palmen, kriegen wir noch einen Hauch Disneyland ab.
Der Flughafen in Koh Samui kann locker in den Ligen von Lunaparks-Ambienten mithalten. Mit seinem Open Air Terminal, den ausgehändigten Popcorn beim Gate und dem kitschigen Zügli, das einem zum Flieger fährt, auch nicht weiter erstaunlich. Die spinnen die Thais.

Wie so viele Reisen durch Südostasien, endet auch unsere in Bangkok. Irgenwie verarscht uns Google Maps jedoch gründlich, unser Hotel bei Silom finden wir erst nach einem ausgedehnten Spaziergang und ein paar gute Kilometer neben der von google gesetzten Stecknadel vorbei.
Auf der Suche nach Futter durchqueren wir danach die nächtlichen Quartiere in der Gegend. Sarahs Fazit dazu wenig überzeugend:
Fake T-Shirts, Verkehr, Ratten und Pussyshows überall.
Die Besuche beim lying Buddha Wat Pho, dem goldenen Hügel im Herzen der Stadt und dem Königspalast kann aber der erste, versaute Eindruck verbessern. Vor allem letzterer, wo mich das Karma einholte und ich mir, da meine haarigen Beine nicht dem Dresscode entsprechen, tatsächlich auch noch Elephantenhosen überziehen muss.

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Damit hätte ich ganz bestimmt wunderbar in das Bild der berühmt, berüchtigten Khao San Road gepasst. Beim Mittelpunkt der Erde für Backpacker. Schlussendlich habe ich diese schicken Hosen ohne schweren Herzen gleich wieder abgegeben.

Das Bild von Bangkok hat sich schon stark verändert, habe ich das Gefühl. Mehr und mehr Wolkenkratzer zieren das Bild und mehr und mehr Touristen gelangen hier hin. Wo noch vor 3 Jahren die Sirocco Bar in luftiger Höhe ein Geheimtipp war, muss man nun beim Lift zusammen mit Leuten aus aller Welt Schlange stehen. Kein Wunder, als Kulisse für den Film Hangover 2, hat die Location einen markanten Werbeboost abgekriegt. Der stark abgenutzte Lift gibt dadurch auch kurzerhand der Geist auf.
Bars dieser Art sind aber mittlerweile keine Seltenheit mehr und man findet sie an jeder Ecke. Auf der Spitze der Vertigo Bar, mit einem tatsächlich schwindelerregenden Ausblick auf die Stadt, finden wir unseren Schlummertrunk.

Am letzten Tag setzt starker Regen ein. Aus den Abflüssen der Brücken strömen regelrechte Wasserfälle. Wo wir kurz vorher beim Pier auf die Fähre noch nach unten gingen, steigen wir wenig später gegen oben aus. Der Pegel vom Fluss locker innerhalb einer Stunde um ein paar Meter gestiegen.
Nach all den Märkten, für was Bangkok so berühmt ist, alle aber irgendwie den gleichen Ramsch verkaufen, finden wit beim ‘Asiatique’ Markt doch noch ein paar Neuigkeiten und Schnäppchen.

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Es mag daran liegen, dass wir so lange in China gelebt haben und es für uns in dem Sinne nichts ‘Neues’ mehr ist. Aber Bangkok und Thailand allgemein scheint etwas in der hereinströmmenden Touristenmasse aus aller Welt, unter zu gehen. Es bringt nicht mehr die Magie und exotik, die es mal hatte.
Aber so als Abschluss natürlich, mit Rahmschnitzel und dem sich gesetzten, unverkennbaren Thai-Geruch in der Nase, trotzdem ein Highlight.

Und jetzt stehen wir vor dem bald letzten Kapitel von Helvetia Blogs Konfuzius. Die letzte Station steht an, da wo alles angefangen hat.

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