Effizienz gefällig?

marco · August 15, 2011 · Chineese Culture, Travel · 0 comments

Wie der Name schon verspricht, wird auch dieser Blog krass effizient verfasst. Ich befinde mich jetzt gerade irgendwo in der Tropopause zwischen Shanghai und Peking. Irgendwo zwischen aufgestanden und vor der Arbeit. Links und rechts an meiner Schulter, dösende Chinesen, die sich vom Krach meiner Tastenanschläge nicht stören lassen.

Nachdem der letzte Besuch abgezischt war, empfand ich es für mehr als nur richtig, ebenfalls gleich abzufliegen.
In dieser Stadt namens Shanghai, die derart vom westlichen Virus geprägt ist, dass man kaum mehr von China sprechen kann, wurde mir eben diese chinesische Effizienz einmal mehr vor Augen geführt.

Schlüssel gefällig?
Beinahe beängstigend ist es, mit wie wenig Aufwand innerhalb der chinesischen Grenzen, die Kopie eines Schlüssels hergestellt ist.
Ein grosser, roter Schlüssel weist auf einem Schild den Weg zu dem unscheinbaren Geschäft. Irgendwo eingeklemmt zwischen zwei Wohnblöcken, gedeckt von einem Plastikdach, wo junge Katzen und das Ungeziefer der Gassen noch nebeneinander leben, sitzt ein Chinese im mittleren Alter auf einem kleinen Plastikhocker.
Ob er eine Kopie dieses Schlüssels machen könne?
Ohne etwas zu sagen, nimmt er den Schlüssel in seine schmutzigen Hände, dreht und begutachtet ihn von allen Seiten und meint:
„mh, hao.“
Der Schlüssel wird in einen Schraubstock eingeklemmt, daneben der „Schlüsselroling“ und der Schlüsselmeister beginnt zu bohren. Eine ältere, chinesische Dame, geschützt von der Dunkelheit hinten in der Gasse, beobachtet uns mit skeptischem Blick. Ob dies wohl seine Mutter ist?
Nach knapp 10 Minuten ist das Werk vollbracht. Das Original, zusammen mit dem neu geformtem Schlüssel, werden ins Sonnenlicht gehalten und miteinander verglichen. Passt. Kostenpunkt: 1 Euro 50.
Es versteht sich von selbst, dass es sich nicht um einen Schlüssel handelt, der zuerst von einem Informatiker programmiert werden muss und der etlichen ISO Zertifikaten entspricht, aber die Türe liess sich öffnen und der Kunde ist mit Bravur zufrieden gestellt.

Brille gefällig?
Zweite Mission von diesem Tag: eine Lesebrille.
Von den etlichen Lesebrillenträgern in der Schweiz, wo ich ohne Zweifel bald mal auch dazu gehören werde, weiss ich, dass es ein langwieriges Unterfangen ist, sich so ein Gestell fürs Gesicht zu besorgen. Nicht so in China. Die wahrscheinlich schwierigste Herausforderung hier, ist nicht der Qual der Wahl zu erliegen. Ganze Shoppingmalls, über mehrere Stockwerke hinweg, gefüllt mit Brillen von Ray bis Giorgio, überfluten den Kunden regelrecht. Ob nun echt oder nicht, so oder so wurden sie in China hergestellt.
Ist ein passende Sehhilfe gefunden, und auch die nötige Korrektur dafür bekannt, kann man, das in China oft auch als Modezubehör verwendete Accessoire, mit frisch geschliffenen Gläsern eine halbe Stunde später abholen.

Regen gefällig?
Nun gut, ob dies wirklich auf die Liste der Effizient passt, sei dahingestellt. Aber ein Wolkenbruch à la Shanghai ist beeindruckend. Wenn so ein Sommersturm mal loslegt, fällt eine sehr respektable Menge Wasser vom Himmel. Da schwimmen die Autos schnell mal in ein paar Zentimeter, und kleinere Wasserfälle stürzen von den Dächern. Wenn man Glück hat, sitzt man da gerade in einem Taxi und fühlt sich wie in der Waschanlage.

System Administrator gefällig?
Ich übrigens nächste Woche beruflich in DER Hafenstadt Chinas. Das Schweizer Konsulat hat nach einem System Administrator ausgerufen. Der lässt sich natürlich nicht zweimal dafür bitten und wird, ganz dem Land gerecht, seine Effizienz versuchen auf dem Silbertablett zu servieren. Das jedenfalls der Plan. Natürlich alles im Bewusstsein, dass selbst effizient hergestellte Schlüssel brechen, Gläser zerkratzen und Regenschirme rinnen können.

Leave a Comment!

Your email address will not be published. Required fields are marked *