Durch Shanghai: eine Anleitung mit Fotos

marco · November 01, 2011 · Chineese Culture, Travel · 1 comments

Man nehme zwei Fahrräder. Zwei, damit man nicht so alleine ist. Rostig müssen sie sein, sonst werden sie gleich geklaut.

Eine Klingel ist empfohlen, um die Fussgänger von der Strasse weg zu klingeln.
Bremsen müssen nicht in top Zustand sein, denn gebremst wird hauptsächlich mit den Füssen.
Eine Karte ist nicht von Nöten, man fährt nach Gefühl. Am besten durch die French Concession. Die wird ihrem Namen sehr gerecht und man fühlt sich überall anders, als in China. Da gibt es schnuckelige Cafés, schrille Restaurants, Geschäfte mit der hipsten Mode und falls der Reifen mal platt ist, gibt es daneben gleich ein Fahrrad-Mech.
Anhalten darf man überall, allerdings nicht zu abrupt, sonst könnte einem das Motorrad hinten auffahren.
Sollte man verregnet werden, darf man getrost auf die Ersatzkleider zurückgreifen, die überall herumhängen.

Ampeln müssen nicht beachtet werden. Genau so wenig wie die Fahrradsverbotsschilder, die es bei den äusserst engen Strassen hat. Man sei aber auf der Hut vor der Polizei, denn die sind auch auf der Pirsch nach Fahrrädern.
Fährt man an der “Tai kan lu” vorbei, sind sie „nicht ganz gebacken“, würde hier der Bäcker sagen, denn da würden sie auch besser anhalten.
Schon nur für das blaue Pferd.

Selber blau Fahren ist nicht empfohlen, dies wird den Vierrädern überlassen.
Der Vergleich mit einer Ballspielhalle ist für Shanghai’s Strassen angebracht, denn alles kommt von überall her geflogen.
Inspirieren lassen darf man sich ohne weiteres, von den Künstler des Transports. Wieso zum Beispiel eine teure Zügelfirma, wenn man doch die paar Stühle rund um den Esstisch allesamt aufs Fahrrad packen kann?

Und die Ausrede, dass man die Grossmutter in ihrem Rollstuhl nicht mehr ausführt am Sonntag, weil es nirgends auf den Trottoirs Platz hat, wird auch nicht mehr akzeptiert, denn für irgendwas hat es ja dieses breite Strassenpflaster in der Mitte.
Verlässt man die French Concession, wird die Strassensituation etwas unübersichtlicher. Dank den unzähligen Mogler-Möglichkeiten über Fussgängerstreifen und quer durch Parks ist jedoch auch das durchaus machbar.
Angekommen beim Bund, wird man nicht nur mit einer schönen Aussicht, sondern auch mit netten Bekanntschaften belohnt.

    

In den letzten Strahlen der Abendsonne, radelt man dann, wie Lucky Luke auf dem Pferd, dem Horizont entgegen, der sich irgendwo zwischen den Wolkenkratzer verkrochen hat.

Diese und anderen Touren durch Shanghai sind durchaus die Anreise per Flugzeug wert.
Bei den Flügen ist jedoch darauf zu achten, dass diese gravierende Verspätungen haben können. Gerade in Richtung Norden, wo sich zu dieser Jahreszeit „Thick fog“ breit machen kann, ist mit hunderten von gestrichenen Flügen zu rechnen.

Am besten radeln sie von Shanghai nach Beijing, wenn sie Zeit haben.
Sie finden das übertrieben?
Andere radeln von Bern nach Beijing. Und genau solche Spinner kommen bald schon in Beijing an.

1 Comments:
  1. Diese Fahrraeder sehen aber gar nicht rostig aus. Sowas gilt hier als Schmuckstueck. Ein Wunder, dass ihr die nicht “verloren” habt 😉

    Gabriel · November 01, 2011

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