Die Zerreisprobe

marco · August 03, 2009 · Allgemein · 3 comments

Hätte mir gestern jemand das one-way Flugticket nach China entgegengestreckt, zugegeben, ich hätte es vor seinen Augen in tausend Stücke zerrissen, verbrannt und noch drauf geschissen. Noch nie im Leben war ich so traurig wie gestern, als die Zeit des definitiven Abschieds gekommen war.
Doch ist das die feine Art die Ära des Blogs “Helvetia blogs Konfuzius”
einzuläuten? So traurig? Sollte ich nicht überglücklich sein, solch eine Chance wahrnehmen zu dürfen? Wir werden sehen…
Jedenfalls, die Chance hat begonnen, und zwar zur Wiederauffüllung der Tränendrüsen mit einem Glas Champagner in der Business Class, das ist nämlich das erste was einem entgegengestreckt wird (oder das Einzige was ich in meinem leiden Zustand sehen wollte auf dem Tablett neben Orangejus und Wasser), sobald man in seinem riesigen Tronsessel, der mit seiner Beinfreiheit gar zu Dehn- und Gymnastikübungen einlädt, platz genommen hat. Leider, gerade als ich alle Funktionalitäten des Stuhls in den Griff bekommen habe, musste ich diesen auch schon wieder seinem Schicksal überlassen und in Istanbul die Maschine wechseln. Dort herrschte mittelschweres Chaos, jeder ankommende Flug verspätet, Anschlussflüge die auf die Zuspätankommenden warten mussten und eine Anzeigetafel auf welcher jeder Flug mit “Last call” gezeichnet war, führte zu Gedränge und Gezanke an den Warteschlangen.
Mein Gate war kaum zu verfehlen, ich musste nur dorthin wo mich niemand verstand, ich niemand verstand und mit meinem Aussehen auffiel, wie eine Tomate im Bambuswald. Als mir ein rotzfrecher Chinese sich seines Rotzes vor meinen Füssen entledigte, wusste ich definitiv, dass ist mein Flieger.
Touch-down Beijing.
Alle Angestellten am Flughafen laufen mit Masken rum und wollen den Passagieren Fieber messen. Katrina, das selbsternannte Mädchen für alles der Schweizer Botschaft, holte mich ab und chauffierte mich Richtung Down-Town ins Kempinski Hotel wo ich ein Wohnappartment bezogen habe.
Viel von Beijing habe ich noch nicht erlebt, ausser dem Smog, der kein Smog ist, sondern der pekinesische Nebel, oder je nach dem wie tief der Nebel hängt auch als Dunst bezeichnet werden darf, oder je nach Stimmung einfach eine Mischung aus allem ist. Auch als ich die ersten Schritte hier in eine nahegelegene Einkaufsmall wagte und vor einem Regal stand voller Kambli Biskuit, kam mir das alles andere als chinesisch vor.
Ah doch, etwas China bekomme ich bereits direkt zu spüren, dieser Blog ist nämlich in China gesperrt. Ohne die Mithilfe eines tatkräftigen Engels namens Löni, könnte dieser erste Eintrag gar nicht ins Netz gelangen, denn ich kann ihn von hier aus nicht veröffentlichen, kein Zugriff. Morgen geht es zum ersten Mal in die Botschaft, mal schauen wie dort der Zugriff aufs Netz aussieht, ansonsten zwingt mich die chinesische Politik meine Sachen auf dieser Internetadresse zu packen und woanders mein erlebtes zu veröffentlichen.
Wir werden sehen zum zweiten…

3 Comments:
  1. hei marco! ich wünsche dir einen super start in china!! ein bisschen abschiedsschmerz und zweifel gehören doch dazu, alles andere wäre komisch, nicht? ich werde sehr gerne deinen blog verfolgen, finde es super spannend und finde, du schreibst sehr unterhaltsam (vielleicht dann alles als buch herausgeben;-)
    machs gut, geniess die zeit und halt uns auf dem laufenden, herzlich rea

    Rea · August 03, 2009
  2. Hoi Marco
    Wünsche Dir alles Gute in China!
    Viel Erfolg und auch Gedul – Glaube diese wirst Du noch gebrauchen . . .

    Grüessli us dr Schwiiz

    Urs

    Urs Krättli · August 03, 2009
  3. Moin Tschuy

    Scho erstuunlech, wo's eim mängisch häreschlat, he? I wünsche dir ämu aus Guete und hoffe, dass die Chance, wo du becho hesch, sehr viu Erfahrige u schöni Erläbnis mit sich bringt! Aus Guete no einisch u chum ohni Schweinegrippe wider zrügg! AHOI!

    Liebe Gruess
    Bigi

    Bigi · August 03, 2009

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