Die Zelte brechen und im Chaoyang wird gefeiert

marco · July 15, 2013 · Beijing, Chineese Culture, Food · 0 comments

Wir brechen langsam die Zelte ab.
Die Schränke leeren, und die Müllsäcke füllen sich.
Bald schon ist das Kempinski Apartment 422 Geschichte.
Um den Kopf von dem ganzen Umzugs-Tumult zu lüften, verschlägt es meine zwei Turnschuhe in letzter Zeit öfters hinaus in die Natur zum joggen.

Die letzten paar Wochen, ziehen vor meinem inneren Auge vorbei.

Shanghai haben wir schon verabschiedet.
Am letzten Wochenende zeigt es sich von allen möglichen Seiten. Regnerisch, gewitterig, heiss, schmackhaft.
Uns bleiben wird vor allem: der pompöse Abschied.

Sha

Ganz traditionell, gibt es beim Rückflug die obligate Flugverspätung von nur ein paar Stunden.
Und der Pilot dreht zur Feier des Tages auch noch gleich ein paar Ehrenrunden.

Flug

In Beijing zur Zeit absolute Frischluft-Galore.
So kriege ich bei meinem sportlichen Spaziergang viel Grünes zu Gesicht, im selbsternannten zweitgrössten Park, der überhaupt je in irgendeiner Stadt Platz gefunden hat:
dem Chaoyang.

Der Chaoyang Park hat einiges zu bieten.
Eine seit 2010 eingestellte Baustelle für das selbsternannt grösste Riesenrad.
Ein Luna-Park mit verrosteten Achterbahn-Schienen und patentlos herumstehenden Disneyfiguren.
Ein Notunterstand für unvorhergesehen Gewitterstürme, natürlich aus Metal.
Ein Seilpark, der mit morschen Latten ein unvergleichbar neverkitzelndes Erlebnis bietet.
Ein gut besuchtes Swimmingpool, wo man vor lauter Leute das Wasser nicht mehr sieht.
Sowie eine Wasseranlage, wo man sein eigenes, voll funktionales Motorboot umher steuern darf. Was wir natürlich auch schon gemacht haben, siehe hier: http://marco.firstiwasblind.ch/die-corvette-uber-den-baron/
Und die neuste Attraktion im Wasserpark. Zwei tauchtüchtige U-Boote.
Die spinnen die Chinesen.

Der Park ist aber ganz ehrlich der perfekte Platz, um sich die Beine zu vertreten. Er ist auch gut erhalten und gepflegt. Joggen tut man über frisch geschnittenes Gras und zwischen schön getrimmten Bäumen und Büschen hindurch.
Und genau diese schöne Szenerie holt eine ganz spezielle Spezies ans Tageslicht:
Die Verlobten.
Und sie kommen in voller Montur.

Chao2

Wenn ich am Abend durch den Park meine Beine rennen führe, begegne ich ihnen an jeder Ecke. Stets dicht verfolgt von einem Fotografen, samt seiner Herrschar an Gehilfen.
An Kitsch ist das Theater kaum zu übertrefen. Da regnet es Rosenblätter auf die Antlize der Verliebten, Wind weht das Haar in Position und jede Unreinheit wird in der Nachbearbeitung behoben. Die Braut wechselt unzählige Male ihre Kleider und wird vor jedem Foto frisch mit Schminke betupft. Der Bräutigam wartet daneben geduldig und mit verliebten Blick auf sein Smartphone.
An den schönen Abenden kommen sie heraus wie die Mücken und teilweise müssen sie sich die Bühne gar teilen.

All der Aufwand übrigens lediglich für die Hochzeits-Einladung.
Manchmal bleibt es dann halt nur bei den Fotos für eine Hochzeit, die nie stattgefunden hat.
Die Rosenblätter welken im Gras langsam dahin.
Die etlichen, gemieteten Hochzeitskleider gehören zurück ins Regal.

Chao1

Und wir besuchen einen Kochkurs.
Bereits der zweite in meiner Beijing Karriere. Ich bin irgendwie geschickter geworden. Diesmal bleibt was in die Teigtaschen gehört, auch wirklich drin. Und was drin geblieben ist, isst sich gar nicht mal so übel.

Jiaozi

Der Magen knurrt.
Mein Jog endet zum Glück gerade am Ausgang des Parks.
Der Wärter knallt mit seiner Peitsche in der Luft (kein Witz! Und es knallt saumässig!).
Der Startschuss in die letzten paar Wochen in Beijing.

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