Die Perlen der Zeitreise

marco · January 17, 2012 · Travel · 0 comments

Das Meer birgt viele Geheimnisse. Vieles, dass wir nicht verstehen, nie erfahren werden, oder bereits vergessen ist.
Eines dieser Geheimnisse liegt auf Grund im Norden Palawans. Die Überreste einer blutigen Rache.

Zuerst führte uns unser Weg jedoch über teils asphaltiert, teils steiniger Strasse nach El Nido. Doch eigentlich ist es egal, was unter den Räder für ein Belag war, die Fahrer machen da eigentlich keinen Unterschied und überwinden Asphalt, wie auch Kieselsteinen im gleichen Tempo und Fahrstil.
Geschüttelt angekommen in der Bucht El Nido’s, durften wir Versuchskaninchen spielen im bald neu zu eröffnenden Guesthouse „Jungle and Sea“, welches von der Olivia unterhalten wurde. Richtig, „der“ Olivia. Denn Olivia war mal Oliver, fühlte sich jedoch im eigenen Körper nicht zu Hause und liess sich dann ummontieren zu Olivia. Gastfreundlich war sie und die Aussicht, des am Berghang gelegenen Hauses, unglaublich hinunter auf die Bucht. Ein Piratenschiff hätte so gut in die Bucht gepasst, wie die Kanonenkugel in die Kanone.
El Nido, bekannt für seine unverkennbare Landschaft. Unzählige kleine Insel sind in der Umgebung zu finden, welche per Banka, dem typischen, philippinischen Boot mit Bambusstützen, auskundschaftet werden können. Zwischen den steilen Kanten, und scharfen Felsern hindurch, findet man abgelegene Buchten, mit Stränden aus Sand so fein wie Mehl. Getarnt durch das steinige Muster, verbergen sich hinter den Kulissen ganze Lagunen, die zu erreichen sind, indem man durch eine kleine Öffnung im Fels, meist nur zu passieren bei Ebbe, hindurch taucht. Dahinter erstreckt sich ein unberührter Fleck Erde und man fühlt sich zurückversetzt, wie einer der grossen Entdecker aus den Zeiten der Schifffahrt.

Leider ist es dann auch schnell aus mit der Ruhe. Heutzutage ist es schwierig ein Geheimnis zu wahren und so ist dieser Geheimtipp seiner Bezeichnung nicht mehr ganz würdig, und man hat die Umgebung mit etlichen anderen Bankas und ihren Touristen darauf zu teilen.
„This is shit!“ meint Eddie, ein langjähriger Freund von Simon, dazu. Und er bietet im selben Satz gleich eine Alternative an. Eine Tour mit der Route El Nido nach Coron, mit Übernachtungen auf den abgelegensten Inseln, die man sich auch nur erträumen lässt. Leider liess uns die Zeit keine solche Tour zu, aber Eddie gab uns eine würdige Kostprobe. Er nahm uns mit in sein Zuhause.
Sein Heim befindet sich eine Insel vor El Nido, um ein paar Ecken versteckt. Seine Aussicht ist das Meer und ein Kilometer langer Strand, sein Garten ein dichter, undurchdringbarer Dschungel, wo es kaum erstaunen würde, noch Dinosaurier darin zu finden. Sein Haustier ist ein kleiner Affe und das Essen kommt aus den Gewässern vor seiner Haustür. Wohl der beste Fisch, der mir je zwischen die Zähne kam. Ich würde mich nicht unbedingt als Fischliebhaber bezeichnen, aber auf den Philippinen, habe ich fisch lieben gelernt. Wenn dieser so saftig ist, wie ein Hühnerbrüstchen und so viel Gout hat, dass er noch über Stunden im Gaumen nachhallt, kann man auch gar nicht anders, als diese Speise zu verehren. Die Fischspeise also einer der Vorteile von einem Inselstaat.

Aber eben, es ist ein Inselstaat, und bei einem solchen ist oft das einzige Mittel von A nach B zu kommen; das Schiff. Damit sahen wir uns auch konfrontiert beim Entscheid weiter nach Coron zu ziehen. Der effizienteste Weg war eine Touristenfalle… eh -Fähre. Gedacht war sie für 25 Gäste, wir waren aber deren 40. Die Dauer der Fahrt war angekündigt mit 6 Stunden, nahm jedoch deren 11. In Anbetracht, dass man diese Stunden eingeengt zwischen anderen Touristen hinter sich bringen musste schon eher brutal. Bei hartem Seegang noch viel brutaler. Und durch den harten Seegang immer wieder nass werdend schon fast ein bisschen Horror. Nach geschlagenen 5 Stunden, eingepfercht in der Hölle, entschieden wir uns nach einem harmlosen Sonnenstand, dann dafür der Rest der Fahrt auf dem Dach der Fähre zu verbringen. Da hatte wir wenigstens frische Luft und wunderschöne Aussicht, auf die absolut unbewohnt, grüne Landschaft von Nord-Palawan.
„Jetzt irgendeinmal, werden wir dann gleich Links abbiegen und vor uns wird der Hafen von Coron auftauchen.“ meinte Simon nach 8 Stunden und der hinter dem Horizont versenkten Sonne im Rücken. „Oh, oder Moment mal, was sind denn das für Berge, die da am fernen Horizont auftauchen?“ und von da an zog sich unsere Fahrt noch weitere 3 Stunden durch die Dunkelheit.

Etwas verknittert, aber heil angekommen, enthüllte sich Coron, als eine kleine, charmante Hafenstadt auf Stelzen. In dieser Gegend, verübten die Amerikaner ihre Rache an den Japanern für Pearl Harbor. Am 22. September 1944 versenkten die Westler den Asiaten eine ganze Flotte an Kriegsschiffen. Diese befinden sich da vor der Küste auf Grund, in tauchbarer Tiefe. Einmal mehr reisten wir in der Zeit zurück und tauchten ein, in eine andere Welt.

Drei Wracks entführten uns in die Vergangenheit. Wir tauchten durch deren Rümpfe, ginge durch das aufgerissene Metal der Torpedos in das Innere der Schiffe, schlängelten uns durch untergegangene Maschinen- und Lagerräume und kamen da, wo das Schiff am Boden zerbrochen ist, wieder hinaus. Eine gespenstische Stimmung. Doch adaptiert sich diese Welt mit der Gegenwart. Ganze Korallenriffe haben sich auf den Wracks gebildet, neue Zuhause wurde für die Meereswelt erschaffen und in ein paar Jahrzehnten, wird man nicht mehr erkennen, dass da unten die Narben des Krieges liegen.

Die lokale Fluggesellschaft Cebu Pacific brachte mich von dem Mini-Flughafen in Busuanga über Manila, wieder zurück nach China. Bei dieser Fluggesellschaft wird die Reisezeit mit Spiele im Flieger verkürzt. Diese reichen von kleinen Quiz, bis zu Karaoke. Sehr typisch für diesen verspielten und lebensfrohen Inselstaat. Von den Tricyles auf Land, bis zu den Bankas auf Wasser, vielfältig und spannend präsentieren sich die Philippinen. Man fühlt sich Willkommen geheissen und scheinbar die ganze Zeit vor die Qual der Wahl gestellt, jetzt lieber wieder Weltklasse Tauchgänge zu machen, ober doch eine Besichtigung eines weiteren Unesco-Welterbes? So oder so ist es, wie das Geheimnis der Muschel, eine Perle im südostasiatischen Raum.

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