Die Corvette über den Baron

marco · August 20, 2012 · Beijing, Chineese Culture · 0 comments

Letztes Wochenende war vom toten Fisch bis zu den Schnurrhaaren sehr chinesisch.
Und angefangen hat alles es mit einer Katze.
Nein, eigentlich nicht ganz richtig. Angefangen hat alles damit, dass man förmlich die Chemie im Wetter riechen konnte und wir eine Möglichkeiten suchten dem Labor zu trotzen. Man tut ja sonst nichts blöderes, und so landeten wir in irgendeinem Hinterquartier Pekings auf der Suche nach einem bestimmten Tierladen. Wir glaubten es selbst fast nicht, als wir unter uns anglotzenden, chinesischen Augen den auch tatsächlich fanden. Eingekerkert von Wohnblöcken an einem Ort in Peking, den wir wohl bei uns als Banlieu bezeichnen würden.
Und da trafen wir ihn. Den Baron.

Sein grimmiges Gesicht täuscht über seine Herzlichkeit hinweg und wir waren, obwohl eher um uns zu Beschäftigen und nicht aus Kauflust dort, versucht dieses heimatlose Findelkind sogleich als Andenken aus China mit nach Hause zu nehmen.
Lange überlegten wir. Noch am Abend, im sehr der Rede wertem “Maison Boulud” gleich neben dem Platz des himmlischen Friedens, wägten wir ab, waren hin und her gerissen. Die Entscheidung lag uns schwer und wäre sie im Suff gefallen, dann hätte ich jetzt wohl einen Lord Baron von Kempinski als Mitbewohner. Doch die Vernunft hat, für einmal, gesiegt.

Wäre das Wetter am Sonntag genau so abartig hässlich wie am Samstag ausgefallen, vielleicht hätten wir die Vernunft in der Luftverschmutzung verloren, wer weiss. Aber der Sonntag sollte das pure Gegenteil werden. Der Himmel war selten so blau in Peking. Mit Pick-nick im Sack und gesetzter Sonnenbrille landeten wir im Chaoyang Park. Und was ich zuerst nur von meinem Sandwich dachte, musste ich dann auch dem Park eingestehen. Der hat es durchaus in sich!
Wir parkierten uns im Gras am Teich. Links stellte gerade ein Paar ihr Zelt auf. Dieses Camping Gerät wird in China nicht für Übernachtungen verwendet, sondern mehr als Markierung. Wo wir unser Badetüchli im Marzili ausbreiten, stellen die Chinesen ein Zelt auf. Und wo wir ein Buch lesen, spielen sie mit dem Ipad. Links und rechts fiel das wirklich auf! Es reihte sich ein Paar am anderen und bei allen war die Frau mit dem Ipad beschäftig, während dem der Mann sich voll frass.
Gerade als wir uns anfingen zu integrieren und ich den ersten Biss in mein Sandwich landete, tauchte vor uns ein Auto auf. Das allein noch nichts spektakuläres, das Gefährt allerdings mit Kommunisten Stern geschmückt, Kanone ausgestattet und schwimmend schon eher beachtlich.

Der Tümpel vor uns war voller Boote. Und zwar wahre Schmuckstücke von diesen. Da hatte es Schwimmgeräte die aussahen, als wären vom Disneyland-Karussell gerade die Tassen ins Wasser gefallen. Daneben tauchte plötzlich ein dahin treibender Tempel auf und ganz gerne gesehen waren die roten Corvettes.
Wo wir am Tag zuvor noch mit unser Vernunft brillierten, schmissen wir die am Sonntag über Bord und schnappten uns auch so eine rote Corvette. Da die Chinesen nicht dafür bekannt sind, sich gerne zu bewegen folgte darauf noch das Beste. Diese Boote waren allesamt Motorbetrieben.
Zugegeben, bei uns würde das vielleicht nicht einmal als Motor durchgehen. Das sind bestenfalls 1PS Motoren. Bis das Boot einmal geradeaus fuhr war die Mietzeit schon fast wieder vorbei. Aber alles andere wäre auch kriminell, denn der chinesischen Fahrstil ändert sich kaum vom Asphalt aufs Wasser.
Wir kurvten also im Wasserschneckentempo an den anderen tausend Booten vorbei und streiften hie und da mal noch einen toten Fisch, der im Wasser vor sich dahin siechte.

Von all dem Wasser mussten wir einmal Wasser lassen und das tut man in diesem Park in einem riesigen Käfer. Zum Glück hat der uns auch wieder an einem Stück ausgespuckt. Nur der Geruch blieb lange haften.

Amüsant ist es im Chaoyang Park. Aber es ist eher ein amüsanter Park, als eine Erholungsinsel. Ruhe findet man nicht. Von überall her dröhnt Musik und Lärm. Sei es vom DJ der gerade seine miserable Hauptprobe hält, oder von der Badeanstalt wo sich Körper an Körper so dicht drängt, dass wahrscheinlich schon alles Wasser aus dem Becken übergeschwappt ist.
Ein Erlebnis ist es alleweil. Und es ist schön unter Bäumen in einem so knalligen Grün wie dem Wasser vom See zu spazieren. Das hätte dem Baron sicherlich auch gefallen, seine grimmige Miene würde nur täuschen.

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