Der Traum von Propaganda

marco · June 05, 2012 · Botschaft, Travel · 0 comments

Dddddrrriiiinnnnnngggg!!!
Rüttelte mich ein Wecker aus dem Schlaf! Es klangt wie jener aus der Küche, der daran erinnert, dass die Eier parat sind.
Doch ich war nicht zu Hause, und schon gar nicht in einer Küche.
Ich war in einer alten Ilyushin Il-62.

Zum 112. Mal mache er nun diese Reise, erklärte mir ein Tour-Guide, aber diese alte Klapperkiste habe er nur wenige male gehabt. Normalerweise verwende die Fluggesellschaft Koryo modernere Flugzeuge auf der Strecke Beijing – Pyongyang.

Aus der Schweiz angekommen reichte es für mich gerade mal unter die Dusche zu hüpfen und etwas Gepäck-Balast abzuwerfen und schon war ich wieder unterwegs. Diesmal sollte es nach Nord-Korea gehen. Informatik-Hilfe auf dem Kooperationsbüro, einem sogenannte KoBü, ist gefragt.
Und es begann abenteuerlich in dieser Ilyushin.
Am Eingang schnappte ich mir eine der Propaganda Zeitungen, “the Pyongyang times”, und schlenderte ins Flugzeug. Dieses war tapeziert wie die Küche meiner Grossmutter. Es roch streng, mich erinnerte der Geruch an einen Zoo. Zudem lief ein russischer Polka, der in mir das Gefühl erweckte, einen Zirkus betreten zu haben.
Dieser Zirkus hatte in der Mitte dann tatsächlich eine Küche. Mit Herdplatte, Pfannen, hübschen Schränken und Teekannen. Als ich davon ein Foto nehmen wollte hiess es sofort:
“Solly sil, photo no use!”
Mit dem schrillenden Aufheulen der vier Triebwerke am Heck des Fliegers fingen also auch die Restriktionen an.
Der Flug verlief ereignislos. Erst als uns verkündet wurde, dass die Landung in 30 Minuten bevorstünde und der Pilot gleich darauf schon mal das Fahrwerk ausfuhr, kam wieder etwas Leben in die Bude. Wahrscheinlich waren die Bremsklappen zu wenig effektiv, da zeigt ein ausgefahrenes Fahrwerk einfach mehr Wirkung.
Die Landung dann butterweich. Man spürte kaum, dass man wieder festen Boden unter den Rädern hatte. Doch glaubte ich zuerst der Pilot habe sich in den Koordinaten vertan, den Weit und Breit war kein Gebäude, geschweige denn andere Flieger in Sicht.
Eine Landebahn im Niemandsland.
Erst nachdem das Flugzeug weitere 20 Minuten über die Felder gefahren war, kamen weitere Flugzeuge aus der kommunistischen Kette, wie Antonovs und Tupolevs, zum Vorschein.

Der erste Schritt auf Nord-Korea war gemacht. Belämmert von der Zeitverschiebung kommt mir noch alles sehr skurril vor. Wie ein Traum. Man fühlt sich irgendwie zurück versetzt in der Zeit.
Viel Gesindel in Militäruniform tummelt sich hier herum. Aber diese haben sich kaum für mich interessiert am Zoll. Glatt durch gewinkt haben sie mich.

Im Auto gab es eine erste Stadtrundfahrt. Diese führte mich auf das Pendant vom chinesischen “Platz des himmlischen Friedens”, nämlich zum “Kims Platz”.

Auffallend hier die vielen Markierungen auf dem Boden. Diese dienen dazu, dass die Leute der Paraden auch genau wissen wohin sie zu stehen haben. Das also der Trick dieser weltberühmte Präzision der Menschenmassen.
Viele solcher kleiner Anekdoten hat es schon auf mich eingeregnet. Diese müssen sich aber jetzt zuerst mal über dem Jetlag setzen, dann wird hier mehr berichtet.

Bis dahin schaue ich im Fernsehen noch ein Disney Cartoon an. Dieser ist allerdings etwas komisch. Es ist ein wilder Zusammenschnitt aus unzähligen verschiedenen Zeichentrickfilmen. Über Dumbo bis Robin Hood werden die Filme so synchronisiert, dass sie direkt mit der Geschichte Nord-Koreas in Zusammenhang gebracht werden können. Also vor allem Szenen von Sieg und Ruhm.
Die reine Disney Propaganda.
Vielleicht klingelt ja bald dieser Eier-Wecker wieder und ich werde aus diesem Propaganda Traum gerissen.

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