Der Gestank der Hölle

marco · January 16, 2013 · Beijing, Chineese Culture · 0 comments

Auf dem Dach von meinem Gebäude steht neu eine chinesische Skulptur. Diese hält ein Schild hoch, das sagt: “ich sehe nichts!”
Dieser Spruch traff nie so gut zu, wie letzten Samstag, denn man sah die Skulptur vom Boden aus kaum mehr. Da vermutete ich schon, dass es ganz übel sein müsse mit der Luftverschmutzung. Als ich jedoch die Werte überprüfte, blieb mir fast die Luft weg:

Dabei war ich immer der Annahem, dass die Messung bei 500 aufhört!
Und wieso zwei Werte? Berechtigte Frage. Der erste Wert, ist derjenige von der US-Botschaft, und der zweite jener der Chinesen. Man sieht, sie sind sich kaum einig.

Um euch klar zu machen, wie dramatisch diese Zahl ist, hier ein Vergleich:
Wenn in Deutschland eine Stadt über 2 mal im Jahr den Feinstaubwert 50 überschreitet, dann bekommt sie von der Regierung vorgeschrieben, Massnahmen zu treffen.
Anderes Beispiel, wenn in der Schweiz der Wert über 50 steigt, ist das bereits alarmierend und konsequenterweise dürfen dann die Autos auf der Autobahn nur noch mit 80 Kmh fahren.

Samstag Nachmittag hatten wir also bereits das 10 fache davon überschritten, mit dem Unterschied, dass die Autos auf pekinger Strassen getrost weiter kutschierten.
Das wiederum führte dazu, dass die Werte weiter anstiegen. In den Abendstunden erreichten wir den noch nie gesehene Wert von 699! Eine teuflische Zahl. Der Drecknebel war so dick, dass Autobahnen geschlossen und Flüge gestrichen wurden.
Wo gegen Abend das Gebäude vis à vis von mir, notabene vielleicht etwa 50 Meter entfernt, anfing in der Dreckwolke zu verschwinden, wagte ich nochmals den Blick auf den Feinstaubwertemesser.

Absoluter Rekord!
Man achte dabei auf die etwas kleinere Zahl weiter unten, die den PM 2.5 Wert anzeigt. Über 800! Das sind die ultra-kleinen Staubpartikel, die sich durch die Haut direkt in die Blutbahnen fressen. Pures Gift. Die WHO stufft einen Wert von 25 gerade mal noch als sicher ein. Aber auch diese Messung war am explodieren.
Und man roch es. Ein Gemisch aus Asbest, Kohle, Abgas und Siff. Abartig. Der Smog drang gar bis in die Korridore vor. Sollte ich eines Tages in der Hölle schmoren, ich glaube der Geruch dort wäre mir vertraut.
Übers Wochenende hütete ich mein Sofa, wie das dazugehörige Kissen. Erstickend, das Gefühl.

Etwas Gutes hat es ja, dieses rekordträchtige Wochenende, das Thema wurde in allerwelts Presse durchgeschleipft. Jetzt passiert hoffentlich mal was. Denn so schön Peking auch sein kann und sich tatsächlich langsam in die Ränge einer Weltstadt bewegt, wirft sie diese Luftverschmutzung immer wieder zurück.
Und wenn man als Besucher zukünftig so herum laufen müsste, ist das definitiv nicht im Sinne der Bewohner und Touristen.

Die Swiss hat auf der Botschaft angerufen, um zu fragen, ob es noch verantwortungsvoll sein, ihre Crew 2 Tage diesem Smog auszusetzen. Darum, jetzt mal keine Panik. Heute hat es ein wenig geschneit und die Werte haben sich auf akzeptable 150 zurück fallen (man wird bescheiden).
der Typ auf dem Dach sieht mittlerweile auch wieder etwas, obwohl er auf seinem Schild immernoch das Gegenteil behauptet.

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