Das glücklichste Land auf Erden

marco · June 08, 2012 · Botschaft, Travel · 1 comments

Nord Korea hat sich endlich mal an das heikle Thema heran gewagt und hat eine Rangliste erstellt von den glücklichsten Ländern auf Erden. Dabei haben sie gemäss einer Umfrage herausgefunden:
in China lebt es sich am glücklichsten.
Darauf kommt auf Rang zwei dann auch sogleich Nord Korea selbst, gefolgt von Kuba, Iran und Venezuela.
Rang 152 besetzt Süd Korea.
Und auf dem letzten Platz, mit dem unglücklichsten Volk überhaupt, stehen die vereinigten Staaten von Amerika.

Gerne hätte ich mit einem Nord Koreaner über diese Rangliste diskutiert. Doch es war mir verboten. Genau gleich war es mir untersagt die Einwohner Pjöngjangs zu fotografieren.
Ausser den Verkehrsdamen, das ist ein Nationalstolz der bis über die Grenze getragen werden darf.

Ansonsten ist das schiessen von Fotos nicht erlaubt, wird aber je nach Sujet geduldet. So habe ich ganz gute Fotos gemacht vom grössten Stadion der Welt, welches unglaubliche 150’000 Sitzplätze beherbergt. Auch ein anschauliches Bild habe ich vom Nord Koreanischen “Arc de Triumph” gemacht, der wahrhaftig 4 Meter höher ist als das Original. Als ich jedoch ein Foto machen wollte von mir zusammen mit zwei massiven Statuen der verstorbenen Führer Kim und Kim und ich dazu noch die gleich stramme Haltung wie die beiden annahm, wurde mir das Foto von meinem Kollegen schlagartig untersagt. Es darf nichts fotografiert werden, dass in irgendeiner Weise ins lächerliche gezogen werden könnte.
Dank dieser Regel war es mir somit auch nicht möglich, die von Rost zerfressenen alten Trams und Busse festzuhalten. Auch durfte ich quasi das Sinnbild von Nord-Korea, eine Baustelle, wo unzählige Bauarbeiter ein Monument von Hand Stück für Stück bis aufs letzte Sandkorn niederrangen, nicht knipsen.

Arbeitsbeschaffung. Ein Wort das mir immer und immer wieder in den Kopf schoss beim Anblick der Stadt. Wo wir Maschinen verwenden um Löcher zu graben, oder Müll weg zu transportieren, verwenden die Nord-Koreaner blosse Manneskraft. Scheinbar im Winter, wenn die Strassen zugeschneit sind und der Weg zum Flughafen versperrt ist, kommen unzählige Leute zusammen und räumen den Schnee mit Schaufel, und wer keine hat mit Löffel, frei.

Die Idee vom Kommunismus scheint allerdings nicht vollends aufzugehen. Dem Volk wird medizinische Versorgung versichert. Sollte dies jedoch, zum Beispiel Unfall bedingt, beansprucht werden, bekommt man im Spital höchstens ein Aspirin. Für den ganzen Rest, den der Patient zum überleben benötigen würde, wird im ein Einkaufszettel in die Hände gedrückt und er damit zur nächsten Apotheke geschickt. Wenn es überhaupt soweit kommt, denn offene Brüche zum Beispiel werden einfach amputiert und die Wunde mit Klo-Papier, anstelle von Verband, versorgt.

Doch sind sie weiterhin guten Mutes die Nord-Koreaner. Vielerorts wird ihr Stolz in Form von mächtigen, kommunistischen Denkmälern dargestellt. So wie hier, mit dem höchsten Steinturm der Welt. Dieser Strich unten Links wäre dann übrigens ich.

Und Einheit ist alles. Wie die Airline, mit der ich eingeflogen bin, tragen noch etliche Hotels und Restaurant den Namen “Koryo”. Dies der alte Ausdruck für das ungeteilte Land Korea. Scheinbar erzählen einem Nord-Koreaner immer noch, wenn er denn mal darf, dass sein Land 80 Millionen Einwohner hat. Irgendeinmal würden sie ihren kleinen Bruder Süd-Korea von den Imperialisten befreien und das Land wieder zu einer Einheit machen.

Dabei können sie sich kaum selbst retten. Was sie besitzen, wurde ihnen geschenkt. Das zählt von Flugzeugen bis zum Tram (für Letzteres haben sie übrigens auch ein uraltes Basler Trämli von uns gekriegt). Kleider werden den Einwohnern zur Verfügung gestellt. Essen und Wasser ist Mangelware, genau gleich wie Strom.
Das haben wir an meinem letzten Abend auch gesehen. Im grössten Hotel der Stadt, und einem der wenigen wo Touristen hin dürfen, gingen wir ins Drehrestaurant im obersten Stock. Viel sieht man da nicht, denn die Stadt ist dunkel. Wohnblöcke werden stundenweise mit Strom versorgt. Zuerst dieser von 10 bis 12 und dann der nächste von 12 bis 2 Uhr morgens. Strassen sind nicht beleuchtet, ausser sie führen zu irgendeinem Monument des Führers. Ja, die Monumente, sie sind im Gegenzug allesamt sehr grosszügig und die ganze Nacht hindurch am blinken und leuchten. So auch das Wohnquartier, welches der Führer dem Volk, seinem Versprechen nach kommend, kurz vor seinem Tod noch errichtete.

Das diese Gebäude innen nicht fertig gestellt sind, weiss das Volk nicht. Die wissen sowieso nur, was sie wissen sollen. Internet kennen sie nicht. Alles ganz nach dem Motto “was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss”. Und so spazieren sie durch die Gegend als stolzes zweit glücklichste Volk der Welt. Die Frage ist nur, wie lange es dieses Volk noch geben wird.

1 Comments:
  1. Danke Marco, ein sensationeller Blogeintrag!!

    sara · June 08, 2012

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