DA Place

marco · August 14, 2009 · Allgemein · 2 comments

Langsam fange ich an mir Sorgen zu machen.
Wo ich mich sonst immer auf meinen Orientierungssinn verlassen konnte, scheint er hier irgendwo auf der Strecke geblieben zu sein.
Heute wieder, ich wollte der Mall “The Place” (was für ein arroganter Name für ein Shoppingcenter “THE Place”, oder wie man hier im Slang so schön sagt: “DA Place”) einen Besuch abstatten. Nicht weil ich etwa die Lust zum shoppen stoppen wollte, nein, schlicht weil es dort eine spektakuläre Leinwand gab!
Hm, okey! Wie spektakulär kann das schon sein?
Jedenfalls, stieg ich meiner Meinung nach bei der richtigen Metrostation aus. Der Trick bei den Stationen ist, dass es immer 4 Ausgänge gibt: A, B, C und D. Bei der Station hängt jeweils ein schöner Plan davon, welcher Ausgang wohin führt. Vielleicht muss man hier noch erwähnen, dass diese Pläne meist ausschliesslich auf chinesisch sind und man somit die Geografie irgendwie selbständig übersetzen sollte.
Auf jeden Fall muss ich beim falschen Buchstaben ausgestiegen sein, denn ich lief sicher eine halbe Stunde, ständig die Karte konsultierend, nie einen Anhaltspunkt findend und plötzlich stand ich wieder vor einer Metrostation, die gar nicht mehr auf der Karte war, sondern um 180 Grad in die andere, der gewünschten Richtung lag.
Bedenklich!
Immerhin schaffte ich es dann doch zum Place, und war sogar zu früh. Es war noch hell und die Leinwand war es nicht. Allerdings schon ausgeschaltet, war sie beeindruckend. Über eine ganze Promenade hin, wie ein überaus langes Dach, streckt sich diese Ledwand sicherlich über 100 Meter.
Size does Matter!
Nach einem Teller “flied liz” und nach der Dämmerung ging ich also nochmals zurück und begutachtete das gute Led-Dings.
Überaus spektakulär und somit wirklich “Da Place”.
Müde gelaufen, entschied ich mich ausnahmsweise eine Taxi zu mir zu pfeifen. Dies erwies sich auch als leichter gesagt, als gepfiffen. Immer schön vor der Nase wurde mir die Kutsche weggeschnappt, oder dann entschied sich kurzerhand der Taxifahrer dafür, doch nicht den Kapitän Rotbart in sein Schiff zu lassen.
So blieben nur noch die überaus aufsässigen Velotaxis.
Verhandeln war angesagt.
Der erste wollte 50 yuan, der wurde von mir ausgelacht, den das Taxi kostet ca. 10 (10 yuan ist in etwa 1 Euro). Ich lief ihm davon und er kam schlagartig herunter auf 30. Zugegeben, für mit dem Velo, das zwar mit einem kleinen Elektromotor ausgerüstet ist, wäre es sicherlich ein beachtliches Stück zum trampeln bis zum Hotel, aber trotzdem, aus Prinzip immernoch nein. Er kam nochmals herunter auf 20 Yuan, ich schlug dann 12 vor und der Deal war gemacht.
Die fahrt war schön, abgesehen vom Verkehr der absolut vorsichtslos mit den Schwächeren umgeht, schon fast gemütlich. Auf halber Strecke merkte dann auch mein Chauffeur, dass es eine ziemliche Runde ist und wollte plötzlich den Preis anheben. Ich aber blieb hart. Geschäft ist Geschäft.
Heil am Ziel angekommen, dachte ich, okey, er war wirklich nett, hat noch ein Foto von mir gemacht und wirklich geschwitzt, ich geben ihm 20 Yuan. Er aber bestand auf 30! Strikte wollte er meine 20er Note nicht annehmen, stürmte irgendetwas auf chinesisch, hatte schon das Wechselgeld für meinen Hunderter parat, quaselte weiter auf mich ein, riesen Szene, alle Passanten schauten schon! Blabla! Ich gab nach, was sind schon 3 Euro, hier nimm sie.
Und dann geschah etwas, dass habe ich noch nie erlebt bei einem Asiaten. Ich bin mir bewusst, meine Mimik ist ganz einfach zu lesen und immer sehr prägnant, aber dass es sogar Auswirkungen auf einen Chinesen haben kann, das hätte ich nicht erwartet. So sah er wahrscheinlich den Frust mir ins Gesicht geschrieben und gab mir das Geld zurück!!!
Ich glaubte es zuerst gar nicht, hatte das Gefühl der will mich irgendwie übers Ohr hauen, doch er sagte nur “Oke, Oke” nahm die abgemachten 20 Yuan und ging davon.
So auch ich, wenn auch misstrauisch. Sicherheitshalber schaute ich die zurück erhaltene Hunderternote nochmals genauer an, überprüfte ob mein Föteler noch da war, die Kreditkarte und ob ich die Hosen noch an hatte.
Bis jetzt habe ich keinen Verlust bemerkt.
Unglaublich! Und da sagt man die Chinesen seien erbarmungslose Geschäftemacher.

2 Comments:
  1. Apropos "einfach zu lesende Mimik" – letzte Woche war zu diesem Thema ein Interessanter Beitrag in der Zeitung. Schau mal hier:

    http://www.derbund.ch/zeitungen/wissen/Asiaten-schauen–nur-auf-Augen/story/30173439

    Corinne · August 15, 2009
  2. …: Never judge a book by its cover!!!

    BeTTSCHMAN · August 18, 2009

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