CN=Ch hoch 60

marco · September 05, 2010 · Allgemein · 0 comments

Es ist so:
Die Schweiz und China feiern dieses Jahr das 60 jährige bestehen ihrer diplomatischen Beziehungen. Da die Schweiz mit paar wenigen anderen Ländern, eines der ersten war, wird dies natürlich auch demnach zelebriert.
Sicherlich habt ihr mitbekommen, dass die Leuthard hier im Land war. Ist mittlereweile auch schon wieder paar Wochen her. Ich hinke da wie ein alter Pirat mit Holzbein und wenig Wind in den Segeln hinterher.
Dieser Unaktualität bin ich mir vollends bewusst, brauche sie ja auch nur als Einleitung.
Was ihr vielleicht nicht mitbekommen habt ist, das Sicherheistaufgebot für unsere Bundespräsidentin. Nicht etwa von seiten der Schweiz, nein, die Chinesen waren für das Wohlbefinden von Frau Leuthard verantworlich und nahmen sich dies sehr zu herzen.
Sie bekam, wie so üblich bei einem Staatsbesuch von höchstem Grade, die Sicherheiststufe 1.
Sprich, Leibwächter auf Schritt und Tritt, sowie eine Eskorte, wenn sie sich mit dem Auto von A nach B bewegte und Strassensperren, als würde Hu Jintao höchstpersönlich im gepanzerten BMW vorbeibrausen.
Dieses Grossevent wurde sicherlich über ein Jahr auf der Botschaft vorbereitet.
Ein riesen Aufwand!
Glücklicherweise sind jetzt, wo alles vorbei ist, alle zufrieden.
Als Erfolg wurde der Besuch abgehackt.

Diesem 60 jährigen Geburtstag folgten nicht nur hohe Staatsbesuche und nette, wohl gewählte Worte, sondern auch viele kleine Anlässe.
So auch eine Ausstellung.

Mit Stolz kann ich sagen, dass ich es endlich geschafft habe!
Über Jahre hinweg war diese eine Ausstellung quasi mein Nachbar in Bern, nur ein paar Laufschritte von der Haustüre entfernt, aber einen Fuss hineingesetzt habe ich nie.
Wenn mir da jemand über den Weg gelaufen wäre und mir gesagt hätte, keine Angst, du wirst dann in Peking über 45 Minuten mit der U-Bahn zu dieser Ausstellung hinaus fahren und sie mit etlichen Chinesen zusammen bestaunen gehen, ich hätte ihn oder sie lauthals ausgelacht, als Spinner abgetan und nach Hause zurück in die Zwangsjacke geschickt.

Gestern habe ich es also geschafft. Ich besuchte die Einstein Ausstellung, welche hier in Peking zum Jubiläum gastiert.Gute Ausstellung. Nicht zu viele Infos, für simple Menschen wie mich einfach fassbar und verständlich erklärt.


Komisch die Momente, wo ich vor einem laufenden Film stehe und der meine Heimatstadt Bern zu alten Zeiten zeigt. In Peking.
Noch komischer eine virtuelle Fahrt per Fahrrad durch die Altstadt von Bern.
So gesehen war ich gestern kurz zu Hause. Habe dem Bundeshaus gewunken, beim Zytglogge auf die Uhr geschaut und im Tramdepot ein Bier geprostet. Irgendwie.

Die Attraktionen, wo die Idee gewesen wäre diese auszuprobieren, waren jedoch grösstenteils defekt.

Auf der Botschaft wurde mir erzählt, dass diese Geräte die ganze Ausstellungszeit in der Schweiz makellos überstanden hätten und nach zwei Wochen in Peking kaputt waren.
Aber so funktionieren sie nun mal die Chinesen. Gibt es etwas auszuprobieren, dann wird dies betastet, begrabscht, gequält und auseinandergenommen, bis es als Totalschaden deklariert werden muss, oder eine Vollrevision benötigt.

Die Schweiz in China. Einstein von Bern nach Peking.
In solchen Momenten frage ich mich dann, was wohl als nächstes kommt.
Vielleicht schreibe ich schon nächste Woche:
Hätte mir jemand vor 2 Jahren gesagt, dass ich innerhalb von einem Tag, zu Kosten von umgerechnet 80 Rappen, einen chinesischen Fahrausweis erwerben werde, hätte ich ihn oder sie nur verduzt angeschaut, und wäre wahrscheinlich ohne einen Kommentar auf diese Absurdität über die Lippen zu bringen, einfach ohne diese Person zu beachten weitergelaufen.
Auch das übrigens schon geschehen.
Aber ist ja nur relativ das ganze.

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