Nun denn, nach all dem Stuss, jetzt zurück zum eigentlichen Thema: Filmemachen. Da ist nämlich viel gegangen in den letzten Monaten. Während Paris in einem terroristischen Feuerwerk aufging, hatte ich die Ehre bei Gaumont Animation als Schreiberlehrling über die Schulter der professionellen Drehbuchautoren zu gucken. Die Shows orientieren sich an Jungs im wilden Alter. “Atomic Puppet”, ein Junge der mit seiner Marionette am Arm zum Superhelden mutiert, und “Furry Wheels”, ein Faultier, dass vor allem eins kann, in seiner Heimatstadt “Wheelopolis” aufs Gaspedal drücken. Der Produzent beider Shows: niemand geringeres als Disney. Ich finde mich in einem dieser berüchtigten “Writers rooms” wieder und habe zu Beginn vor allem die Aufgabe alles was gehirnstürmt wird, irgendwie festzuhalten. Das kann ganz schön stressig sein, vor allem wenn die Truppe in fahrt kommt und ein Gag nach dem anderen heraussprudelt. Nachdem ich die erste Scheue überwunden habe, kriege auch ich die Gelegenheit, meine Ideen einfliessen zu lassen. Was für ein Höhengefühl, wenn dann die eigenen Inspirationen auch tatsächlich im Final Script enden. Noch höher die Emotionen, wenn die ersten Ideen im Storyboard zum Leben erwachen. Am liebsten möchte man herausschreien: “Das war meine Idee!” Interessant ist es, hinter die Kulissen zu sehen und […]
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Kunst mit Tennis

by marco· December 02, 2014· in Paris, Travel· 0 comments tags: Federer, London, Masters, Tennis
Nun sind wir also eine der wenigen Nationen, die die Davis Cup Schüssel im Regal haben. Angefangen hat diese Geschichte aber nicht sonderlich gut. Vor ziemlich genau einem Monat waren wir nämlich am Tennis Turnier in Paris Bercy. Natürlich sind wir nicht einfach so zum Plausch dahin, sondern eigentlich um Federer auf seinem Weg zur erneuten Poleposition anzufeuer. Diese Pfeife hat es aber nicht einmal in die Halbfinals geschafft. Beleidigt durch diese Viertelfinal Niederlage, waren wir eigentlich darauf und daran, unsere Tickets gleich wieder zu verkaufen. Irgendeinmal kriegten wir uns aber wieder ein und sind dann schlussendlich trotzdem zum Stadion gepilgert. Was wir zu sehen gekriegt haben, war eine Aufschlagschlacht der langweiligeren Sorte zwischen Raonic und Berdych. Ass / Aufschlag – Winner / Aufschlag – Fehler. Dies in etwa alle möglichen Punktevarianten in diesem Spiel. Darauf folgte das zweite Spiel dieser „B Klasse – Spieler“, wie es Sarah so schön beschrieben hat. Nämlich das von Nishikori gegen Notabene die Nummer 1 der Welt, Djokovic. Tja, in der A Klasse bewegt sich aus Schweizer Sicht halt einfach nur einer. Es ist immer Eindrücklich live Tennis zu schauen. Wie der Djoker quasi jeden Ball im Spagat zurück schlägt ist unterhaltsam. Leider aber […]
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Seit gut einem Jahr bewege ich mich nun schon in Paris. Und gestern hatte ich das schrägste Erlebnis soweit. Die Franzosen sind Karnivoren. Das ist kein Geheimnis und auch nicht weiter schräg, aber es wurde mir auf sehr komisch Art und Weise vorgeführt. Wir laufen per Zufall an ein Ereignis hin, das sich „Les rencontres made in viande” nennt. Oder anders ausgedrückt, ein Fleisch-Festival. Es wird gratis Fleisch aufgetischt. Nur Fleisch, nichts sonst. Und wo ich noch geglaubt habe, dass die Chinesen Könige des Gratis-Konsums sind, werde ich hier eines besseren belehrt. Das Fleisch wird auf einem Plateau serviert und einfach auf einen der langen Tische gestellt. Und dann kommen sie, die Leute. Meine Sport-Kollegen geben sich zuerst noch zurückhaltend und lassen den anderen wie es sich gehört freundlich den Vortritt. Bis sie plötzlich realisieren, dass wenn sie nicht gleich zugreifen, das ganze Fleisch schnurstracks weg gefressen ist. Sie ergattern von den etwa 2 Kilo Fleisch, noch gerade ein paar wenige Gramm. Der Rest ist von einer Meute Fleischfressenden Barbaren verschlungen worden. Dieses Schauspiel wiederholt sich etwa 3 mal. Und wieder und wieder kommen die Leute wie Zombies an geeilt auf der Jagd nach Frischfleisch. Der Vergleich mit Tauben, die […]
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Ich war eigentlich kurz davor, den an Paris hängenden Ruf, sehr unfreundliche Bewohner zu haben, zu dementieren. Diese Meinung hat sich nach den letzten Wochen drastisch geändert, leider. Wir waren an einem Konzert. Es war das Konzert der beiden Popgrössen schlechthin im Moment: Beyoncé und ihres Gatten Jay-Z. Schon auf dem Hinweg wird schnell einmal klar, wir hätten in Trainingshosen kommen sollen. Zugegeben, das war zu erwarten. Vor unserem Eingang schlängelt sich eine Schlange um das halbe Stadion. Wir haben Sitzplätze, sind jetzt aber irgendwie trotzdem am stehen. Top Organisation! Wir kommen zum Security-Check. Vor mir ein Fass von einer Sicherheitsdame. Sie schaut mich an und fragt mich, ob ich eine Frau bin. Meine französisch Kenntnisse sind nicht schlecht, doch wenn bei Lärm ultra schnell auf mich irgendwas eingelabbert wird, kann ich noch meine Mühen haben. Ich check ich im ersten Moment also nicht, was das Fass will. Da fragt sie nochmals, diesmal einfach ein bisschen lauter. Ich check immer noch nicht, und versuche irgendwie ihren Witz zu verstehen. Da fängt sie an mich so richtig zusammen zu scheissen, bis der Security-Guard nebenan Mitleid mit mir kriegt und mir in normalen und verständlichen Worten erklärt, dass ich in der Frauenschlange […]
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Was haben Van De Walle, Disney, Hollande, Pharrell und Götze gemeinsam? Wäre da nicht der erste Name drin, wäre die Sache etwas einfacher, nicht? Nun, ich helfe euch auf die Sprünge: sie sind alle im Juli passiert. Mein letztes Projekt der Produktionsphase passiert als erstes. Dabei habe ich das Privileg, völlig auf eigene Faust zu agieren. Ich bin nämlich der „Making-of guy“. Also eigentlich der, der allen auf dem Set im Weg ist. Sollte allerdings die Dokumentation der Dreharbeiten gut ausfallen, wäre diese auch durchaus in der Lage, mehr Lorbeeren zu kriegen, als der eigentliche Film. In meinem Fall wage ich das jedoch zu bezweifeln, denn der Film, den ich notabene noch mitgeschrieben habe, könnte ganz gut werden. Es ist das erste Mal, wo ich an einem Set bin und das Gefühl habe, so könnte es in „echt“ aussehen. Das Team ist fokussiert und schnell, die Schauspieler perfekt besetzt und äusserst professionell. Auch wenn man das zuerst nicht so recht vermuten könnte. Ein seriöses Interview krieg ich jedenfalls mit keinem der Stars richtig hin. Die Schauspieltruppe versteht sich gut untereinander und hat ein richtiges Gaudi. Der Unterschied dann hier zu den anderen Sets, sobald es für diese Schauspieler heisst: „ready […]
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Plötzlich rattert und pfeift die Kamera und dann wird es gespenstisch still auf dem Set. Es ist klar, da ist was schief gelaufen. Der Blick des Kameramannes ist besorgniserregend. Der Regisseur verliert seine Farbe, und fängt an zu schwitzen. Es ist ein spezielles Set, denn der Film den wir drehen, drehen wir nicht digital, sondern auf dem immer seltener gesehenen Medium Film. 35mm soll es sein. Alte Schule. Die Kamera so alt wie ich. Ein Prachtstück, dass als unzerstörbar gilt. Die Stimmung auf dem Set: konzentriert und fokussiert. Für jede Szene haben wir nur etwa einen Versuch, den der Vorrat an Film ist abgezählt. Die Schauspieler dürfen sich nicht verplappern, eine unscharfes Bild auf Grund eines misslungenen Fokus wäre verheerend, ein Fehler in der Kontinuität unverzeihbar. Und das ist mein Job hier. Ich bin der sogenannte „Script Consultant“. Meine Verantwortung liegt darin, sicher zu stellen, dass der Film zusammen geschnitten werden kann, dass die vorangegangene Szene auf die nächste passt, dass beim Schauspieler von der ersten bis zur letzten Szene gleich viele Hemdknöpfe zu sind. Eine etwas unterschätze Position, gerade speziell wenn wir auf Film drehen. Für jede Szene muss ich haargenau die Zeit nehmen, denn das Museumsstück von einer […]
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Da arbeitet man Monate auf ein paar Tage hin, plötzlich sind sie da und noch viel schneller auch gleich wieder vorbei. Es ist passiert, ich habe meinen ersten Film abgedreht. Die paar Wochen vor dem „Shoot“, wie wir den Dreh so schön nennen, wurden auch regelrecht auf uns eingeballert. Irgendein Klugscheisser hat mal gesagt: plane für das Schlimmste, hoffe auf das Beste. Bei uns war irgendeinmal nur noch hoffen angesagt. Angefangen hat es mit den Castings. Es ist unsere letzte Auswahl-Session, die sogenannten „Call-backs“. Von den rund 20 weiblichen Darstellerinnen haben wir deren 4 Besten nochmals eingeladen. Die Wahl fällt leicht und die Rolle ist schnell besetzt. Die männlichen Darsteller hingegen sind schwieriger auszuwählen und wir haben nur gerade 2 vorselektioniert. Einer davon glücklicherweise mein klarer Favorit. Und genau der taucht nicht auf. Ein Schauspieler mit Starallüren: irgendeinmal schreibt er mir, er habe keine Zeit für die „Call-backs“. Ich könne ja einfach das Videomaterial von der ersten Session anschauen und ihm bitte bis zum selbigen Abend Bescheid geben. Er habe schliesslich auch noch andere Projekte. Beinahe eine Schande zu gestehen, dass dieser arrogante Herr noch den roten Pass auf sich trägt. Nun denn, Fakt ist, ich habe nur noch einen […]
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In 2 Wochen ist es soweit und die Dreharbeiten zu meinem Filmprojekt beginnen. 3 Drehtage werden es sein. Und diese 3 Tage sollen gut geplant werden. Wir sind also voll in der Produktionsphase angelangt. Für mein Projekt adaptiere ich eine chinesische Legende. Diese spielt in einem Künstler-Atelier und bringt irgendwo im Höhepunkt noch ein Drache mit sich. Diese Geschichte sorgt dafür, dass das Team rund um den Film momentan gut beschäftigt ist. Von Anfang an war uns bewusst, zur Realisierung des 5 minütigen Kurzfilms, werden wir ein paar grosse Hürden nehmen müssen. Die 3 Grössten hierfür sind: ein passender Schauplatz finden, ein weiser alter Chinese für die Hauptrolle besetzen und ein riesiges Gemälde mit Drachen herstellen lassen. Paris ist ja nicht gerade dafür bekannt, dass es freie Räumlichkeiten aus dem Boden spriesst, wie Pilze im Wald. Nein, es ist ein kahler, unfruchtbarer Boden. Und ausgerechnet hier suchen wir ein grosses Atelier. Klar, wir wollen es nur für 4 Tage buchen, 3 Tage drehen und 1 Tag vorbereiten, das sollte die Sache doch vereinfachen. Falsch gedacht, für einige Lokalitäten wollen uns Vermieter 1000 Euro pro Tag (!!!) aus der Tasche ziehen. Das würde das geplante Budget für den Kurzstreifen schlicht sprengen. […]
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Die Franzosen lieben ihre Bistrots. Ja, sie lieben sie heiss, auch wenn es saukalt ist. Tatsächlich kann ich nun bezeugen, dass sie auch im Winter gemütlich Draussen vor ihren Bistrots sitzen und ihr Wein schlürfen. Diese Beizli-Kultur eine friedliche und eine, die sie voraussichtlich auch noch lange pflegen werden. Eigentlich schade, ist der Winter so mild, gerne möchte ich die Temperatur-Untergrenze heraus finden, wo es sogar dem Pariser zu viel wird, an der Kälte an seiner Zigi zu ziehen. Eines ist aber klar, diese Kultur breitet sich aus. Da Sarah in Genf arbeitet und ich in Paris studiere, haben wir uns ein Frequenz-Abonnement ins Porte-monnaie verschafft, dass uns erlaubt zu günstigen Preisen, sowie ganz flexibel, diese Strecke mit dem TGV zurück zu legen. Wir sind gar so flexibel, dass wir vom eigentlich gebuchten Zug, auch jenen der vorher und nachher geht besteigen können. Dann allerdings geht die Sitzplatzreservation flöten. Und wenn es halt keinen Sitz mehr frei hat, endet man dort, wo man ganz viele Franzosen antrifft: in der Zugs-Bar. Also sogar im TGV wird diese Beizli-Kultur weitergezogen. Da machen wir natürlich samt dem Monsieur Croque gerne mit. Gecroqued und gerocked hat auch die Band „Phoenix“ in Paris. Die Lokalität […]
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X de France

by marco· January 26, 2014· in Paris· 0 comments tags: Arrondissement, EDF, GDF
Mit gezügelten Pferden bin ich an einem grauen Tag in Paris umgezogen. Dabei bin ich mal wieder auf die hervorragende Bürokratie der Franzosen gestossen. Denn das lieben sie heiss. Ich glaube keine andere Nation nimmt ihre Chancen so streng war, ein Formular oder Brief zu schreiben, wie “La Grande Nation”. Und das sage ich als Schweizer, der einmal beim Bund gearbeitet hat. Auf dem Weg durch all das viele Papier, sticht ein Muster ganz klar hervor: “…De France” Anfangs ist mir das nicht so recht aufgefallen, aber jetzt, jetzt merke ich, dass etliche offizielle Betitelungen die Endung “de France” anhängen. Angefangen hat es mit EDF. “Electricité DE FRANCE”. Das eher ungemütliche Kumpanen am Telefon. Ich bin kein Meister in Französisch, wage aber doch zu behaupten, gut damit klar zu kommen. Bei diesem Anruf jedoch kam ich mächtig ins schwimmen. Es brach ein regelrechter Sturm an bürokratischen Fremdwörtern auf mich hernieder, und schlussendlich ging ich kläglich darin unter. Ob die Verbindung wirklich abgebrochen wurde, oder ob der Herr der “Electricité de France” einfach die Geduld mit mir verlor, bleibt am Grund verborgen. Zweiter Versuch. GDF. “Gaz DE FRANCE”. Der Typ am anderen Ende klingt genau gleich, wie der von EDF. Und […]
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