Seit gut einem Jahr bewege ich mich nun schon in Paris. Und gestern hatte ich das schrägste Erlebnis soweit. Die Franzosen sind Karnivoren. Das ist kein Geheimnis und auch nicht weiter schräg, aber es wurde mir auf sehr komisch Art und Weise vorgeführt. Wir laufen per Zufall an ein Ereignis hin, das sich „Les rencontres made in viande” nennt. Oder anders ausgedrückt, ein Fleisch-Festival. Es wird gratis Fleisch aufgetischt. Nur Fleisch, nichts sonst. Und wo ich noch geglaubt habe, dass die Chinesen Könige des Gratis-Konsums sind, werde ich hier eines besseren belehrt. Das Fleisch wird auf einem Plateau serviert und einfach auf einen der langen Tische gestellt. Und dann kommen sie, die Leute. Meine Sport-Kollegen geben sich zuerst noch zurückhaltend und lassen den anderen wie es sich gehört freundlich den Vortritt. Bis sie plötzlich realisieren, dass wenn sie nicht gleich zugreifen, das ganze Fleisch schnurstracks weg gefressen ist. Sie ergattern von den etwa 2 Kilo Fleisch, noch gerade ein paar wenige Gramm. Der Rest ist von einer Meute Fleischfressenden Barbaren verschlungen worden. Dieses Schauspiel wiederholt sich etwa 3 mal. Und wieder und wieder kommen die Leute wie Zombies an geeilt auf der Jagd nach Frischfleisch. Der Vergleich mit Tauben, die […]
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Wir sind spät. Natürlich sind wir spät. Anfangs sind wir stets gut drin im Zeitmanagement, und am Schluss verlauern wir es doch noch. Eigentlich nicht so schlimm, könnte man denken. Denn, der Film beginnt ja erst in einer halben Stunde. Nicht aber so in Paris. Da muss man gut vor dem Vorstellungsbeginn beim Kino stehen. Aber nicht etwa, weil man die 20 Minütige Werbung, oder die zahlreichen Trailer nicht verpassen möchte. Nein, weil man nicht auf den zwei letzten Plätzen unten links und unten rechts gleich vor der Leinwand enden möchte. Ja, in Paris gibt es keine Platznummerierung im Kino. Da ist es wie bei einem Rockkonzert. Es wird gedrückt, gedrängelt und geschoben. Und die ersten im Saal haben die besten Plätze. Und Leute hat es hier immer im Kino. Paris ist die absolute Kinometropole. Es scheint als sei jeder Bürger im Besitz einer dieser sensationellen “illimité” Karten, das quasi ein General Abonnement ist, um soviel und wann man auch möchte ins Kino zu gehen. Fantastisch! Resultat, die Säle stets bumsvoll, oder zumindest gut besetzt. Es sind aber harsche Kritiker, die Franzosen. Überzeugt ein Film nicht, dann verschwindet der schnell von der Bildfläche. Gewinnt man jedoch der Audienz ihre Herzen, […]
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Wir brechen langsam die Zelte ab. Die Schränke leeren, und die Müllsäcke füllen sich. Bald schon ist das Kempinski Apartment 422 Geschichte. Um den Kopf von dem ganzen Umzugs-Tumult zu lüften, verschlägt es meine zwei Turnschuhe in letzter Zeit öfters hinaus in die Natur zum joggen. Die letzten paar Wochen, ziehen vor meinem inneren Auge vorbei. Shanghai haben wir schon verabschiedet. Am letzten Wochenende zeigt es sich von allen möglichen Seiten. Regnerisch, gewitterig, heiss, schmackhaft. Uns bleiben wird vor allem: der pompöse Abschied. Ganz traditionell, gibt es beim Rückflug die obligate Flugverspätung von nur ein paar Stunden. Und der Pilot dreht zur Feier des Tages auch noch gleich ein paar Ehrenrunden. In Beijing zur Zeit absolute Frischluft-Galore. So kriege ich bei meinem sportlichen Spaziergang viel Grünes zu Gesicht, im selbsternannten zweitgrössten Park, der überhaupt je in irgendeiner Stadt Platz gefunden hat: dem Chaoyang. Der Chaoyang Park hat einiges zu bieten. Eine seit 2010 eingestellte Baustelle für das selbsternannt grösste Riesenrad. Ein Luna-Park mit verrosteten Achterbahn-Schienen und patentlos herumstehenden Disneyfiguren. Ein Notunterstand für unvorhergesehen Gewitterstürme, natürlich aus Metal. Ein Seilpark, der mit morschen Latten ein unvergleichbar neverkitzelndes Erlebnis bietet. Ein gut besuchtes Swimmingpool, wo man vor lauter Leute das Wasser nicht […]
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Irasshaimase! Für den chinesischen 1. August gibt es ein paar Tage frei, und die ganze Milliarde an Einheimischen macht sich auf die Socken. Wir unsererseits entschieden uns für eine Abstecher in das Land, das zur Zeit kein Chinesen besuchen möchte. In das Land, das wohl Weltrekordhalter ist im “Danke schön”-sagen, und wo es aus jedem Geschäft oder Restaurant, das man betritt eben genau so klingt: Irasshaimase! Japan hatte uns wieder! Konkret, Tokio! Und jetzt hadere ich hier von meinem Blog herum, und weiss nicht wo anfangen. Auch wenn man in Asien seit Jahren umherwandert, und von sich selber das Gefühl hat “botztussig, jetzt habe ich aber schon was gesehen du!”, kommt man ins Land der aufgehenden Sonne, sieht man Dinge, die man noch nie zuvor gesehen hat. Angefangen tut es im spektakulär unspektakulären Hotelzimmer. Wären wir zwei Schuhe, würden wir perfekt in diese Schuhschachtel passen. Es ist sauber, irgendwie härzig, und doch mega klein. Auch klein ist die Whiskey-Bar, in die wir einkehren. Doch sie ebenfalls hält ihre Treue zu beeindrucken. Ohne die Hilfe unseres japanischen Kumpanen Kuni, hätten wir das Lokal im Untergrund aber auch nie gefunden. Hinter der Bar steht einer, der eher ausschaut wie ein Physiker, als […]
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Es ist selten, dass man heutzutage noch etwas als “perfekt” bezeichnet. Unsereiner hat ja immer etwas zu meckern. Aber unser letztes Wochenende, das war perfekt! Derjenige welche, der in der Schweiz quasi schon für den Begriff von Perfektion steht, hat am Freitag im Wimbledon Halbfinal das perfekte Wochenende mit seinem Sieg über Djokovic eingeläutet. Jubeln konnten wir in der “WoolooMooloo” Bar im Ausgangsviertel “Lan Kwai Fong”. Wo wir zuerst dachten, es könnte schwierig werden eine Live-Übertragung des Spiels zu finden, zeigte diese Bar den Sportevent auf all seinen TVs und auf einer extra dafür aufgestellten Leinwand. Kein Wunder, die Hong Kong Chinesen scheinen Roger Federer geradezu vergöttern. Jeder Punkt wurde bejubelt, als hätte die eigenen Nationalmannschaft ein WM-Final Tor geschossen. Die Federer-Mania hat Hong Kong voll im Griff. Was hingegen Hong Kong selbst voll im Griff hat, ist Lebensqualität. Am Samstag, wo das tiefe Blau den Himmel zierte, zog es uns nach der obligaten Shopping-Tour, nach draussen ans grün. Grün gemischt mit einem tiefen Blau haben wir in wässriger Form auch bald gefunden. In weniger als einer halben Stunde ist man vom Herzen der Stadt am Strand. Umgeben von grünen Hügeln, mit einer Promenade und charmanten Restaurants, kommt einem hier […]
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Banane mit Stil

by marco· June 19, 2012· in Beijing, Food· 1 comments tags: Eis, Pool, Sommer
Achtung, jetzt kommt er, der letzte Schrei aus Asien. Sommer. Der ist zwar nicht der letzte Schrei, aber zum Schreien ist er. Zum Schreien heiss. Mit voller Wucht hat er Peking im Griff. Letztes Wochenende knackten wir zum ersten Mal die 40 Grad Marke und schmolzen dahin. Da gibt es nur noch eins. Die Flucht ins Wasser. Wer nicht über die Verwöhntheit von Botschaftsangestellten mit ihrem eigenen Pool verfügt, der sucht sich einfach das nächste schwimmbare Gewässer. Da ist man nicht wählerisch. Wo im Winter eine Kloake, eine inoffizielle Pilzzucht und ein Paradies für Parasiten-Forscher gelegen hat, ist jetzt eine Badeanstalt für chinesische Senoren. Ungeniert schwimmen sie in dem dünnflüssigen Sumpf ihre Längen. Das herunterhängende Stromkabel, das beim nächsten Windstoss Touchdown auf dem Wasser feiert, scheint sie dabei kaum aus dem Rhythmus zu bringen. Wo die Senoren die Flucht ins Wasser nehmen, wählt die jüngere Generation die Flucht zur Wasserglacé. Und jetzt wären wir da, beim letzten Schrei aus Asien. Dem Knüller auf allen Schulhöfen. Der Lacher in jedem Büro. Da schmelzt sie dahin, die Banane am Stiel. Dieses schälbare Eis am Stiel, das, im Gegensatz zur Banane, über keine Vitaminen verfügt, man aber dafür die Schale gleich mitessen kann, […]
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Ein Stück Kim

by marco· May 21, 2012· in Beijing, Food· 0 comments tags: Kim, Korea, Show
Nord Korea hat es im Moment fest im Griff für Lacher zu sorgen. Es muss ja nicht immer gleich mit Raketen zu tun haben, aber kürzlich haben sie es für uns mal wieder in Peking geschafft. Es sind ja gute Freunde, die Chinesen und die Nord-Koreaner. So wird das nordische Volk natürlich auch diskussionslos geduldet in der Stadt. Dies wiederum ermöglicht es uns ein unverfälschtes Bild deren Kultur zu erlangen und zwar da, wo man halt Kultur am besten zu Gesicht bekommt: im Restaurant. Nur ein paar wenige Nord koreanische Restaurants gibt es in Beijing. Exklusiv sind sie. Erstaunlicherweise auch exklusiv teuer, aber sie haben auch was zu bieten diese Lokalitäten. Erkennen tut man die Restaurants an ihren pompösen Eingängen und den Vorhängen bei den Scheiben, die wir höchstens im Winter, auf der Bergspitze im Chalet, als Decke verwenden würden. Von in Trachten gekleidetem Service-Personal wird man in Empfang genommen und durch einen grossen Raum voller enormer runder Tische an den Platz geführt. Das Essen ist nicht der Rede wert. All die verschiedenen Kims mögen vor allem Kim-chi. Was sich hingegen wieder sehr sehen lässt, ist die Unterhaltung während des Essens. Die Servier-Töchter entpuppen sich als regelrechte multi-Künstler. Die singen, […]
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Es plätschern ja hin und wieder Besucher in China ein. Da war es nur eine Frage der Zeit bis meine Regierung, sprich meine Eltern, auch mal eintreffen würden. Den ältesten Bruder hatten sie gleich mit im Schlepptau und so zogen wir durchs Land. Für mich neu diesmal war, dass ich für die Ehrengäste ein Auto organisierte. Ohne Chauffeur, denn fahren kann ich selber, auch wenn es sich beim Gefährt um eine eher klapprige “Peugeot”-Kiste handelt. Eins ist klar, im schweizer Fahrstil käme man in China nicht weit. Da würde man irgend in einer Einfahrt alt und grau dahin vegetieren. Die Devise im pekinesischen Strassenverkehr lautet: drängeln was das Zeug hält. Das funktioniert erstaunlich gut. Teilweise wird im Stau oder stockenden Kollonenverkehr Millimeter Arbeit verrichtet. Und für die Ultra-Drängler, von denen es ein paar Millionen gibt und sich skrupellos an den stehenden Autoschlangen über den Pannenstreifen vorbeischleichen, um dem Vordersten vor die Nase zu fahren, hat man auch ein As im Ärmel parat. Die Hupe! Wo ich in der Schweiz kaum wusste, wo sich diese befindet, wurde ich hier zum regelrechten Hupexperten. Die Frechheit der Chinesen wurde somit gekonnt behupt. Und auch wenn die Effizienz davon in Frage gestellt ist, rein […]
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Die Chinesen mögen es durchaus mal gern brasilianisch. Obwohl, meist kommt es einem dann doch etwas spanisch vor. Es herrscht grosses Kommen und Gehen auf der Botschaft zur Zeit. Auch mein Bürokumpane hat seinen Job an den Nagel gehängt. Zu diesem Anlass wurden wir von einem chinesischen Kollegen zum brasilianischen Barbecue ausgeführt. Als erstes packte der auch gleich eine Flasche “Bai jiu” aus. Dies das nationale Alkoholgesöff, welches einem drei Tage danach noch Magenbrennen verursacht. Diesmal jedoch war ich um das Getränk dankbar, denn irgendwie verlieh es mir das Gefühl, dass es all die Bakterien, die ich übers Essen einnahm, auch gleich wieder verätzte. Was genau an dem brasilianischen Barbecue hätte brasilianisch sein sollen, ist mir jetzt noch nicht klar. Das Buffet, das voll gestopft war mit der billigsten zu findenden Ware, breit gefächert von Pommes Frites bis Salat mit French Dressing, kann es nicht gewesen sein. Mit aller höchster Wahrscheinlichkeit waren es die enormen Spiesse, mit aufgestochenen Hühnern bis Rindszungen daran, die uns alle paar Minuten auf den Tisch geknallt wurden. Das Fleisch daran roch allesamt gleich nach den Überresten vom Fisch auf dessen Grill es gebraten wurde. Sowieso schien das Restaurant vor allem für seine Fischspeisen beliebt zu […]
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Wenn man im Moment ein japanisches Restaurant in Peking betritt, findet man oft ein halb leeres Lokal vor. Die Angst hier ist riesig vor kontaminiertem Fisch. Diese Umstände, aufkumuliert durch Stimmung und Lust, sorgten dafür, dass ich letztes Wochenende den besten Fisch gegessen haben eh und je. Und, um dem ganzen noch die Geräte zu ziehen, das ganze geschehen in Japan. Genau genommen, Osaka. Die Bude war klassisch japanisch mit dem langen Tresen aus Holz, mit der Vitrine voll von rohem Fisch und dahinter die Meister, welche ihn zubereiten. Bestellt man Salmon wird dieser grosszügig geschnitten, mit dem Reis präpariert, einem über den Tresen und direkt vor das Maul gelegt. Der Fisch so frisch und zart, dass er wie ein Stück Milchschokolade auf der Zunge zergeht. Und am Abend vorher, gab es noch diese Delikatesse hier. Das gute Stück hüpfte quasi direkt vom Meer auf den Teller und musste somit auch noch wie ein Knobelspiel auseinander genommen werden. Dass erst anfangs Jahr wieder zwei Gäste daran glauben mussten, liess uns nicht davor zurückschrecken, doch einmal den Kugelfisch zu probieren. Diese Zeilen beweisen, dass der Koch über eine berechtigte Lizenz verfügte, diesen zu zubereiten. Dies alles ein wenig symbolisch dafür, dass […]
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