Nun denn, nach all dem Stuss, jetzt zurück zum eigentlichen Thema: Filmemachen. Da ist nämlich viel gegangen in den letzten Monaten. Während Paris in einem terroristischen Feuerwerk aufging, hatte ich die Ehre bei Gaumont Animation als Schreiberlehrling über die Schulter der professionellen Drehbuchautoren zu gucken. Die Shows orientieren sich an Jungs im wilden Alter. “Atomic Puppet”, ein Junge der mit seiner Marionette am Arm zum Superhelden mutiert, und “Furry Wheels”, ein Faultier, dass vor allem eins kann, in seiner Heimatstadt “Wheelopolis” aufs Gaspedal drücken. Der Produzent beider Shows: niemand geringeres als Disney. Ich finde mich in einem dieser berüchtigten “Writers rooms” wieder und habe zu Beginn vor allem die Aufgabe alles was gehirnstürmt wird, irgendwie festzuhalten. Das kann ganz schön stressig sein, vor allem wenn die Truppe in fahrt kommt und ein Gag nach dem anderen heraussprudelt. Nachdem ich die erste Scheue überwunden habe, kriege auch ich die Gelegenheit, meine Ideen einfliessen zu lassen. Was für ein Höhengefühl, wenn dann die eigenen Inspirationen auch tatsächlich im Final Script enden. Noch höher die Emotionen, wenn die ersten Ideen im Storyboard zum Leben erwachen. Am liebsten möchte man herausschreien: “Das war meine Idee!” Interessant ist es, hinter die Kulissen zu sehen und […]
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Seit gut einem Jahr bewege ich mich nun schon in Paris. Und gestern hatte ich das schrägste Erlebnis soweit. Die Franzosen sind Karnivoren. Das ist kein Geheimnis und auch nicht weiter schräg, aber es wurde mir auf sehr komisch Art und Weise vorgeführt. Wir laufen per Zufall an ein Ereignis hin, das sich „Les rencontres made in viande” nennt. Oder anders ausgedrückt, ein Fleisch-Festival. Es wird gratis Fleisch aufgetischt. Nur Fleisch, nichts sonst. Und wo ich noch geglaubt habe, dass die Chinesen Könige des Gratis-Konsums sind, werde ich hier eines besseren belehrt. Das Fleisch wird auf einem Plateau serviert und einfach auf einen der langen Tische gestellt. Und dann kommen sie, die Leute. Meine Sport-Kollegen geben sich zuerst noch zurückhaltend und lassen den anderen wie es sich gehört freundlich den Vortritt. Bis sie plötzlich realisieren, dass wenn sie nicht gleich zugreifen, das ganze Fleisch schnurstracks weg gefressen ist. Sie ergattern von den etwa 2 Kilo Fleisch, noch gerade ein paar wenige Gramm. Der Rest ist von einer Meute Fleischfressenden Barbaren verschlungen worden. Dieses Schauspiel wiederholt sich etwa 3 mal. Und wieder und wieder kommen die Leute wie Zombies an geeilt auf der Jagd nach Frischfleisch. Der Vergleich mit Tauben, die […]
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Was haben Van De Walle, Disney, Hollande, Pharrell und Götze gemeinsam? Wäre da nicht der erste Name drin, wäre die Sache etwas einfacher, nicht? Nun, ich helfe euch auf die Sprünge: sie sind alle im Juli passiert. Mein letztes Projekt der Produktionsphase passiert als erstes. Dabei habe ich das Privileg, völlig auf eigene Faust zu agieren. Ich bin nämlich der „Making-of guy“. Also eigentlich der, der allen auf dem Set im Weg ist. Sollte allerdings die Dokumentation der Dreharbeiten gut ausfallen, wäre diese auch durchaus in der Lage, mehr Lorbeeren zu kriegen, als der eigentliche Film. In meinem Fall wage ich das jedoch zu bezweifeln, denn der Film, den ich notabene noch mitgeschrieben habe, könnte ganz gut werden. Es ist das erste Mal, wo ich an einem Set bin und das Gefühl habe, so könnte es in „echt“ aussehen. Das Team ist fokussiert und schnell, die Schauspieler perfekt besetzt und äusserst professionell. Auch wenn man das zuerst nicht so recht vermuten könnte. Ein seriöses Interview krieg ich jedenfalls mit keinem der Stars richtig hin. Die Schauspieltruppe versteht sich gut untereinander und hat ein richtiges Gaudi. Der Unterschied dann hier zu den anderen Sets, sobald es für diese Schauspieler heisst: „ready […]
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Plötzlich rattert und pfeift die Kamera und dann wird es gespenstisch still auf dem Set. Es ist klar, da ist was schief gelaufen. Der Blick des Kameramannes ist besorgniserregend. Der Regisseur verliert seine Farbe, und fängt an zu schwitzen. Es ist ein spezielles Set, denn der Film den wir drehen, drehen wir nicht digital, sondern auf dem immer seltener gesehenen Medium Film. 35mm soll es sein. Alte Schule. Die Kamera so alt wie ich. Ein Prachtstück, dass als unzerstörbar gilt. Die Stimmung auf dem Set: konzentriert und fokussiert. Für jede Szene haben wir nur etwa einen Versuch, den der Vorrat an Film ist abgezählt. Die Schauspieler dürfen sich nicht verplappern, eine unscharfes Bild auf Grund eines misslungenen Fokus wäre verheerend, ein Fehler in der Kontinuität unverzeihbar. Und das ist mein Job hier. Ich bin der sogenannte „Script Consultant“. Meine Verantwortung liegt darin, sicher zu stellen, dass der Film zusammen geschnitten werden kann, dass die vorangegangene Szene auf die nächste passt, dass beim Schauspieler von der ersten bis zur letzten Szene gleich viele Hemdknöpfe zu sind. Eine etwas unterschätze Position, gerade speziell wenn wir auf Film drehen. Für jede Szene muss ich haargenau die Zeit nehmen, denn das Museumsstück von einer […]
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