Was haben Van De Walle, Disney, Hollande, Pharrell und Götze gemeinsam? Wäre da nicht der erste Name drin, wäre die Sache etwas einfacher, nicht? Nun, ich helfe euch auf die Sprünge: sie sind alle im Juli passiert. Mein letztes Projekt der Produktionsphase passiert als erstes. Dabei habe ich das Privileg, völlig auf eigene Faust zu agieren. Ich bin nämlich der „Making-of guy“. Also eigentlich der, der allen auf dem Set im Weg ist. Sollte allerdings die Dokumentation der Dreharbeiten gut ausfallen, wäre diese auch durchaus in der Lage, mehr Lorbeeren zu kriegen, als der eigentliche Film. In meinem Fall wage ich das jedoch zu bezweifeln, denn der Film, den ich notabene noch mitgeschrieben habe, könnte ganz gut werden. Es ist das erste Mal, wo ich an einem Set bin und das Gefühl habe, so könnte es in „echt“ aussehen. Das Team ist fokussiert und schnell, die Schauspieler perfekt besetzt und äusserst professionell. Auch wenn man das zuerst nicht so recht vermuten könnte. Ein seriöses Interview krieg ich jedenfalls mit keinem der Stars richtig hin. Die Schauspieltruppe versteht sich gut untereinander und hat ein richtiges Gaudi. Der Unterschied dann hier zu den anderen Sets, sobald es für diese Schauspieler heisst: „ready […]
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Da arbeitet man Monate auf ein paar Tage hin, plötzlich sind sie da und noch viel schneller auch gleich wieder vorbei. Es ist passiert, ich habe meinen ersten Film abgedreht. Die paar Wochen vor dem „Shoot“, wie wir den Dreh so schön nennen, wurden auch regelrecht auf uns eingeballert. Irgendein Klugscheisser hat mal gesagt: plane für das Schlimmste, hoffe auf das Beste. Bei uns war irgendeinmal nur noch hoffen angesagt. Angefangen hat es mit den Castings. Es ist unsere letzte Auswahl-Session, die sogenannten „Call-backs“. Von den rund 20 weiblichen Darstellerinnen haben wir deren 4 Besten nochmals eingeladen. Die Wahl fällt leicht und die Rolle ist schnell besetzt. Die männlichen Darsteller hingegen sind schwieriger auszuwählen und wir haben nur gerade 2 vorselektioniert. Einer davon glücklicherweise mein klarer Favorit. Und genau der taucht nicht auf. Ein Schauspieler mit Starallüren: irgendeinmal schreibt er mir, er habe keine Zeit für die „Call-backs“. Ich könne ja einfach das Videomaterial von der ersten Session anschauen und ihm bitte bis zum selbigen Abend Bescheid geben. Er habe schliesslich auch noch andere Projekte. Beinahe eine Schande zu gestehen, dass dieser arrogante Herr noch den roten Pass auf sich trägt. Nun denn, Fakt ist, ich habe nur noch einen […]
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In 2 Wochen ist es soweit und die Dreharbeiten zu meinem Filmprojekt beginnen. 3 Drehtage werden es sein. Und diese 3 Tage sollen gut geplant werden. Wir sind also voll in der Produktionsphase angelangt. Für mein Projekt adaptiere ich eine chinesische Legende. Diese spielt in einem Künstler-Atelier und bringt irgendwo im Höhepunkt noch ein Drache mit sich. Diese Geschichte sorgt dafür, dass das Team rund um den Film momentan gut beschäftigt ist. Von Anfang an war uns bewusst, zur Realisierung des 5 minütigen Kurzfilms, werden wir ein paar grosse Hürden nehmen müssen. Die 3 Grössten hierfür sind: ein passender Schauplatz finden, ein weiser alter Chinese für die Hauptrolle besetzen und ein riesiges Gemälde mit Drachen herstellen lassen. Paris ist ja nicht gerade dafür bekannt, dass es freie Räumlichkeiten aus dem Boden spriesst, wie Pilze im Wald. Nein, es ist ein kahler, unfruchtbarer Boden. Und ausgerechnet hier suchen wir ein grosses Atelier. Klar, wir wollen es nur für 4 Tage buchen, 3 Tage drehen und 1 Tag vorbereiten, das sollte die Sache doch vereinfachen. Falsch gedacht, für einige Lokalitäten wollen uns Vermieter 1000 Euro pro Tag (!!!) aus der Tasche ziehen. Das würde das geplante Budget für den Kurzstreifen schlicht sprengen. […]
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Für was geht man schon wieder zur Filmschule? Genau, um irgendeinmal in der grandiosen Lage sein zu können, „Action“ zu rufen. Wir gehen langsam aber sicher in die produktive Phase über hier in Paris. Das mitunter der Grund, für meine markante Absenz auf dem Blog. Das Ende des zweiten Semesters naht, und jeder Professor will irgendwas von uns. Das meiste davon stets aufwändig, manchmal stressig und schlussendlich auch sehr amüsant. So feierte ich zum Beispiel meine Premiere als Regisseur. Es war für ein kleines Projekt. Der Auftrag war eine Szene aus einem beliebigen Film zu finden, die wir dann reproduzieren konnten. Meine Wahl viel auf eines der ersten Werke des Altmeisters Tim Burton. Beetlejuice. Und was kommt einem als erstes in den Sinn, wenn man an den Film Beetlejuice denkt? An einen nervigen Michael Keaton als Beetlejuice natürlich, und dann diese gewisse, abartig skurrile Szene am Esstisch, wo sie wie die Besessenen herum tanzen. Nun, wenn sich jetzt unter den Lesern hier noch irgendwelche Illusionisten befinden, die sich denken, ein Film zu machen, sei eine einfache und schnell erledigte Sache, den möchte ich hier eines besseren belehren. Filmemachen ist eine sehr sehr ziemlich aufwändige Angelegenheit. Alleine für diese kleine Furz-Szene […]
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Die Franzosen lieben ihre Bistrots. Ja, sie lieben sie heiss, auch wenn es saukalt ist. Tatsächlich kann ich nun bezeugen, dass sie auch im Winter gemütlich Draussen vor ihren Bistrots sitzen und ihr Wein schlürfen. Diese Beizli-Kultur eine friedliche und eine, die sie voraussichtlich auch noch lange pflegen werden. Eigentlich schade, ist der Winter so mild, gerne möchte ich die Temperatur-Untergrenze heraus finden, wo es sogar dem Pariser zu viel wird, an der Kälte an seiner Zigi zu ziehen. Eines ist aber klar, diese Kultur breitet sich aus. Da Sarah in Genf arbeitet und ich in Paris studiere, haben wir uns ein Frequenz-Abonnement ins Porte-monnaie verschafft, dass uns erlaubt zu günstigen Preisen, sowie ganz flexibel, diese Strecke mit dem TGV zurück zu legen. Wir sind gar so flexibel, dass wir vom eigentlich gebuchten Zug, auch jenen der vorher und nachher geht besteigen können. Dann allerdings geht die Sitzplatzreservation flöten. Und wenn es halt keinen Sitz mehr frei hat, endet man dort, wo man ganz viele Franzosen antrifft: in der Zugs-Bar. Also sogar im TGV wird diese Beizli-Kultur weitergezogen. Da machen wir natürlich samt dem Monsieur Croque gerne mit. Gecroqued und gerocked hat auch die Band „Phoenix“ in Paris. Die Lokalität […]
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Der Nadelbaum ist schon wieder weg. Leider zu spät für diese kleine Kunstwerke von Kugeln, die man in Paris findet. War schön die Weihnachtszeit. Und die grösste Bescherung hat wohl der Storch gebracht. Jetzt bin ich doch tatsächlich Onkel geworden, gloubsch? Der kleine namens „Elio“ ist just noch vor dem Weihnachtsmann am 5. Dezember durch die Tür getreten. Geglaubt, den Weihnachtsmann höchstpersönlich zu sehen, habe ich bei einer unseren Master Klassen. Jan Harlan, der gutmütige Opa hat dabei verwechselnde Ähnlichkeit mit dem Mann vom Nordpol. Doch ich kann bestätigen, er ist es nicht. Nicht minder spektakulär ist er jedoch ein Verwandter von Stanley Kubrick, der bei einigen seinen Meisterwerken als Produzent zur Seite stand. Er hielt daher auch einen äusserst enthusiastischen Vortrag bei uns an der Schule. Gezeigt hat er uns mit diesem Film, wie simple es sein kann, eine packende Geschichte zu erzählen. Die einzige aber wichtigste Hauptzutat jeweils, eine bomben Idee (der zu hörende Fussball-Kommentar übrigens ein Original und so geschehen). Auf dem Computer-Desktop habe ich während des Vortrages auf einmal einen Ordner erblickt mit dem Titel „Mani Matter“. Ich konnte es nicht unterlassen, Jan Harlan am Ende seines Referates darauf anzusprechen. Da er deutsche Wurzeln hat, hab […]
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Das Pompidou Centre. Endlich tauchen wir darin rein. Die Kunst von Paris hat uns erreicht. Nebst der Liebe, ist Kunst wohl das zweite Wort, dass der ewigen Stadt ganz schwer anhängt. Im vornherein freue ich mich auf die kontemporäre Atmosphäre. Mit den schier unglaublichen, japanischen Galerien im Hinterkopf, sind meine Erwartungen gross. Und dann stehen wir vor diesem Teil: Hm… Drei weisse, leere Bilder. Wahnsinn. Nun denn, vielleicht trifft diese Räumlichkeit nicht unseren Geschmack. Kann ja sein. Geschmackssache halt. Versuchen wir es also mit etwas Text: Mhm… interessant. Sicherlich sehr tiefgründig. Ganz eindeutig hat sich Herr Gomringer viel dabei überlegt. Zweifelsohne sind wir, die Zuschauer, die Idioten, die einfach nicht verstehen wollen, was der Künstler meint. Das wird uns zu bunt, das ganze. Und das an sich schon eine Kunst, denn wir mögen es bunt: Doch, mit dem schwindenden Licht der Wintersonne, scheint mir langsam ein inneres Licht aufzugehen. Die Kunst von Paris findet man auf deren Strassen. Viele der schönsten Kreationen findet man sogar vor der eigenen Haustür. Die gesamte Pariser Bevölkerung scheint ein Händchen für Kunst zu haben. Vor etlichen Haustüren türmen sich täglich neue Werke. Ein Direktimport aus all den verschiedenen Haushalten. Vorgestern stand da ein ausgemisteter […]
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Wir sind spät. Natürlich sind wir spät. Anfangs sind wir stets gut drin im Zeitmanagement, und am Schluss verlauern wir es doch noch. Eigentlich nicht so schlimm, könnte man denken. Denn, der Film beginnt ja erst in einer halben Stunde. Nicht aber so in Paris. Da muss man gut vor dem Vorstellungsbeginn beim Kino stehen. Aber nicht etwa, weil man die 20 Minütige Werbung, oder die zahlreichen Trailer nicht verpassen möchte. Nein, weil man nicht auf den zwei letzten Plätzen unten links und unten rechts gleich vor der Leinwand enden möchte. Ja, in Paris gibt es keine Platznummerierung im Kino. Da ist es wie bei einem Rockkonzert. Es wird gedrückt, gedrängelt und geschoben. Und die ersten im Saal haben die besten Plätze. Und Leute hat es hier immer im Kino. Paris ist die absolute Kinometropole. Es scheint als sei jeder Bürger im Besitz einer dieser sensationellen “illimité” Karten, das quasi ein General Abonnement ist, um soviel und wann man auch möchte ins Kino zu gehen. Fantastisch! Resultat, die Säle stets bumsvoll, oder zumindest gut besetzt. Es sind aber harsche Kritiker, die Franzosen. Überzeugt ein Film nicht, dann verschwindet der schnell von der Bildfläche. Gewinnt man jedoch der Audienz ihre Herzen, […]
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“Peinture fraiche” steht an unserer neuen Haustür. Doch irgendwie sieht es nicht danach aus, als wurde letzthin irgendwo bei unserem Eingang was neu gestrichen. Okay, es ist auch Sonntag und am Sonntag machen die Franzosen keinen Strich. Das etwas vom ersten, was mir an dieser neuen Stadt auffällt. Am Sonntag sind die Geschäfte und grösstenteils Restaurants zu. Irgendwie schräg für so eine Weltstadt. Und noch schräger kommt uns das vor, da wir gerade mehr oder weniger vom Oktoberfest in München kommen. In Paris scheint vom Prosit auf die Gemütlichkeit, nur letzteres angekommen zu sein. Das Oktoberfest, nebenbei bemerkt, ein Erlebnis. Eine feucht- fröhliche Angelegenheit der Extraklasse und wahrscheinlich in dieser Form nur in Deutschland möglich. Auch ganz ein interessantes Experiment dabei, so viele Loopings nach dem ersten Maas Bier zu durch schnellen. Resultat. die Rekalibrierung der Sinne nimmt proportional zur eingeführten Promille definitiv mehr Zeit in Anspruch. Und jetzt also Paris en pleine vitesse. Mit gepacktem Ruckseckli und dem mulmigen Gefühl, dass sich beim ersten Schultag einstellt, geht es auf zu meinem neuen Arbeitsdomizil, der Filmschule EICAR. Ist ja etwa 10 Jahre her, seit ich zuletzt die Schulbank gedrückt habe, umso mehr erstaunt darüber bin ich, dass mein muschiges Hirn […]
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